1977/1978 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

Die komplette Ausgabe zum Download
(11.47 MB)

(42.) 41. Jahrgang Nr. 78

Inhaltsverzeichnis
  • Die Mecklenburg-Strelitzsche Landgendarmerie, ihre Vorgeschichte, ihre Gründung im Jahre 1798 und ihre weitere Entwicklung - Ein Beitrag zur Mecklenburgischen Kultur- und Ständegeschichte Paul Steinmann Die Landgendarmerie, eine vom ganzen Lande bestellte und besoldete ständige Landespolizei, ist eine Errungenschaft der Neuzeit, ebenso wie das stehende Heer, zu dem sie vielfach gerechnet wurde. Beide sind Kinder des Zeitalters des Absolutismus. Letzten Endes verdankt die Landgendarmerie ihre Entstehung dem neuzeitlichen Prinzip der Zentralisation, dem Bestreben, alle Glieder des Staates von einer Zentralstelle aus nach einheitlichen Normen und Gesetzen straff zu verwalten und zu regieren - einer allgemeinen Bewegung, die übrigens für unser deutsches Vaterland noch keinesweg zum Abschluß gekommen ist.
  • I. Die Vorgeschichte der Mecklenburgischen Landgendarmerie vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert
  • Otto Piper, der Burgenforscher Annalise Wagner Der Burgenforscher Dr. h. c. Dr. jur. Prof. Geh. Hofrat, Archäologe, Schriftsteller, Historiker und Denkmalpfleger Otto Piper ist wahrscheinlich nur noch wenigen Menschen der jüngeren Generation bekannt. Seine zwei kleinen plattdeutschen Bändchen "Ut ne lütte Stadt" und "ln'n Middelkrog" sind nur in kleiner Auflage erschienen und auch sicher nur bei wenigen Landsleuten noch im Bücherschrank vorhanden. Die Liebe zur mecklenburgischen Heimat hat Otto Piper stets bewahrt, auch wenn er sich Süddeutschland als Wahlheimat erkor. Geboren zu Röckwitz, zwischen Treptow und Stavenhagen, am 22. 12. 1841 als Sohn eines Landpfarrers, gestorben zu München am 23.2. 1921 als anerkannter Wissenschaftler und Burgenforscher.
  • Steinindustrie im Kreise Neustrelitz Walter Karbe Im Anfang war der Stein! Das heißt, die menschliche Kultur beginnt mit der Bearbeitung des Steins. Allerdings wurde nicht jeder beliebige Stein in Anspruch genommen, sondern gewissermaßen nur der Feuerstein oder dessen Ersatz in Gestalt von Quarzit, Jaspis und dergleichen. Zu solchem brauchte man in unserer Gegend nicht zu greifen, denn hier hatten die Gletscher der Eiszeit gewaltige Mengen von rügenschem und anderem Feuerstein abgelagert, so daß es den zuerst hier erscheinendenMenschen an Rohmaterial keineswegs mangelte. Daher entstanden bereits vor etwa 10 000 Jahren die ersten Werkstätten des Landes auf Sandstellen im Moor oder an Gewässern, dort hat sich das mittelsteinzeitliche " Bibervolk" sein Kleingerät, die sogenannten Mikrolithen hergestellt; durch Splitterstreuung machen sich solche Stellen kenntlich genug.
  • Die Verhandlungen über einen Anschluß von Mecklenburg-Strelitz an Preußen in den Jahren 1930/31 Roderich Hustaedt Die Frage der Aufrechterhaltung oder Aufgabe der Selbständigkeit von Mecklenburg-Strelitz war schon seit dem Jahre 1918, nach dem freiwilligen Tode des letzten Großherzogs Adolf Friedrich VI. brennend geworden. Damals wurde zunächst der Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin nach den bestehenden Hausgesetzen Landesverweser und die nicht erfolgte Eingliederung von Mecklenburg-Strelitz in Mecklenburg-Schwerin war nur dem Umstand zu danken, daß der nächste Angnat für die Strelitzer Thronfolge, der gänzlich in Rußland aufgewachsene Herzog Karl Michael noch lebte und einen klaren Verzicht auf die Thronfolge in Mecklenburg-Strelitz nicht ausgesprochen hatte .
  • Knirk (Juniperus communis) Klaus Giese Wat schwögen de Heidjers üm ehren Machandel! Ik heff's sehn, de iernsten, sturen, düstergrönen Büsch an Lönsen sin Graff, ok in de Dodengrund bi Wilsede un noch annerwägent. Aewer ümmer müßt ik doarbi denken: "Knirk!" - O ja, uns' "Strelitzer Knirk"! - De hölt den Vergliek mit de Machandels god un giern dreeduffeltmal ut. Un wo is uns' Heimat woll mit em sägent! In de wiedlüftigen Forsten twischen Weisdin un Dannenwoll, Fellbarg un Mirow is de Knirk ja so recht tohus.
  • Bispill [Gedicht] Klaus Giese Kumm man mit / up'm Wegg, / de bi'n Brink utlöppt / un noch poar Schridd dörch't Ruhr! / Wur de Voß in de Sünn up'm Stubben schlöppt, / nah de wille Wisch vör't Muur!
  • Wobbekenhag (Fortsetzung) - Laterna Magika Dietrich Melms Laurenzius Wirzbycki, ein invalider polnischer Mäher, versah vor Zeiten das Amt des Nachtwächters auf Wobbekenhag. Kein unbedeutender Posten, wenn man den weitläufigen Hof und seinen Reichtum an Vieh jeglicher Gattung bedenkt. Zwar galten die Nachtwachen des seligen Laurenzius weniger der Diebes- als der in jener längst vergangenen Zeit weitaus größeren Feuersgefahr. Bargen doch die bis unters Rohrdach mit Heu und Klee vollgepackten Scheunen, die dreibödigen Kornspeicher und die in den Kellern der Kartoffelbrennerei lagernden Fässer genug Brennstoff, um in einer einzigen Schreckensnacht den gesamten Hof und, wenn es dem Wind so gefiel, auch noch die Katen der Instleute in Schutt und Asche zu legen.
  • Wobbekenhag (Fortsetzung) - Die letzte Bitte Dietrich Melms Es war an einem jener unwiederbringlich schönen Sommerabende, die angefüllt sind mit dem Brotgeruch reifenden Roggens und dem Honigduft dicht belaubter alter Dorflinden, so ein Abend, wo die Kinder nicht ins Bett finden können und das Flüstern der Liebesleute in den Büschen auf die zarteste Saite des eigenartigen Instruments gestimmt ist, das sich menschliches Herz nennt, ein rechter Feierabend, zu dem der Himmel seine feinsten Pastellfarben und der Herrgott selbst seinen Frieden gibt - ja, an einem solchen Abend muß es gewesen sein, daß ich glaubte, sie zum letztenmal gesehen zu haben.
  • Min Waldsee (Gedicht) Klaus Giese Wur gifft dat noch Seen, / so deep un so kloar / as up heimatlich Grund un God? ' / Wur de ganze Häb'm / mit Glanz un Gloor / sik werrerfünn in de Floot,
  • Essay über Frank Wedekinds Bühnenstück "Der Kammersänger" Fritz Hagemann Frühlings Erwachen ist die Gestalt der Gefühlsexpression: das Symbol im seelischen Raume. Erdgeist ist die Gestalt der Willensexpression: das Symbol im ungeistigen Raume. Die Büchse der Pandora ist erst neun Jahre später erschienen als der Erdgeist. Zwischen beiden liegen drei Werke großer Leistung: der Kammersänger, der Marquis von Keith, König Nikolo, das sogenannte Bekenntnisdrama. Zwei Urerlebnisse sind mit Abschluß des Erdgeistes gestaltet, besser ein Urerlebnis in verschiedenen Räumen. Wedekind hatte mit Erdgeist die Mitte seines Ich gewonnen und gestaltet. Ein neues Urerlebnis, der übergang in einen neuen Gestaltraum, Erweiterung des kosmischen Ich an Umfang und Fülle konnte jetzt ein neues Werk bringen oder das Heranziehen neuer ungestalteter Weltmasse in das Ich der Erlebniszone.
  • Bericht über das Schuljahr 1911/1912 Becker Chronik der Anstalt von Ostern 1911 bis 1912 - Der Unterricht hatte in diesem Schuljahr unter vielen Störungen zu leiden. Der schon seit dem August 1910 wegen Krankheit beurlaubte Oberlehrer Kootz konnte auch zu Ostern 1911 sein Amt nicht wieder übernehmen. Er machte dann, da die Krankheit scheinbar behoben war, nach den Herbstferien einen Versuch einzutreten. Aber schon nach vier Tagen brach er zusammen und sah sich nun genötigt, weil für längere Zeit auf seine Dienstfähigkeit nicht zu rechnen war, seine Entlassung aus dem Schuldienst zu beantragen.
  • Fritz Reuter - hochdeutsch Helmut de Voss
  • Marburg 1977 - 9. Carolinertreffen Unsere Carolinerschaft kann auf zwei für sie bedeutsame Ereignisse dieses Jahres zurückblicken: Teilnahme an der 450-Jahrfeier des uns partnerschaftlich verbundenen Gymnasium Philippinum und unser 9. Treffen in Marburg. Der freundlichen Einladung des Oberstudiendirektors Albrecht H. Danneberg waren Mitglieder unseres Vorstandes und unser Senior Prof. Dr. Wilhelm Westphal nebst Gattin gefolgt.
  • Erinnerungen an Professor Paul Göbeler Maria Lanz Ich besitze einen - wie ich glaube - besonders hübschen Brief von Prof. Göbeler, den ich seit über 50 Jahren aufbewahre. Er schrieb ihn mir als Antwort auf einen Dankbrief von mir nach meiner Hochzeit. Er hatte uns (man lebte nach der Inflation noch nicht sehr üppig) ein Geldgeschenk zur Hochzeit gemacht, das uns sehr willkommen war. Mein Mann und ich sind in unserem langen gemeinsamen Leben immer freudige Wanderer geblieben, und waren es schon damals.