1995 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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59. Jahrgang Nr. 115

Inhaltsverzeichnis
  • Resümee zur 200 Jahrfeier Herbert Schwarz; Karlheinz Gieseler
  • Festveranstaltung zum 200jährigen Bestehen des Gymnasiums Carolinum
  • Rückblick auf die Festwoche
  • Begrüßungsrede des Schulleiters Georg Drauschke Georg Drauschke Meine sehr verehrten Damen und Herren, werte Abgeordnete. Verehrter Herr Staatssekretär Dr. Ehmann, werter Herr Landrat, werter Herr Bürgermeister. Werte Lehrer, liebe Schüler. Ich begrüße Sie alle sehr herzlich zu unserer Jubiläumsveranstaltung und freue mich, daß Sie unserer Einladung gefolgt sind. Eine Schule, unser Gymnasium Carolinum, ist 200 Jahre alt. Das ist ein Grund zur Freude, das ist ein Grund zum Nachdenken, das ist ein Grund, innezuhalten in unserer schnellebigen Zeit. Innehalten und verweilen, sich besinnen, Erinnerungen wachrufen, das wird Sie, liebeAltcaroliner, an die Stätte Ihrer Jugend zurückgeführt haben.
  • Festrede des Staatssekretärs im Kultusministerium Dr. Christoph Ehmann Christoph Ehmann 200 Jahre sind für eine Schule, allemal für ein Gymnasium, ein hinreichender Anlaß zum Nachdenken, zum Nachdenken über Schule im allgemeinen und Gymnasien im besonderen. Und wenn man dann, wie wir heute, in einer zuweilen recht hitzig geführten Debatte über ein neues Schulgesetz steht, gebietet sich solch ein Nachdenken, ein kurzes Innehalten und Besinnen, allemal. 200 Jahre sind für ein Gymnasium ein eher mittleres Alter.
  • Begrüßung durch den Landrat Herrn Kautz Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Staatssekretär, sehr geehrte Gäste! Anläßlich dieser Festtage überbringe ich Ihnen die besten Grüße aller Mitarbeiter des Landratsamtes. Es ist ein entscheidender Zugewinn der letzten Jahre, humanistische Tradition unbefangen und vorurteilslos wieder an- und aufzunehmen. In der Stadt Neustrelitz, in der Region Mecklenburg-Strelitz, sind Geschichte, Gegenwart und erkennbare Zukunft des Carolinums Beispiel für dieses lohnende Bemühen. Erkennbare Zukunft meint dabei mehr als das äußere Zeichen, das im neuen Glanz wiedererstehende Gebäude, so schön und so schwierig es auch ist. Vielmehr ist es die aufrichtige, geistig moralische Auseinandersetzung mit der Geschichte, denn nur sie kann Garant dafür sein, daß in der stolzen Hülle dann ein guter Geist regiert.
  • Rede des Altcaroliners Harry Kurz Harry Kurz Sehr geehrte Damen und Herren, ,,200 Jahre Gymnasium Carolinum" - das ist schon ein gewichtiger Anlaß für die Altschülerschaft dieser Schule, Ihnen Grüße zu überbringen, Dank zu sagen und die besten Wünsche für die Zukunft uns e res gemeinsamen Carolinums auszusprechen. Dies stünde unserem langjährigen Vorsitzenden Dr. Adolf-Friedrich Wagner zu, aber seine Chirurgen haben etwas dagegen, und so muß ich für ihn einspringen. Er läßt Sie alle grüßen und ist im Geist bei uns. "Gymnasium Carolinum" - das ist in unserer Erinnerung das einst so hübsche Gebäude am Glambecker See, ein imponierender Bau aus den zwanziger Jahren - keineswegs 200 Jahre alt und keineswegs der Jubilar.
  • Grußworte des Schulleiters der schwedischen Partnerschule Ingemar Jennersjö Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin hier als Repräsentant der Stadt Sala in Schweden. Mein Name ist Ingemar Jennersjö. Bevor ich fortfahre , möchte ich mich recht herzlich bedanken, daß Sie mich eingeladen haben. Es ist mir eine große Freude, heute hier zu sein. Ich war 30 Jahre lang Schulleiter und Politiker in Sala und habe immer ein großes Interesse für internationale Fragen gehabt. Auf diesem Wege hatte ich die Freude, die Schulleiter Georg Drauschke und Herbert Schwarz zu treffen. Durch Sie haben wir gute Kontakte zu Ihrer Schule bekommen. Persönliche Freundschaften und enge Beziehungen brachten uns in den letzten Jahren den so wichtigen und schönen Lehrer- und Schüleraustausch.
  • Grußadresse des Gymnasiums Bersenbrück Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sehr geehrter Herr Drauschke, liebe Kolleginnen und Kollegen des Carolinums, sehr geehrte AIt-Caroliner, liebe junge Neu-Caroliner! Es ist mir eine große Freude , Ihnen allen hier, die sich dem Neustrelitzer Carolinum verbunden fühlen, und vor allem Ihnen, Herr Drauschke, Ihrem Kollegium und der gesamten Schülerschaft, der früheren und der heutigen, im Namen des Leiters des Gymnasiums Bersenbrück, Herrn Lingemanns, und aller dort tätigen Kolleginnen und Kollegen unsere sehr herzlich gemeinten Glückwünsche zum glanzvollen Jubiläum anläßlich des 200jährigen Bestehens des Gymnasiums Carolinum in Neustrelitz übermitteln zu dürfen.
  • Rede des Schülers Tobias Hecht anläßlich der Baumpflanzung Tobias Hecht Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Alt-Caroliner und liebe Mitschüler, der Grund der heutigen Baumpflanzung ist allen von uns hinlänglich bekannt. Anläßlich dieser 200-Jahrfeier wurde und wird in unserer Region alles Wissenswerte publiziert. Ich finde, daß eine Baumpflanzung mit diesem Baum auf dem Schulhof, auf welchem die nächsten Generationen der Caroliner oft versammelt sein werden, eine besonders würdige Geste ist, die sich bleibend gestaltet. Meine Wünsche, den Baum betreffend sind die, daß er wachsen und gedeihen möge, behütet und gepflegt von den Schülern dieses Gymnasiums auch in den nächsten 200 Jahren.
  • Eine Ära geht zu Ende - Dr. Adolf-Friedrich Wagner gab Vorsitz ab Nu sünd wi wedder tu Hus! Adolf-Friedrich Wagner gab Vorsitz ab. Tierarzt aus Passion ist er und kennt fast jeden Bauernhof rund um Eutin. Als wir uns nach langer Zeit einmal in Malente trafen und das Gespräch gerade begonnen hatte, traf ein Anruf ein, der ihn zu einer kalbenden Kuh rief. "Ihr kommt doch mit! " Gesagt, getan. Wir fuhren gemeinsam ins nächste Dorf. Das Kalb war mit den fachkundigen Griffen des Arztes schnell da. Eine Spritze noch. "Und wenn sie morgen Fieber hat, dann rufst Du mich an! " war die Weisung an den erleichterten Bauern. Natürlich alles auf plattdeutsch. Dann kam das mitternächtliche Gespräch über Vieh, Menschen und Politik bei Spiegeleiern und Köm in der Küche. Ein Tierarzt muß eben für alles und alle einen guten Rat haben.
  • Protokoll über die Mitgliederversammlung
  • Erinnerungen an Gerd Gombert Christiane Funke Der Neustrelitzer Künstler Gerd Gombert war von 1959-1978 Kunsterzieher an der EOS "Clara Zetkin", unserem heutigen Gymnasium Carolinum. Am 1. 10. 1995 wäre er 60 Jahre alt geworden. Wir erinnern uns gern an diesen ausgezeichneten Lehrer, Methodiker und vielseitigen Künstler. Seine Zeichnungen, Drucke, Aquarelle, Plastiken und Malereien zeugen von einer tiefen humanistischen Grundhaltung zum Menschen und zur Natur.
  • Zur "Werwolf"-Tragödie der mecklenburgischen Jugend 1945 Prof. Dr. H. J. Deppe Vorgeschichte: 1944 war für den "Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei" Heinrich Himmler erkennbar, daß schon sehr bald der Landkrieg auf das Territorium des damaligen Deutschen Reiches übergreifen würde. Aus der Sicht der NS-Führung ergab sich die Frage, ob durch den Aufbau einer deutschen Partisanenorganisation ("Werwolf" ) nach sowjetischem Vorbild sich Möglichkeiten bilden würden, den Nachschub des Feindes wirksam zu stören. Himmler beauftragte in diesem Zusammenhang den SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Hans-Adolf Prützmann mit der Bildung eines "Sonderstabes Spezialabwehr beim Reichsführer SS".
  • Die St. Jacob Kapelle zu Neustrelitz und ihre Glocke aus katholischer Zeit Klaus Giese Als man nach dem Totalbrand 1619 die Altstadt von Strelitz völlig neu gestaltete, wurde auch der Friedhof verlegt. Er hatte sich bis damals mittenorts rund um die Stadtkirche St. Marien befunden. Jetzt richtete man ihn an der Ausfallstraße nach Fürstenberg und Neubrandenburg ein, unmittelbar am heutigen Alexanderplatz. Aber 1710, nach fast einhundert Jahren, war auch dieser wieder völlig belegt und stand vor allem der weiteren baulichen Entwicklung der Stadt im Wege. So wurde er geschlossen und nach gegebener Zeit eingeebnet und parzelliert. Den nachweislich dritten Friedhof legte man nun auf einem Hügel am Rande der sogenannten Neustadt, am Ende der späteren Kapellenstraße, an.
  • De Jagd up den Rasselbuck Klaus Giese To de Tied, as de Schluck man fief Penning kosten dee, geew dat bi uns in Strelitz noch Rasselbück. Wat dat nu genau för 'ne Oart Dierd west is, weet ik ok nich mihr ganz prick to seggen. Aewer Graßvadding selig wüßt doar väl von to verteilen, Vadding har ok nix vergäten, un so sünd de Verteilers dörch all de krusen Tieden bet up uns kamen. Doarnah wir de Kalkhorst woll dat letzt Revier, wur diss Bück ehren Instand hard' n. Hoch un buckbeenig sünd's nich west, den bi schniedend Küll kröpen's in de Voßlöcker.
  • Das Gymnasium Carolinum informiert aus dem Schulbetrieb
  • Buchbesprechungen, Vorankündigung
  • Wichtige Mitteilung des Vorstandes
  • Stimmung nicht immer "ausgezeichnet" ... Horst Börjesson Zu dem Beitrag "Wie sich Oberschüler ihr Erntefest verdienen" in der Jubiläumsnummer des "Carolinum" (59. Jg., Nr. 114, S. 60 ff.). Der oben genannte Beitrag, ausgerechnet aus dem Jahr unseres Abiturs, inspiriert bzw. provoziert mich zu der Veröffentlichung folgenden "historischen Textes": "Nach den Abiturprüfungen 1955, 11. 6. , wurden die Examensklassen der Clara-Zetkin-Oberschule jedoch nicht verabschiedet, sondern durch Einbehalten der Reifezeugnisse gezwungen, einen sogenannten "freiwilligen" Arbeitseinsatz auf dem Staatsgut Warbende zu leisten (ab 28. 6.). Wir waren ob dieser Willkür empört und protestierten dagegen durch mangelhaften Arbeitseifer.
  • Geschichten ut'n Strelitzer Land - upschnappt, hürt, tausamenläst un upschräben vun Waldemar Neubauer Waldemar Neubauer De Strelitzer Exklav' un Enklav'n: Weckein vun de jungschen Lüd un ok vun de Öllern weet, dat to dat oll Grotherzogturn Mäkelborg-Strelitz een Exklav' ' hürt un in em twee Enklav'n wiern. De Exklav' Dat ist een Land, dat vun dat Territorium vun een anner Land ümschlotten würr. De Exklav' is dat Ratzeburger Land west, dat in ' Hamborger Erbvergliek 1701 to Strelitz toschlagen würr. Dor hürte een Deel vun de Stadt Ratzeburg to, mit väl Land na Ost hen mit de Stadt Schönbarg mittenmang.Yäl Meilen bet Strelitz hen. Awer een Land von Bedüdung för Strelitz. Een Land, dat väl Namentliches vörbröcht harr. So denn Maler Wilhelm Facklam, denn Dichter un Obstzüchter Rudolf Hartmann, orrer Karl Adolf Krüger Dichter un Postdirektor, ok de 'räuhmten Ludwig Reinhard - buurn in Mustin, un noch väl anner 'rühmlich Lüd.
  • Familiennachrichten