1965 Sommer

Das Carolinum
Blätter für Kultur und Heimat

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(31.) 28. Jahrgang Nr. 42

Inhaltsverzeichnis
  • Gang durch die mecklenburgische Dichtung Walter Lehmbecker Durch die kulturelle Großtat der mittelalterlichen Kolonisation wurde Mecklenburg ein deutsches Land. Mit seinen Seestädten Wismar und Rostock hatte es später Anteil an der Entwicklung und Blüte der Hanse. Dazu kam seit 1419 die geistig befruchtende Wirkung der Universität Rostock, die weit über das Land hinausging. Im Gesamtrahmen der Kultur des Landes spielte seine Literatur keine besonders auffallende Rolle; zunächst war es vordringlich gewesen, Dörfer und Städte zu gründen und Kirchen zu bauen, und in der Zeit der Hanse war die Seefahrt das Lebenselement in den Küstenstädten.
  • Der Maler Professor Karl Storch Rudolph Jacoby Es sind gut hundert Jahre vergangen seit dem Tage, da Karl Storch in Segeberg in Holstein das Licht der Welt erblickte: am 28. Januar 1864, und vierzehn Tage nach seinem 90. Geburtstag ist er auch in seiner Vaterstadt gestorben. Zwischen diesen beiden Daten aber liegt ein von künstlerischem Schaffen erfülltes Leben. Karl Storchs Vater war Kaufmann, und der Sohn sollte werden, was der Vater war. Aber in ihm regten sich früh andere Gedanken, die abseits aller geschäftlichen Betätigung lagen: er zeichnete und malte, soweit die damals noch weit über acht Stunden hinausgehende Arbeitszeit im väterlichen Geschäft das zuließ.
  • Die Blüte (An der Somme 1918) [Gedicht] G. H. Ein sonnensatter weißer Julitag / glüht über kampfzerwühlter Erde. / Das Röhren der Geschütze ist / im heißen Atem des Gestirns / erstickt.
  • Geist und Gesellschaft Hermann Brunswig Ab und zu, hin und wieder rieseln vom blauen Himmel des Staates ein paar freundliche Worte auf die lechzenden dürren Felder des Geistes herab. Weder Regierung noch Opposition sparen mit Versicherungen des herzlichsten Wohlwollens gegenüber den Wünschen und Sorgen des Geistes, der Freien Berufe, der Wissenschaftler, der Universitätsprofessoren, der Lehrer, die sich über die entwürdigende Unterbezahlung aller geistigen Arbeit bitter beklagen.
  • Chronik der Stadt Burg Stargard und ihrer Gemarkung im Rahmen der Landesgeschichte VIII e, 1) P. Steinmann In der Nacht vom 26.127. August "blieben die erschöpften Truppen und Pferde fast alle da, wohin sie vor Einbruch der völligen Dunkelheit gelangt waren, stehen und liegen, bis auf die Haut durchnäßt, ohne Stroh, ohne Holz, zum Teil ohne Brot, unter fortdauerndem Regen, bei kaltem Nordwind ... Nur die kräftigsten Naturen überstanden diese Nacht und die Anstrengungen der nächsten Tage" (Droysen), II, S. 147). Am übelsten erging es den Landwehrmännern. - Die Schlesische Landwehr war von Gneisenau während des Waffenstillstandes organisiert worden.
  • Die Entstehung des niedersächsischen Bauernhauses Friedrich Behn Keines der erhaltenen Bauernhäuser hat ein höheres Alter als günstigstenfalls 400 Jahre. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts stehen alle Spielarten fertig entwickelt da, die wesentlichen Vorgänge der formalen und größtenteils auch der technischen Entwicklung haben sich also bereits in den vorhergehenden Jahrhunderten abgespielt. Die Volkskunde, zu deren vordringlichsten Aufgaben an sich die Bauernhausforschung gehört, hat bewußt darauf verzichtet, den scheinbar wenig aussichtsreichen Fragen nach der Entstehung der einzelnen Formen nachzuspüren.
  • Aus meinem Schwarzmeer-Tagebuch. Jalta einst und jetzt. Ludwig Brückner Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, hatte unser Schiff die "Völkerfreundschaft" Konstanza, den rumänischen Schwarzmeerhafen verlassen. Als wir am anderen Morgen erwachten, hatten wir die felsige Südküste der Halbinsel Krim erreicht, die sich uns im schönsten Morgensonnenglanz präsentierte. Das Schiff hatte unter den schmetternden Klängen der Bordkapelle am Pier des kleinen Hafens an der Außenmole festgemacht. An Bord herrschte ein ameisengleiches Gewimmel von Fotografen, Filmamateuren und Schaulustigen.
  • Ewige Rose [Gedicht] Erna Blaas Bist du immer noch nicht ausgesungen / wie ein Kanon, der sich überschlägt? / Ach, dein Name schmilzt auf allen Zungen, / weil er so viel Süße in sich trägt!
  • Erneuerungsarbeiten an den kirchlichen Bauten in Neustrelitz Friedrich Scheven Bei aller Freude an modernen Bauformen ist man doch gelegentlich etwas betroffen von der Eigenwilligkeit der neuen Kirchen, die in Westdeutschland in den letzten Jahren erbaut sind, oft auch über den Aufwand, der damit verbunden ist. Dem können die Gemeinden Mitteldeutschlands nichts an die Seite stellen. Wie bescheiden nimmt sich doch daneben das Kirchiein in Alt-Strelitz aus oder die Michaelskapelle in Neubrandenburg.
  • Auf den Tod meines Freundes Fritz Rothe [Gedicht] Fritz Hagemann Als deine Fackel jäh erlosch, da sprühte / Des Sommers Glut in ihrer höchsten Pracht.
  • Joachim Nikolaus von Dessin, 1704-1761. Ein Mecklenburger als Begründer der öffentlichen Bibliotheken am Kap der Guten Hoffnung. Wend Wendland Ausgerüstet mit ausgezeichneten öffentlichen, gebührenfreien staatlichen und provinzialen und städtischen Büchereien gedenkt das Kap der Guten Hoffnung und das ganze Land Südafrika eines Mannes, auf dessen Initiative vor mehr als 200 Jahren diese bibliothekarische Entwicklung zurückzuführen ist. Als Joachim Nikolaus von Dessin am 18. September 1761 in Kapstadt stirbt, hinterläßt er seine Büchersammlung von 3856 Bänden, außerdem MSS, Bilder und Münzen der Obhut des Rates der Niederdeutschen Reformierten Kirche, als Grundlage für eine öffentliche Bibliothek.
  • Mathilde Wegener, eine Lehrerin des deutschen Ostens Carl Risch Wer alter Neustrelitzer ist, kennt das Grundstück Strelitzer Straße Nr. 34/35, gelegen zwischen Spedition Hinrichs und Wendt's Gesellschaftshaus. Es war ein Doppelhaus, durch die Mitte ging die Toreinfahrt. Man konnte über den Hof zur Tiergartenstraße gelangen. Es muß eins der Häuser gewesen sein (durch den letzten Krieg ist es zerstört), die als erste in der neugegründeten Residenz errichtet wurden. Erworben wurde es (damals schon sehr alt) 1832 von meinem Urgroßvater Ludwig Wegener, "zünftiger Musicus, Ackerbürger und Gastwirt".
  • Geheimrat Prof. Dr. Franz Schmidt +. Ein Schulmannsleben in der Zeitenwende Heinz Lohmeyer Wenn wir in diesen Tagen unseren Blick auf Marburg richten und uns in der Vorfreude des grauen Alltags auf die festlichen Stunden unseres diesjährigen Carolinertreffens einzustellen beginnen, dann gilt es, auch eines bedeutenden Schulmannes zu gedenken, der kurz vor Vollendung seines 89. Lebensjahres am 14. Juni 1963 in Marburg verstorben ist: Geheimrat Professor Dr. Franz Schmidt. Dieser weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Pädagoge wohnte und arbeitete seit 1955 in der Siedlung des "Deutschen Heimstättenwerkes für Wissenschaftler und Künstler", um sein Lebenswerk in der schönen Universitätsstadt mit der Herausgabe eines Buches über die deutschen Schulen in allen Ländern zu krönen.
  • Der Archäologe Otto Keller (1838-1927) und Heinrich Schliemann Oscar Paret In Pleidelsheim (Kreis Ludwigshurg) ist im Jahre 1812 ein berühmter Professor der neueren Philologie geboren, und im nahen Ludwigsburg starb im Jahre 1927 sein Sohn als Professor der alten Sprachen und der klassischen Archäologie, bekannt durch eine Schrift über das römische Öhrirrgen und durch seinen Einsatz für Heinrich Schliemanns Kampf um Troja.
  • Das Krankheitsbild der Schizophrenie Hermann Flach Hermann Brunswig schreibt in seinem Beitrag (Heft Nr. 41 des Carolinum) "Wirklichkeit und Wahrheit": Und ein schizophrener Trommler trommelte das begabte und gebildete deutsche Volk auf die Gassen. Es wird damit eine heikle Frage aufgeworfen, die weittragende Konsequenzen nach sich zieht. War dieser Trommler wirklich schizophren? Was bedeutet Schizophrenie? Handelt es sich um eine bestimmte geistige Erkrankung oder bedeutet schizophren "geisteskrank" im allgemeinen? Um es vorweg zu nehmen, Schizophrenie ist eine, und zwar die häufigste Geisteskrankheit (man rechnet mit einem Durchschnittsbefall von 0,85% der Bevölkerung) und es ist das Verdienst des Münchner Psychiaters Kräpelin, geboren 15. 2. 1856 in Neustrelitz (siehe Heft Nr. 35 des Carolinum), aus der Vielfalt der geistigen Störungen den Begriff der Schizophrenie abgegrenzt und ihre Symptome beschrieben zu haben.
  • Ruan Hermann Rössler Zu diesem Buch der englischen Historikerin und SchriftstelleTin Winifred Bryher gibt unser Caroliner H. Rössler im folgenden eine Einführung. Bei dem Begriff "Großbritannien" stellen wir uns dies Inselreich meist zu 98 % angelsächsisch vor. Die Einwohner Britanniens vor dem 5. Jahrhundert nach Chr. waren Kelten, und ihre Sprache, der das poetisiche Wort Albion zugeschrieben wird, lebt noch heute, wenn auch im vVandel der Zeiten verändert, im äußersten Norden und Westen. Im schottischen Hochland heißt sie "gaelic", synonym zu Caesars gallicum, und in Wales wird sie "cymraig" (ausgesprochen kamraig) oder Cymru genannt.
  • Wilhelm Unger 1775 - 1855, Neffe von Wilhelm Tischbein, Hofmaler und Professor in Neustrelitz. Anhang V, Register Eckhard Unger
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • Abendlied G. H. Piehler Will nun Abend werden / über Moor und Ried, / weiße Wolkenherden / wandern stumm und müd.
  • Neudrusedom. 5. Folge. Erinnerungen Niklas Nothnagel Wie in der ersten Folge N. N.s Neudrusedomer Denkwürdigkeiten soll auch hier ein geschichtliches Ereignis erwähnt werden, welches der Verfasser nicht ansteht, zu den Höhepunkten seiner Knabenjahre zu zählen. Es war der Besuch des Staatsoberhauptes der Republik in dem kleinen Lande, dessen Hauptstadt Neudrusedom war. Wie erinnerlich, war dieser Erste im Staate jener Feldherr des ersten Weltkrieges, den der Volksmythos schon damals mit dem Beinamen "der Eiserne" belegt hatte.
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • Uns´ plattdütsch Eck
  • Mandenschien [Gedicht] Gerhard Böhmer Liesing löpt dei Mandenschien / dörch dei lütten Straten, / Kickt in männig Finster rin. / Allens is verlaten.
  • Oltspraken Wüür Hans Meese
  • Reuterzitate Ernst Rosenhainer
  • Oh du mien Griepswold! Bernhard Trittelvitz Hüüt Morgen fahr ik ut den Slaap up: "To'n Düvel ok!" roop ik, "Mudder, dreihg den Kasten af!" Dicht an mien Uhren bölkt de Rundfunk as en Oss: "Tief wie die Nacht und still wie das Meer!" Wi hebben ja dat Radio twüschen uns Betten to stahn, doch mien Fru hett de Knööp up ehr Siet.
  • Swinegel un Voß Olga Vorbeck De Swinegel güng an enen Sündamorgen spazieren. He was idel vergnögt un fläu't sik ens. Dor kem Reinke Voß un säd: "Du bist jo so vergnögt un fläut'st an'n Sündamorgen?"
  • Karl Nahmmacher, der Senior des ehemaligen Lehrerkollegiums am Carolinum G. H. Piehler; Heinrich Hardt; Johannes Köhler Der 90jährige Karl Nahmmacher. Da sehen wir ihn vor uns, unseren Lateinlehrer, der Ostern vor 64 Jahren die endlich geteilte Quinta (60 Quintaner) in der Abteilung b übernahm, mit einem gewaltigen Ruck die Tür des im Giebel auf dem Dachboden neben dem Karzer(!) eingerichteten neuen Klassenzimmers öffnete und mit einem großen Satz dann vor uns auf dem Katheder stand. Hoch und schlank war er, ein "Pincenez" hob das intelligente Gesicht noch stärker ins Geistige, alles an ihm war straff und doch biegsam, mit einem Wort ein "Pauker", wie wir ihn noch nicht erlebt hatten und wie es ihn auf dem Gymnasium auch nicht gab.
  • Studienrat Johann Heinrich Klempien + Am 22. 1. 1883 wurde Johann Heinrich Klempien in Waren in Mecklenburg geboren.Sein Vater erhielt bald nach der Geburt des Sohnes seine Versetzung als höherer Zollbeamter nach Rostock, starb aber schon in jungen Jahren, so daß die Mutter mit ihrer kleinen Pension ihre vier Kinder großziehen mußte und der Sohn Johann Heinrich gezwungen war, als Schüler durch Nachhilfestunden die Familie zu unterstützen.
  • Leeve Caroliner, Realer, Lyzisten, Fräländer und Brammborgerl Schnurz Michel hadd sein Lübeck all wedder up'n Hümpel. Unnen in'n Saal so an fiefhunnert und haben up de Galerie ok noch tämlich vull besett't. Ick set unner richtig inklemmt, had oewer dordörch denn vöddel, dat ick denn schönen plattdü.tschen Lichtbillervördrag von unsen ollen Bramborger Amtsrichter Marung god hürn künn. Wat wier dat schön, as wie uns oll Heimat mal weddersehn künnen und an de Erklärungen dorto wier wü.rklich allens an.
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