Erfahrungsbericht 2010
European Space Camp

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„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“

formulierte bereits seinerzeit Johann Wolfgang von Goethe, als dessen erster Bildungsroman sein Erscheinen feierte. In dieser Tradition sieht sich sicher auch das Gymnasium Carolinum, welches etliche Anstrengungen unternimmt, um seinen Schülern eine ausgewogene und fundierte Ausbildung zu gewährleisten. Im Zuge dessen entsendet das Carolinum jedes Jahr zwei seiner qualifiziertesten Schüler in die nordpolare Insellandschaft der Vesterålen, die sich oberhalb des Polarkreises befindet. Niklas und ich hatten das Glück, an diesem wirklich extraordinären Event des European Space Camps teilnehmen zu dürfen. Ein kurzer Bericht soll nun die Ereignisse und die Atmosphäre widerspiegeln, welche wir dort erleben konnten.

Los ging’s am 27. Juni ab Berlin Tegel via Kopenhagen, Oslo und Tromsø. Am späten Nachmittag landeten wir auf dem Militärflughafen der Vesteråleninsel Andøya. Kühle, feuchte Luft schlug uns beim Ausstieg entgegen, ein Gefühl, das eine Konstante blieb. Selbstredend fuhr man uns zur Andøya Rocket Range, die für die nächsten neun Tag unser Zuhause war. Die Gruppenzusammensetzung ist international, wobei traditionell ein starker Norwegischer Teil vertreten ist. Aber was macht man überhaupt dort im Space Camp? The Sky is not the limit – it’s were the fun begins! Das verspricht das Motto des Space Camps. Es wird auch gehalten: Hauptaufgabe des Camps ist es, eine selbst gebaute Rakete zu starten, welche Messungen in der Atmosphäre vornimmt und sie zurück zur Erde – zu uns – versendet. Nebenbei – so ist das Konzept gestrickt – sind Vorlesungen von führenden europäischen Forschern auf dem Gebiet der Raketentechnik und weiteren tangierenden Themen vorgesehen. Zur besseren Zusammenarbeit und Völkerverständigung wurden gleichnationale Teilnehmer strickt getrennt und jeweils anderen Gruppen zugeordnet. So kam es, dass Niklas in die Payload Group eingeordnet wurde, ich aber in die Rocket Group. Jede Gruppe spezialisierte sich auf ein bestimmtes Aufgabenfeld. Die Payload Group baute Sensoren für die Rakete und während sich die Rocket Group eher theoretisch mit der Rakete auseinandersetzte und diverse Berechnungen anstellte. Neben allen technischen Unternehmungen nahm die Freizeit ein opulentes Zeitfenster in Anspruch, was vor allem daran lag, dass über dem Polarkreis zu dieser Zeit die Sonne nicht unterging und es somit immer taghell war. Volleyball um Mitternacht war keine Seltenheit. Auch Naturschauspiele wie das Schwimmen der Wale gab es zu beobachten.

Offenkundig kulminierte die Woche im Abschuss der Rakete, der ohne Komplikationen ein  Erfolgserlebnis für die ganze Gruppe wurde. Neun Kilometer schoss die Rakete durch die dichte Wolkendecke, nur um dann wieder kehrt zu machen und in das eisige Nass des Arktischen Ozeans  zu stürzen. Auf ihrem Ritt in die Höhe sammelte die Rakete Messungen großer Zahl, aus denen wir etliche Schlussfolgerungen ziehen konnten. Eine finale Farewellparty setzte der Woche den sprichwörtlichen i-Punkt auf, die uns die volle Zeit in Atem halten konnte. Möglich war uns diese Erfahrung nur dadurch, dass der Schulverein und andere Sponsoren die Fahrt finanziell unterstützten. Für diese unvergleichliche Woche gilt unser Dank vor allen Ihnen.