1978/1979 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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42. Jahrgang Nr. 80

Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort Mit diesem Heft gehen wir in die 80. Folge unserer Zeitschrift, die sich bemüht, ihren Beitrag zur heimatkundlichen Forschung und Erkenntnis, insbesondere des Strelitzer Raumes und seiner Geschichte, zu leisten. Auch vielen in- und ausländischen Freunden haben wir mit Abhandlungen über ihre Arbeits- und Interessengebiete, mit Erzählungen und Gedichten Raum gegeben, ebenso unserer heimatlichen plattdeutschen Sprache. Anfänglich nur eine schlichte Zeitschrift unseres ehemaligen Gymnasium Carolinum in Neustrelitz hat sie sich aus dem humanistischen Geist und dem feinsinnigen Wirken unseres verewigten Oberstudiendirektors Gustav Heinrich Piehler wie auch aus dem einzigartigen Zusammenhalt unserer Altschüler-Vereinigung heraus weit über ihren Ursprungsbereich zu einem Organ entwickelt, welches das heimatliche Kulturerbe in seinem gesamtdeutschen und europäischen Zusammenhang aufzeigt und freiheitlich bewahrt.
  • Neustrelitzer Kirchengeschichte - Zum 200. Jahrestag der Einweihung der Stadtkirche Annalise Wagner Neustrelitz wurde 1733 gegründet und hatte bis zum Bau seiner ersten öffentlichen Kirche für alle Stadtgemeindemitglieder nur eine Hofkapelle, die sich in dem 1726-1731 zu einem fürstlichen Hause umgebauten Jagdhaus Glienecke befand. Dieser kirchliche Andachtsraum hatte einen separaten Zugang vom Schloßhof aus (er ist noch heute vor der Schulbaracke des Rates der Stadt an den Bordsteinen der Säulenvorlage festzustellen). Dieser schöne Raum war mit drei Chören, Altar, Kanzel, Orgel und prachtvollem Kronleuchter ausgestattet und ging durch zwei Etagen, wie es meist bei den Schloßkapellen üblich war. Die Hofgemeinde hatte zu den Gottesdiensten nur an den großen kirchlichen Festtagen Zutritt.
  • 750 Jahre Güstrow - Vortrag, gehalten am 14. Oktober 1978 in Hamburg Ulrich Abraham Die Feierstunde, zu der wir "Buten-Güstrower" uns hier heute zusammengefunden haben, gilt dem Gedenken unserer alten Heimatstadt Güstrow, die in diesem Jahr auf das 750jährige Bestehen ihres Stadtrechtes zurückblickt. Sie stellt sich, um noch einmal die reine Absicht Walther Bruses, des Initiators dieser Veranstaltung, hervorzuheben, nicht dar als eine Demonstration des uns Deutschen zugefügten Unrechts der Spaltung unserer Nation in zwei Staaten. Diese Gedenkstunde soll vielmehr die feste Verbundenheit von uns Buten-Güstrowern mit unserer Heimatstadt zum Ausdruck bringen. Wir wollen eine Brücke schlagen von hüben nach drüben, hinweg über eine durch Minen und Stacheldraht aufgerichtete Sperrgrenze zwischen Menschen, die von Hause aus, von ihrer Herkunft und Geschichte her zusammengehören.
  • Verleihung des Kulturpreises der Landsmannschaft Mecklenburg an Gerd Lüpke Dem Dichter, Verfasser und Sprecher plattdeutscher Rundfunksendungen und Übersetzer Gerd Lüpke in Varel, der auch in dieser Zeitschrift mehrfach hervorgetreten ist, wurde am 7. Oktober 1978 während einer Feierstunde im Rokokosaal des Herrenhauses zu Ratzeburg der diesjährige Kulturpreis der Landsmannschaft Mecklenburg verliehen. Die Laudatio hielt sein Freund Helmut de Voss, Paderborn.
  • "Stierns öwer'n Hoff" - aus: "Waldheimat" von Peter Rosegger Gerd Lüpke Sogor de Proffessers gäben ditmal tau, wat de Dichterslüd all lang weiten: dat öwer'n Busch de Stierns heller lüchten as annerswo. Dat mak de reigen Luft, seggen de einen - de annern meinen, de Stiernhäben schämert so blank un fründlich öwer den wieden, stillen Busch, wieldat de Lüd an sienen Rand noch an den Häben un an ehren Herrgott glöben.
  • Hermann Claudius Otthinrich Müller-Ramelsloh Am 24. Oktober d. Js. feierte der Dichter Hermann Claudius, ein Urenkel von Matthias Claudius, seinen 100. Geburtstag. Das ist für die deutsche Literaturgeschichte ein einmaliges Geschehen. Wir alle nehmen in herzlichem Gedenken daran teil. Hermann Claudius hat in seinem langen Leben viel hochdeutsche und plattdeutsche Dichtung herausgebracht. All seinen Schöpfungen liegt ein mit den tiefsten Lebenskeimen des Volkes innig verwachsener, von allen erlebter, anschaulich behandelter Stoff zugrunde. Stil und Sprache von Hermann Claudius verschmähen alles Aufgetragene, Schmuckhafte. Jubel und Klage der Kindesseele, Freude und Leid des Volkes, zuletzt des Dichters, des einsam Gewordenen, werden echt empfunden, fast unerschöpflich besungen.
  • Mecklenburger Lied [Satz und Weise] Hermann Claudius Land der breiten Ackererde, Mecklenburg, du Bauernland, / Land des Brotes, Land der Erde, Land der offnen Gotteshand.
  • Winterwald Hermann Claudius Wir gingen durch den Winterwald / In seinem weißen Schweigen. / Die Tannen hingen tief verschneit, / Und stille stand um uns die Zeit / Die Sonne war im Neigen.
  • Das Maltzaneum zu Waren Hans-Joachim Deppe Zu Michaelis 1866 suchte Freiherr Herrman von Maltzahn den Gymnasiallehrer Carl Struck in Waren auf. Er eröffnete ihm seinen Plan, ein naturhistorisches Museum einzurichten. Herrman von Maltzan war Besitzer der Güter Federow und Schwarzenhof bei Waren. Sein Plan zur Gründung eines Museums hatte einen bestimmten Hintergrund. Die Familie von Maltzan war schon immer den Fragen der naturwissenschaftlichen Forschung gegenüber aufgeschlossen gewesen. Eine wesentliche Rolle kam in diesem Zusammenhang Herrmanns ältestem Bruder zu, Albrecht von Maltzan (1812-1851) . Dieser faßte 1845 zusammen mit Ernst Boll/Neubrandenburg den Entschluß, eine wissenschaftliche Zeitschrift herauszubringen.
  • Appassionata Hermann Claudius Es hat den Herrgott ergetzt, / Daß er des Menschen Herz / Zuinnerst in seine Schöpfung gesetzt.
  • Ut Dörp un Stadt, Kasern un Schloß Karl Hacker Ut miene Militärtied. - En-s goden Dags, dat güng all scharp up den Harwst to, kreg ik dörch de kaiserliche Reichspost en amtliches Schrieben tosteIlt, dor stünn in, dat ik mi an den-n 16. Oktober morgens Klock säwen up denn Kasernhof in Nigenstrelitz infin-n süll, ik süll mit den-n Rekrutentransport nah Colmar in-n Elsass verfracht-t warden. Ik kreg 'nen bannigen Schreck: irstlich äwer dissen korten militärischen Ton, in denn dat Schrieben holl-n wier, twetens äwer de korte Tied, de mi noch in min schöne warme Stell- günnt wier un drüttens öwer dat wiede En-n, wat se mi in de Welt rinschicken wull-n.
  • Vorbeimarsch im Schloßhof 1926 [Foto] anläßlich des Staatsbesuches des neu gewählten Reichspräsidenten von Hindenburg.
  • Drosseln [Gedicht] Klaus Giese Möd un matt schient de Novembersünn, / natt sünd Holtbusch, Wischen, Brook un Acker. / Drosseln fölen hüt von Osten in, / dusende lütt Ziemen, grote Schacker.