Erfahrungsbericht 2005
European Space Camp

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Hier macht Physik richtig Spaß!

Motto des European Space Camp:

The sky is not the limit…

…it’s where the fun begins

10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, ZERO! Die kleine, vielleicht 150 cm hohe Rakete erhebt sich mit einer unglaublich großen Qualmwolke in Richtung Weltall. Nach ungefähr 1 bis 2 Sekunden ist sie in den Wolken verschwunden. In den Gesichtern der Jugendlichen macht sich ein Lächeln breit, welches den gesamten Körper erfasst und zum Jubel aller Beteiligten führt. Das Ziel der Woche ist erreicht, die Jugendlichen vom European Space Camp haben ihre Studentrocket in die Luft geschossen.

Doch lassen Sie uns am Anfang beginnen. Jedes Jahr in den Sommerferien findet auf den Lofoten bei Andenes auf der Andøyer Rocket Range ein European Space Camp statt. Diese Veranstaltung bietet Jugendlichen aus Europa, wie auch zum Teil der Welt, die Möglichkeit einfach mal hineinzuschnuppern in das Leben eines Wissenschaftlers, der sich mit dem Weltraum und der Atmosphäre beschäftigt. Höhepunkt ist der Raketenstart, der von den Jugendlichen gebauten Rakete.

Das Programm ist zusammengesetzt aus Vorlesungen von Fachleuten und aus Gruppenarbeit.

Die Vorlesungen vermitteln theoretisches Wissen über Raketentechnik, GPS, Plasmaphysik, Nordlichter, Atmosphäre usw.. Die Bezeichnungen der Lektionen hören sich zum Teil sehr kompliziert an, wie zum Beispiel: „Colourful clouds and frosty temperatures at hardly accessible altitudes: Atmospheric physics at the Norwegian Defence Research Establishment.“ von Ulrich Blum (2005), sie sind jedoch gut zu verstehen.

Die Teilnehmer werden in fünf verschiedenen Gruppen aufgeteilt.  Jede Gruppe ist für einen Teilbereich der Rakete zuständig und verantwortlich.

Rocket group (Raketen Gruppe)

Diese beschäftigt sich im Laufe der Woche mit verschiedenen Raketenantrieben und stellt diese den anderen Gruppen vor. Zu ihrem Versuchsfeld gehören Wasserraketen, Modellraketen , aber auch Hybridantriebe. Die anderen Gruppen sind zum Teil ein bisschen neidisch, da es in dieser Gruppe richtig heiß wird (kann vor allem an dem Feuer der Hybridantriebe liegen).

Experimental group (Experimental Gruppe)

Die Gruppe baut für die Sendeeinheit Sensoren und wertet die Informationen, die die Rakete während des Fluges zur Erde sendet, aus. Sie sucht passende mathematische Formeln, die der Auswertung der Daten dienen.

Payload group (Sendeeinheit Gruppe)

In dieser werden der Temperatursensor und die gesamte Sendeeinheit der Rakete zusammen gebaut. Sie sind auch auf die Experimental Gruppe angewiesen, da diese ebenfalls Sensoren für den Payload stellt.

Main telemetry group und student telemetry group

Die Telemetry Gruppen haben die wichtigste Aufgabe, sie sind zuständig, dass die Information , welche die Rakete als Radiowelle aussendet, durch die Antennen empfangen, durch Receiver, Combiner, Bit Synchronizer und letztendlich den Computer in einem Datendiagramm sichtbar werden lässt, damit die Experimental Gruppe die Informationen auswerten kann.  Alle Geräte müssen über die Woche miteinander verbunden und der Computer programmiert werden.

Die Gruppenarbeit findet unter Anleitung der Fachleute der Rocket Ranch statt. Sie nehmen das Projekt ernst und so hat jeder Teilnehmer das Gefühl einer von Ihnen zu sein.

Neben der Raketen- und Weltraumforschung stehen aber auch andere Aktivitäten auf dem Plan. Jeden Tag um 16.30 Uhr ist das traditionelle Waffelessen angesagt, es darf im Atlantik gebadet, Pottwale können auf der Walsafari gesichtet, lustige Spiele werden gespielt und wer Bock hat, kann den 300 Meter hohen Berg neben der Rocket Ranch erklimmen. Die Nacht wird zum Tag, Und eh man sich versieht, ist es schon wieder Morgen und verschlafene Teilnehmer laufen zum Gummibärenlied (Norwegische Version) über das Gelände der Rocket Range (morning gathering auch „Frühsport“ genannt). Der für den Organismus nötige Schlaf wird dann notfalls in einer Vorlesung nachgeholt.

Die Stimmung zwischen den Teilnehmern ist super und jeder ist immer wieder gespannt auf den nächsten Programmpunkt und das von 8.00 Uhr (morning gathering) bis 23.00 Uhr (evening gathering).

Wie bereits gesagt, ist der Höhepunkt der Raketenstart. Schon die Nacht vorher, ist an schlafen nicht zu denken, jeder ist aufgeregt und angespannt, und hofft, das, wenn etwas schief geht, es nicht an seiner Gruppe liegt. Im Laufe des Vormittags gibt es noch zwei Treffen. Im ersten stellt jede Gruppe ihren Status dar, erzähle, was alles schon klappt, beziehungsweise in der folgenden Gruppenarbeit noch gemacht werden müsste. Nach der Gruppenarbeit, in der noch einmal alles geprüft wird, trifft man sich zum Pre-flight-meeting. Hier wird die gesamte Startprozedur durchgesprochen und die Gruppenleiter der Gruppen benannt, die während des Countdowns über die Lautsprecheranlage kommunizieren, und ihr finales „Ja“ geben.

In der letzten Stunde werden noch einmal die Funktionen überprüft, die Straße zur Andoyer Rocket Ranch und mehrere Kilometer Atlantik gesperrt. Über die gesamte Anlage ertönen die letzten Zahlen des Countdowns aus den Lautsprechern. Alle die nichts zu tun haben, stehen neben der großen Fußballantenne, ca. 200 Meter von der Rakete entfernt, und blicken auf den winzigen, weißen Strich, welcher wohl die Rakete ist.

Mit dem Start geht für die Telemetry Gruppen die Arbeit erst richtig los. Wenig später erfährt man von der Experimental Gruppe alle wichtigen Daten: die Rakete „Evrydice 1“ im Jahr 2005 flog ca. 90 Sekunden (3.2 Sekunden brannte der Motor) und erreichte eine Höhe von 8 Kilometer.