1968 Sommer

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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(34.) 31. Jahrgang Nr. 49

Inhaltsverzeichnis
  • Gesang der Parzen Goethe Er fürchte die Götter das Menschengeschlecht! Sie halten die Herrschaft in ewigen Händen, und können sie brauchen, wie's ihnen gefällt.
  • Shakespeare und das Theater heute Hermann Brunswig Versuch einer Deutung in Andeutungen. "Die Welt als Traum" - was anderes ist Shakespeare als seine Grabschrift besagt: "We are such stuff as dreams are made of", was anderes als ein zuckender Blitz, ein dämonischer Spuk, unheimlich und unwirklich, der unerkannt durch die Welt fuhr, so unheimlich und unwirklich, daß man darauf verfiel, seine Existenz überhaupt zu leugnen. Doch unwiderleglich ist er auf uns gekommen, unwiderleglich durch seine Werke,
  • Der Schrei [Gedicht] G. H. Piehler Jede Nacht, / jede Nacht / schreit der reißende Wolf. / Jeden Tag, / jeden Tag / brennt der gleißende Golf.
  • Zur 750-Jahrfeier der See- und Hansestadt Rostock Carl Meltz Kurz vor ihrer Mündung in die Ostsee verbreitert sich die Warnow boddenartig zum Breitling. Dort liegt die Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Sie leitet ihren Namen her von einer wendischen Siedlung auf dem rechten Flußufer, benachbart dem Heiligtum der abodritischen Kessiner auf dem heutigen Schloßberg bei Fresendorf. Die wendische Siedlung wird 1160 von den Dänen zerstört und 1170 von dem Abodritenfürsten Pribislaw wieder aufgebaut.
  • Über den Ursprung und die Geschichte Malchins (VII). Der dreiflüglige Altar-Aufsatz aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts in der St.-Johannis-Kirche zu Malchin. (2) Die Gemälde Ulrich Fischer Ein selbst nur wenig geschulter Kunstliebhaber wird auf den ersten Blick feststellen, daß es sich bei den Gemälden des Malchiner Triptychons um Bilder handelt, die der Gotik zuzuschreiben sind. Es ist die Zeit von 1150 bis 1450, die diesen Stil hervorgebracht hat. Im ersten christlichen Jahrtausend hatte ein ganz anderer Kunstwille geherrscht, der der Individualität des Künstlers keinen Spielraum ließ.
  • Klaus Groth - Fritz Reuter, Dichter niederdeutscher Heimat Walter Lehmbecker Die erste Begegnung der beiden Dichter Klaus Groth und Fritz Reuter erfolgte in einer kritischen Auseinandersetzung vor der Öffentlichkeit. Sie war von unerfreulichen Umständen begleitet. Fritz Reuter hatte den Anlaß zu dieser Polemik gegeben durch die Veröffentlichung seiner "Läuschen un Rimels" im Jahre 1853. In seiner Habilitationsschrift "Briefe über Hochdeutsch und Plattdeutsch" griff Klaus Groth Reuter wegen dieses Erstlingswerkes scharf an.
  • Die Liebende [Gedicht] Fritz Hagemann Alltag welkt in toter Stunde, / Abend zündet Himmelslicht, / Glüht in leicht geschlagner Wunde, / Die aus Einsamkeiten bricht.
  • Der schwarze Gottvergeß (Das Märchen von der schwarzen Taubnessel) Goede Gendrich Es war einmal vor nahezu einem halben Jahrtausend ein Hintersasse. Der lebte im Mansfeldschen und führte wie seinesgleichen ein ärmliches oder, wie man wohl damals zu sagen pflegte, ein niederträchtiges Leben. Seine ärmliche Hütte stand ohne Sockel auf der nackten Erde, von Lehm und Stroh waren die niedrigen Wände gefügt, und gegen die Sonne und den Regen schützte ein rohes Dach aus Moos und erdenen Plaggen.
  • Der schlafende Gott [Gedicht] Otthinrich Müller-Ramelsloh Auf dem Schneefeld wächst nicht / Die grünende Saat. / Und auch der nackte Fels läßt / In der Dürre den Hafer nicht reifen.
  • Ewigkeitsringe [Gedicht] Otthinrich Müller-Ramelsloh Ich lebe, mein Schicksal in Ewigkeitsringen, / Bin Hammer und Amboß, in wechselndem Spiel, / Bin schmerzvolle Klage, bin heimliches Singen, / Und immer erneuert ist mir das Ziel.
  • Eine entomologische Schweizreise 1967 Ernst Urbahn Im Herbst 1966 wurden wir von den Entomologischen Gesellschaften in Basel und Zürich eingeladen, zu einer Tagung in die Schweiz zu kommen, auf der ich über unsere biologischen Beobachtungen in norddeutschen Naturschutzgebieten berichten sollte. Wenn man das letzte Mal 1925 in den Alpen sein konnte und die Schweiz nie gesehen hat, war das schon ein verlockendes Angebot!
  • Chronik der Stadt Burg Stargard und ihrer Gemarkung im Rahmen der Landesgeschichte VIII (h, i) Vormarsch von Teilen der Schlesischen Armee vom Rhein. Die Schlachten bei Brienne und bei La Rothière P. Steinmann Der Einmarsch des rechten Flügels von Blüchers Armee - Yorcksches Korps - in die linksrheinischen Gebiete stieß zunächst kaum oder nur auf geringen Widerstand. Man wußte in Blüchers Hauptquartier aus aufgefangenen Depeschen, daß Marschall Marmont seine Divisionen bei Kaiserslautern vereinigen wollte. Das mußte verhindert werden, um "durch schleuniges Vorrücken an die Saar Marmont von Metz abzuschneiden".
  • Kaukasische Impressionen B. Alberti Aus früher Kinderzeit entsinne ich mich eines zerflederten Buches mit großen bunten Tafeln der Tierwelt und auch einer Tafel der Menschenrassen, auf ihr die Haupttypen der weißen kaukasischen, der gelben mongolischen und der schwarzen negroiden Rasse. Das Bild eines bärtigen, würdevollen Kaukasiers prägte sich mir besonders ein, sollte es doch gleichsam das Abbild des Stammvaters auch meiner selbst sein.
  • Mittagsglut [Gedicht] G. H. Piehler Still ist es in dem Park. / Verschwiegen die Brunnen rauschen, / das Licht spielt durch das Laub / und schwelgt im satten Grün. - / Die ersten Rosen / wollen nun erblühn.
  • Herzogin Dorothea Sophie, Gemahlin Herzog Adolf Friedrichs III. von Mecklenburg-Strelitz Annalise Wagner Über die Regierungszeit Adolf Friedrichs III. von Mecklenburg-Strelitz, des Stadtgründers von Neustrelitz, und seiner Gemahlin Herzogin Dorothea Sophie (von Holstein-Plön) sind sehr spärliche Archivalien vorhanden. So viel davon die siebenjährige Regierungszeit des Vaters Adolf Friedrich II. (1701-1708), des Begründers des Strelitzer Landes und der Strelitzer Linie betreffen, so wenig gibt es von seinem Sohn, der doch eine verhältnismäßig lange Zeit von 1708-1752 regiert hat.
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • Mohnblume rot… G. H. Piehler; O. Miehler Mohnblume rot, Mohnblume rot, / wann kommt zu mir der Schnitter Tod? / Bin so verlassen, das Herze so krank, / wünsche mir längst schon den letzten Trank. / Mohnblume rot, Mohnblume rot.
  • Am Grabe des Vaters Gerd Tolzien Mit drei Stunden Verspätung, wie man mir erklärt, läuft der Zug in Malchin ein. Hier im Herzen Mecklenburgs verebbten die Wogen des sechsjährigen schweren Ringens. Zwischen Malchin und Güstrow standen die letzten deutschen Batterien, zwischen den andringenden Amerikanern und Russen, eingepfercht auf schmalem Streifen Land, vor die Entscheidung gestellt, die Rohre gen Osten oder gen Westen zu richten. Kein Kämpfen mehr, nur noch ein Verröcheln. Großdeutschland war klein geworden, so klein, daß es nach einer alten Prophezeiung unter einem Birnbaum Platz hatte.
  • Heimat [Gedicht] Fritz Hagemann Du gabst vor Zeiten uns den Glanz der Frühe, / Den Traum der Wälder und das Licht der Seen. / Wir dachten nie, daß dieses Glück verblühe, / Und ahnten nichts von künftigem Geschehn.
  • Ein Streifzug durch Pommerns Mundarten (II) Gerhard Brose Juler - dat is Julius Stäänk, 'n Buer ut Selch - weer'n ganz dullet Gestell und'n bitskä bekloppt. Nu weer ma ees in Berlin de "Gröön Woch", wo de Buern ut Selch ok ümmer henföhrten. "Dat waa'k mi doch ok ees ankieken", seggt oos Juler. Hä föhrt nu met de annern Selchschen met'n Omnibus hen noa Berlin un denkt, dat is alls no so wie früher, as hä doa vör lang Joahren Saldoat weer.
  • Oberstudiendirektor i. R. Dr. phil. Rudolf Kleiminger + Joachim Grehn Am 19. August 1967 verstarb in Wismar im 83. Lebensjahr eine der bekanntesten und verdienstvollsten Persönlichkeiten der alten Hansestadt, der Oberstudiendirektor i. R. Dr. phil. Rudolf Kleiminger. Von 1924 bis 1945 war er Direktor der Großen Stadtschule zu Wismar und erwarb sich in diesen Jahren in der Stadt und im Lande Mecklenburg den Ruf eines hervorragenden Schulmannes.
  • Reinhard Barby zum 80. Geburtstag E. Gotsmann Am 8. Oktober 1967 vollendete der weit über die Grenzen Mecklenburgs hinaus bekannte Eiszeitforscher, Meteorologe, Limnologe und langjährige Mitarbeiter in allen Sparten der Heimatforschung und des Naturschutzes: Reinhard Barby in Feldberg/Meckl. Sein 80. Lebensjahr.
  • Uns´ plattdütsch Eck De dümmsten Jung's koenen en jung Mäten von soebenteihn Johren an de Näs' rünmerledden, un Kirls, de stats en Hart en Povist unner de West dragen, koenen so'n junges Hart gewinnen, blot de armen Schelms, de en beten von 'ne Narrenjack anhewwen, kamen nich taum Zweck, denn nicks stürt de junge Leiw düller as t' Lachen.
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • De Möllenstrat. As Nistrelitz noch plattdütsch un Residenz wir Carl Risch Ick red von de Möllenstrat, von ehr Hüser un ehr Lüd (woher kemens un wat würr ut ehr?) un kik ok dornah, wecker bi Grössing Kunnen wiren. "Wer nich bi mi kümmt, kann mi gewogen bliben." Buren bün ick nich in de Möllenstrat, dormit kann ick juch nich denen. Bün noch wirer von ünnen kamen un ebendrächdig upstegen. Un Georg Dieckmann seggt hüt noch: "Corl; du warst ni enen finen Mann!" So is't nu mal.
  • Vermischte Beiträge
  • Studienrat Heinrich Sterley + G. H. Piehler Wiederum hat das alte Kollegium des Carolinums einen herben Verlust zu beklagen. Unser lieber Heinrich Sterley ist am 29. Dezember 1967 von uns gegangen.