1982/1983 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift - Beiträge zur Chronik der Stadt Neustrelitz (1733-1983)

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46. Jahrgang Nr. 88

Inhaltsverzeichnis
  • Beiträge zur Chronik der Stadt Neustrelitz 1733-1983 Annalise Wagner Dem Andenken an meinen Vater, Buchdruckereibesitzer, Otto Wagner, (1866-1934), dem ersten Verleger für Stadtführer, Stadtplan, Adreßbuch und Ansichtskarten der Stadt Neustrelitz. Aus Anlaß des 250jährigen Bestehens der Stadt Neustrelitz herausgegeben von der Vereinigung ehemaliger Schüler und Freunde des Gymnasium Carolinum zu Neustrelitz.
  • Erlass von Herzog Adolph Friedrich III. über die Gründung der Stadt Neustrelitz Von Gottes Gnaden Adolph Friedrich, Herzog zu Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargard Herr, etc. Als wir aus bewegenden Ursachen, absonderlich aber, da unser, leyder, vor etzlichen Jahren eingeäschertes Schloß zu Strelitz noch nicht wieder aufgebauet, so wohl wegen der sumpfigten und morastigen Situation, und daraus entspringenden vielen und mannigfaltigen Unbequemlichkeiten, als auch weil daselbst nicht wohl Wohn-Plätze für Neu-Bauende mehr zu bekommen,
  • Kapitel 1: Geologisches - Lage - Gewässer im Stadtgebiet Annalise Wagner Kurz vor der neuen Eisenbahnlinie Neustrelitz - Waren - Lalendorf, die über die Fernstraße F 96 führt, etwa 3 km nördlich von Neustrelitz verläuft die Grenze zwischen der nördlichen Hauptendmoräne und der kuppigen Grundmoräne mit zwei verschiedenen Bodenformationen und daher unterschiedlicher Vegetation und Landschaftsbildung. So haben wir hier auf dem Feinsand der Endmoräne Kiefernwald, auf dem anlehmigen Mergelboden der Grundmoräne Buchenwald. Außerdem geht die Wasserscheide durch unser Gebiet.
  • Kapitel 2: Geschichtliches aus Alt-Strelitz Annalise Wagner Die Geschichte der Stadt Neustrelitz ist eng mit der ihrer älteren Schwester Alt-Strelitz verbunden, aber auch mit der Landesgeschichte. Hat doch das Land Mecklenburg-Strelitz 1701 seinen Namen nach der damaligen Residenz Strelitz erhalten. Strelitz war ein slawischer Ort, eine uneinnehmbare Sumpf- oder Wasserburg mit Siedlung (Strelitz = Pfeilschützenort). Sie lag im südlichen Teil des Redariergaues.
  • Kapitel 3: Beginn des neuen Residenzhauses mit dem Stadtteil "Neuen Strelitz" Annalise Wagner Aus ungeklärten Gründen brannte am 24. Oktober 1712 das Wasserschloß mit allen seinen Nebengebäuden in Strelitz ab. Der Wiederaufbau an alter Stelle war vorgesehen. Er scheiterte wegen der sumpfigen Lage, da die ehemalige Wasserburg seinerzeit von drei Gräben umgeben war und die Hand- und Spanndienste der Bürger in Strelitz wegen der wahrscheinlichen Pferdestürze oder Achsenbrüche der Wagen zu gewagt waren - besonders in den Monaten Oktober bis April.
  • Kapitel 4: Erste Schwierigkeiten mit der Dotierung Annalise Wagner Da aber dieses neue Stadtgebiet eine "Gründung aus wilder Wurzel" war, ist vorerst an eine Dotierung der Stadt, an den wichtigen Lebensfaden jeder Stadt, nicht gedacht, da der Stadtgründer nicht an eine neue Stadt, auch wenn er von "Neuen-Strelitz" sprach, dachte, während die Altstadt vorzüglich dotiert war. Ihr Stadteigentum reichte bis an den heutigen Neustrelitzer Bahnhof und bis zur katholischen Kirche, bis an den Zierker- und die Bürgerseen.
  • Kapitel 5: Julius Löwes Stadtplan realisiert sich Annalise Wagner Verlassen wir jetzt die Altstadt und beginnen wir uns mit der Entwicklung der Neustadt zu beschäftigen. Heute erstaunt den Historiker, daß Julius Löwe auf einem lehmigen Berg oder Hügel den Mittelpunkt - den Marktplatz - anlegte, von dem in Strahlenform vier große und vier kurze Straßen im Wechsel auslaufen.
  • Kapitel 6: Von den ersten acht Straßen, statistische Zahlen der Einwohner und Häuser Annalise Wagner Die größte Bautätigkeit fand unter Adolf Friedrich IV. (1752 bis 1794) und später unter Großherzog Georg (1816 -1860) statt. Neustrelitz ist niemals eine Industriestadt gewesen, sondern eine Stadt der Handwerker und Beamten, eine Stadt der schönen Parklandschaften und Stadtseen, eine Stadt vieler Schulen und der Kultur in bezug auf Theater, Bibliothek, Archiv und Museum. Diesen Charakter kann sie auch heute als Ort vieler kultureller Einrichtungen noch teilweise aufweisen und nicht verleugnen.
  • Kapitel 7: Zur Baugeschichte der Häuser und Straßen Annalise Wagner Julius Löwe machte also den Stadtplan in Form eines quadratischen Platzes (ca. 1 Morgen groß). Von diesem Platz gehen vier lange und zwischen diesen vier kurze Straßen nach allen Himmelsrichtungen ab. Die ersten Straßen, die bebaut wurden, waren die Zierker Straße (damals Warensche Straße), die Seestraße und die Schloßstraße (heute Gutenbergstraße); gehen wir dann weiter, dann kommt die "Kleine Bergstraße" (heute Töpferstraße), dann die Strelitzer Straße, dann die Bruchstraße (heute Straße der Solidarität), dann die Brandenburger Straße (später Glambecker - heute Wilhelm-Pieck-Straße) und schließlich die Sassenstraße, nach dem Stadtaltermann Sasse genannt (früher Bergstraße), die in die Mühlenstraße mündet.
  • Kapitel 8: Ärgernis mit den Bürgern der Altstadt, wo bauten sich die ersten Bürger an? Annalise Wagner Wie schon erwähnt wurde, gab es große Schwierigkeiten, das Problem der Dotation zu lösen. Ein anderes Ärgernis bereitete es den Altstrelitzer Bürgern, die ja in einer freien Stadt und nicht im Domanium lebten, daß die neuen Nachbarn Zunftfreiheit genossen, die es in ihrer Stadt Alt-Strelitz nicht gab. Sie prangerten jetzt die Neuen-Strelitzer Handwerker als "Störes und Pfuscher" an, da sie nach ihrer Meinung billiger und schlechter arbeiteten.
  • Kapitel 9: Weitere Probleme mit der Dotation Annalise Wagner Durch die Initiative der Neubürger wurden jetzt immer wieder Acker, Weide, Wiese und Gartenland und für die Stadt durch den Bürgermeister Gewässer (Fischfang) und Forst (Holz) gefordert. Vorweg noch einige Worte zur Besitzfrage. Das gesamte Land um die Neustadt und Altstadt gehörte aber entweder der Alt-Stadt Strelitz, oder der Meierei Gliencke - oder Zierke.
  • Kapitel 10: Von acht Straßen bis zu einhundertfünf Straßen Annalise Wagner Nachdem viele Probleme, wie die Sumpfgürtel, die sich durch die Stadt zogen, gelöst werden mußten und nicht nur viel Zeit sondern auch große Kosten erforderten, gab es eine notwendig gewordene Erweiterung des Straßennetzes. Die Hauptstraßen sollten Zugänge zu mehreren Nebenstraßen erhalten.
  • Kapitel 11: Alphabetisches Straßenverzeichnis 1982 Annalise Wagner Neustrelitzer Straßen 1982/alphabetisches Verzeichnis (Straßen mit einem Kreuz sind Straßen der Altstadt): X Am Bahnhof, Ahornweg, X Alte Mühlenstraße, Am Bruch, Am Hafen, An der Fasanerie, X An der Trift,
  • Kapitel 12: Interessante Professionen der Hand der Einwohner in alter Zeit Annalise Wagner Zuerst wollen wir einen Überblick geben von den Berufen, die es bis zum Jahr 1895 in Neustrelitz (inklusiv Altstadt Strelitz) noch gab: Torfmeister, Spahnreißer, Färber- und Zeugdrucker, Bürstenmacher, Sieb- und Drahtwarenmacher, Holzpantoffelmacher, Weber, Schaufel- und Sensengestellmacher,
  • Kapitel 13: Zu den Windmühlen Annalise Wagner Die erste Windmühle baute der Strelitzer Müller Christian Zimmermann in dem neuen Stadtteil. Der Platz ist ungewiß. Ob in der Strelitzer Straße, wo sie aber nur kurz gestanden haben soll, da der Tiergarten den Wind wegnahm? Dann am Sandberg, also Nähe Zierker Straße, die ja damals dort unten noch völlig unbebaut war.
  • Kapitel 14: Ein Blick auf die akademischen Berufe Annalise Wagner Selbstverständlich waren in der Neustadt in der Regierung, im Magistrat, im Gesundheitswesen, in den Schulen, im Gerichtswesen, in der Kirche, in der Kunst, im Theater und freiberuflich viele Akademiker tätig. Wir greifen das Jahr 1904 etwa heraus: 7 Rechtsanwälte, 4 Richter, 2 Regierungsräte, 1 Präsident,
  • Kapitel 15: Verkehrswesen (Zufahrtsstraßen - Wasserwege - Eisenbahnen) Annalise Wagner Das Wichtigste waren in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Wegeverhältnisse und Zufahrtsstraßen zum neuen Stadtteil herzustellen. Hier vor allen Dingen den fahrbaren Weg von der Altstadt zum Neuen-Strelitz-Stadtteil (später Stadt Neustrelitz) abzukürzen, der von dem heutigen Gebiet bei der Fasanerie an den Glambecker See heran in die Glambecker Straße führte, seinerzeit etwa 7 1/2 km.
  • Kapitel 16: Kanalisation - Wasser - Gas - Strom Annalise Wagner Mit dem Gesundheitswesen hängt eng die Kanalisation der Abwässer sowie die Trinkwasseranlage zusammen. Wir haben mehrfach Typhus- und Ruhrepidemien in der Stadt gehabt. Die Abwässer, da noch keine Kanalisation bestand, wurden entweder auf die Höfe oder Straßen gegossen. Man bedenke, daß früher fast jeder Bürger Kleinvieh, besonders Schweine, sich schlachtreif fütterte auf dem Hofe seines Hauses.
  • Kapitel 17: Gesundheitswesen Annalise Wagner Das erste Krankenhaus wurde 1790 am Ende der Zierker Straße erbaut, es mußte aber 1821 als Lazarett dem neu errichteten Infanteriebataillon dienen und zwar für mehrere Jahrzehnte, bis auf dem Töpferberg ein großes neues Militärlazarett gebaut wurde. Seit dieser Zeit (etwa 1880) wurde das erste alte Krankenhaus "Herberge zur Heimat". Als 1831 die Choleraepidemie ausbrach, mußte Vorsorge getroffen werden für eine Isolierstation.
  • Kapitel 18: Feuerwehr Annalise Wagner In den ersten vierzig Jahren war nur eine Schlauchspritze in der Stadt vorhanden. Hinter der Stadtkirche (jetzt Kaufhausplatz) wurde ein kleines Spritzenhaus mit Geräteschuppen gebaut. Am Ende der Seestraße Ende des 18. Jahrhunderts ein zweiter Geräteschuppen. Jeder Hauswirt war für die Reinigung der Schornsteine verantwortlich. Eine Feuerordnung von 1805 gab Richtlinien für alle.
  • Kapitel 19: Bürger- und Schützenkompagnie Annalise Wagner Bald nach der Stadtgründung wie in vielen Städten - organisierte sich eine Bürgerkompagnie. Sie hatte mehrere Aufgaben, so mußte sie sich bei Feuerbrünsten zur Hilfe bereit halten, eventuell zur Verteidigung der Stadt militärisch helfen, auch Nachtwache übernehmen. Ihr gehörten Männer aller Jahrgänge an vom 25. bis 80. Lebensjahr. Es wird berichtet, daß 123 Männer ihr angehörten einschließlich Offiziere.
  • Kapitel 20: Garnision in Neustrelitz Annalise Wagner In der Zeit des Stadtgründers, also in der Altstadt Strelitz, bestand die Garnison, oder sagen wir besser Leibgarde, aus achtundvierzig Mann, wurde aber wegen Überalterung auf vierundzwanzig Mann herabgesetzt. Diese "Garde" betrieb haupt- oder nebenberuflich ein Handwerk und bestand wie auch die Bürgerkompagnie aus den Jahrgängen vom 25. bis 80. Lebensjahr.
  • Kapitel 21: Zur Verwaltung von Neustrelitz Annalise Wagner Daß der Stadtgründer in zwanzig Jahren nicht auf allen Sachgebieten des Stadtwesens im frühen 18. Jahrhundert progressiv sein konnte und der nordische Krieg - sowie das Erbe des dreißigjährigen Krieges - Opfer an Geld, Menschen, Sachwerten forderten, muß auch hier Einsicht und Nachsicht walten lassen. Außerdem war die Umgebung der neuen Residenz ein schwieriges Problem, da es erstmalig die Melioration bei der Anlage eines Schloßparks erforderte, da der Zierkersee etwa 50% des Geländes - wenn auch vorhandenes, morastiges - einnahm.
  • Kapitel 22: Wo wohnten bekannte Neustrelitzer? Annalise Wagner Markt 2: Der Großunternehmer und Kaufmann Plath. Markt 4: Im Giebel wohnte der Dramaturg und Dichter und im Hauptberuf Apotheker Johann Friedrich Bahrdt. Sein Nachlaß ist in drei Bänden erschienen. Er war Demokrat und verdienter Soldat in den Befreiungskriegen und Freund von Theodor Körner und Glasbrenner.
  • Kapitel 23: Entwicklung des Schulwesens Annalise Wagner Das erste Schulhaus der jungen Stadt befand sich am Markt, gegenüber vom Gasthaus "Zur goldenen Kugel", heute ist dort der Laden für Autobedarf und die Gastwirtschaft "Zur Sonne". Hier waren nur zwei Lehrer tätig, da es nur wenige Klassen gab, der Lehrplan war Lesen und Schreiben und Rechnen, Latein und Religion. Das Schulhaus stiftete der regierende Herzog 1756. Der Rektor der Schule unterrichtete in Latein.
  • Kapitel 24: Die drei Kirchen von Neustrelitz, Stadtkirche - Schloßkirche - Katholische Kirche Annalise Wagner Die Stadtkirche. Neustrelitz hatte bis zum Bau seiner ersten öffentlichen Kirche für alle Stadtgemeindemitglieder nur eine Hofkapelle, die sich in dem 1726 -1731 zu einem fürstlichen Hause umgebauten Jagdhaus Glienecke befand. Dieser kirchliche Andachtsraum hatte einen separaten Zugang vom Schloßhof aus und war mit drei Chören, Altar, Kanzel, Orgel und prachtvollem Kronleuchter ausgestattet und ging durch zwei Etagen, wie es meist bei den Schloßkapellen üblich war.
  • Kapitel 25: Schloß - Park - Orangerie - Tiergarten Annalise Wagner Schon 1731 berichten die Annalen, daß die Ämter Hand- und Spanndienste zum Aufbau der Residenz und den dabei anzulegenden Schloßgarten zu leisten hätten. Der braunschweigische Kunstgärtner Julius Löwe war Bau- und Gartenarchitekt und wurde vom Herzog Adolf Friedrich III. mit der Stadtanlage beauftragt. 1726 beginnt der Bau des dreiflügeligen Schlosses, vorerst in Fachwerk, 1755 massiv hochgezogen. Bis zum Jahr 1909 erweiterten und veränderten die sechs verschiedenen Landesherrn Schloß- und Schloßgarten sowie das dazu gehörende Schloßensemble je nach ihrem Zeitgeschmack.
  • Kapitel 26: Was wir verloren haben (1934 - 1950) Annalise Wagner Das Landesmuseum im Schloß wurde mit den im Schloß verbliebenen Möbeln, Gemälden, Porzellanen und älteren staatlichen Sammlungen und aus höfischen Kulturkreisen zum Kulturhistorischen Zentrum des Freistaates Mecklenburg Strelitz in der Weimarer Zeit errichtet. Das Schloß diente außerdem dem Landtag mit seinen Diensträumen und dem Sitzungssaal, der gelbe große Saal diente großen Konzerten und Vorträgen. Im Parterre war das Staatsarchiv (damals Landesarchiv genannt) sowie die große Landesbibliothek untergebracht. In den Eingangshallen waren Großfotos bedeutender Kunst- und Naturdenkmäler des Landes Mecklenburg Strelitz zu besichtigen.
  • Kapitel 27: Zeittafel Annalise Wagner Bei dieser Zeittafel sind natürlich noch viele Lücken, die aber durch den Text der Chronik nicht alle wiederholt werden sollten. Es ließen sich natürlich noch vielmehr Daten erarbeiten, aber wen würde das heute noch in den neuen Generationen interessieren? Zumal die Einwohner der Stadt fast alle "Utlänner" sind, das heißt Neubürger aus den verlorenen deutschen Ländern des zweiten Weltkrieges usw.. Die alten Generationen oder Jahrgänge von 1818 bis 1918 sind meist verzogen oder tot.
  • Kapitel 28: Noch ein Nachwort zum Baugeschichtlichen Annalise Wagner Unsere Stadt Neustrelitz ist die jüngste im ehemaligen Land Stargard, dem späteren Mecklenburg - Strelitz. Abgesehen von den viel älteren Marktflecken Mirow und Feldberg, die erst 1919 mit Stadtrecht bewidmet wurden. Insofern kann sich Neustrelitz nicht mit den von den Markgrafen Johann und Otto im 13. Jahrhundert gegründeten Städten Friedland Neubrandenburg - Woldegk messen in bezug auf ihre Baulichkeiten wie Stadtmauern, Tore, Wiekhäuser, Fangeltürme und Wälle.
  • Kapitel 29: Quellenangabe Annalise Wagner