1989/1990 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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53. Jahrgang Nr. 102

Inhaltsverzeichnis
  • Beiträge zur Geschichte der Hexenprozesse und des Aberglaubens in Mecklenburg / II. Teil Annalise Wagner Ist der Hexenwahn oder das Zauberwesen tot? / Anhang: Berichte über Hexenprozesse im Bereich des heutigen Bezirkes Neubrandenburg / Miscellen über das alte Strafrecht / Benutzte Literatur
  • Neustrelitz Hans Sachse Aus den ersten Jahrzehnten des jungen Neustrelitz / Im Hamburger Vergleich vom 8. März 1701 war die letzte noch heute bestehende Teilung Mecklenburgs in einen Schweriner und einen Strelitzer Teil in der Weise erfolgt, daß Herzog Adolf Friedrich 11., der Stifter der Strelitzer Linie des mecklenburgischen Fürstenhauses, den Stargarder Kreis, einschließlich der früheren Johanniter-Komtureien Mirow und Nemerow, sowie des Fürstentum Ratzeburg mit der Rechtsstandschaft erhielt.
  • In der Gottesfurcht und anderen Wissenschaften (Heinrich Schnell fand die Schulordnung von 1753 nicht) Elisabeth Brügmann "Und es ist nicht genug, daß bloß die, so ein fähiges Ingenium haben, wohl fortgeholfen werden, sondern es müssen die Praeceptores sich auch dahin bemühen, daß auch die Stupiden etwas, und doch wenigstens das Nöthige lernen." Diese Anweisung steht in einer Schulordnung, die im Jahr 1753 für die Schule der Stadt Waren maßgebend wurde. Dem Superintendenten Polchow aus Parchim war es bei der Amtseinführung eines neuen Rektors aufgefallen, daß Waren keine Schulordnung besaß, auf die ein neuer Lehrer verpflichtet werden konnte.
  • Das Staatsgrundgesetz für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin vom 10. Oktober 1849 im Lichte der mecklenburgischen Verfassungsbemühungen des 19. Jahrhunderts Hermann Brandt Bekanntlich sprang der Funke der Pariser Februarrevolution von 1848 schnell nach Deutschland herüber und zündete vor allem im Südwesten und in Wien und Berlin, bevor auch Mecklenburg erfaßt wurde. Liberal-konstitutionelle Ideen zusammen mit nationalen Zielen, längst Allgemeingut der studentischen Jugend, wie aus den Lebensläufen der plattdeutschen Dichter Fritz Reuter und John Brinckman ersichtlich, fanden auch im Norden einen fruchtbaren Boden.
  • Der Traum von Troja - Dichtung oder Wahrheit? Wilfried Bölke Heinrich Schliemann (1822-1890) hat durch seine bahnbrechenden Pionierleistungen in der Archäologie, durch seine aufsehenerregenden Ausgrabungen 3000 Jahre alter legendärer Herrschersitze in Troja, Mykene, Tiryns u. a. Stätten des vorklassischen Griechenlands der Menschheit ein in Vergessenheit geratenes Zeitalter europäischer Kulturgeschichte zurückgewonnen und damit wesentlich zum Erkenntnisfortschritt unserer Kulturgeschichte beigetragen. "Vater der mykenischen Archäologie" und "Wegbereiter einer neuen Wissenschaft" - so würdigen Archäologen unserer Zeit den bedeutenden Anteil Schliemanns an der Entwicklung der Archäologie und Geschichtswissenschaft.
  • Das erfundene Troja - Wohin führt die neue Heinrich-Schliemann-Kontroverse? Justus Cobet "Wie fast alle Pfarrer hatte mein Vater neun Kinder und kein Geld, und da er mit seinem Beruf sehr beschäftigt war, war er nicht in der Lage, mir irgendeine Erziehung zuteil werden zu lassen", so schreibt Heinrich Schliemann 1850 in der ältesten seiner erhaltenen autobiographischen Skizzen. Auf dem Höhepunkt seiner geschäftlichen Erfolge, nach dem Krimkrieg, 1856, im Alter von 34 Jahren, beginnt er, nach neuen Lebenszielen zu suchen, zu reisen, sich den Wissenschaften zuzuwenden. Erst nach den erfolgreichen Grabungen in Hissarlik 1870-1873 findet er das Schlüsselerlebnis seiner Kindheit und die Quelle seines Lebensziels: Eine Abbildung des brennenden Troja in Jerrers "Weltgeschichte für Kinder".
  • Buchbesprechungen
  • Uns' plattdütsch Eck
  • As ick noch 'n Butscher wier - Vörwiehnachtstied tau Hus in ein ganz lüttes Dörp Hans Wilk In de Vörwiehnachtstied, wenn bi Adventskranz, Kerzenschien un Wiehnachtsstollen in de Familie dat grot VerteIlen von gistern de Runn' nimmt, fragen ok mien Kinner af un an mal: Vadding, woans hefft ji Wiehnachten fiert, as du noch 'n lütten Butscher wierst?" Wiehnachten dunntomals? Vör fiefundörtig Johren? Dat wier in de iersten Johr' nah fiefundvierdig: de Minschen wiern froh, dat nu endlich Fräden wier, un dorüm würd fiert, wo man blot künn. Männigein fröggt hüt nah den'n Bruk von eins, doch de wier woll bi all de fremden Lüd bi uns tau Hus anners. Kinnerogen sülln lüchten, un ok de Buk süll an dissen Dag nich lieden.
  • Mallühr üm den'n Wiehnachtsbraden Hans Wilk Krischan Stamer hett as niebacken Jäger kort vör Wiehnachten sienen iersten Hasen schaten. Stolt nimmt hei em mit nah Hus. "De Has möt noch ein poor Dag' uthängen!" seggt sien Fru. "Na, denn man tau", meent Krischan, "denn häng' em man up'n Balkon."
  • De Smitt as Wiehnachtsmann Jürgen Pump De Brill up'e Näs, sitt de Smitt jeden Dag nach Fierabend in'e Abeneck un läst de Tiedung. Un jedereen in't Hus weit, dat hei in disse Tied nich anspräkbor iso Dorbi kreg de Smitt vör Johr'n 'ne Säukmellung vör Ogen. In't Nahwerdörp wier' een halw utwussen Langhaardackel utknäpen.
  • Prost Niejohr! Ursula Kurz Nu föllt dat letzt Kelennerblatt, / de Klack hett twölfmal slahn. / Dat olle Jahr slickt mäud un matt / tau Rauh, sein Wark is dan.
  • Juchhans un dei Irrlichter! Hans Köhncke Sweere Leed noch mal tau, wo hadd ik mi afmaracht, dat ik den Tag man noch kreeg. Dat wier wedder spät worden tau Hus as ümmer, wann Großvadder abends in'n Schummern von Bannen un Speuken anfüng, von Juchhans un von Irrlichters un ditmal wier dat'ne Geschicht, dei hei sülwst erläwt hadd. Nu seet ik an't Finster von den'n Drütteklassenwagen un dachte trüg an Großvadder sin Vertellers.
  • Rückblick auf Marburg 1989 Henry Pape Am ersten Septemberwochenende trafen sich wieder 100 Caroliner, Lyzeistinnen und Neustrelitzer in Marburg zu ihrem traditionellen 15. Schultreffen unserer Altschülerschaft. Erfreulich war es, daß man einige neue Gesichter sah, die zum ersten Male hierher gekommen waren und auch einige Besucher aus unserer alten Heimat an unserem Zusammensein teilnehmen konnten.
  • Predigt in der Elisabethkirche zu Marburg Leppin Seit 1956 begehen Sie das Gedächtnis Ihrer alten Neustrelitzer Schule in der EK. mit einem Gottesdienst, seit 33 Jahren also. 1981 feierten wir den Gottesdienst noch im Hauptschiff unserer Kirche. Der Raum hier hätte nicht gereicht. Sicher liegt das nicht nur daran, daß es damals das 25jährige Bestehen Ihrer Vereinigung war. Sondern die Schar derer, die noch mit Ihnen in den Räumen der alten Schule gesessen haben und durch die Gänge gerannt sind, schmilzt mit den Jahren immer mehr zusammen. Es ist das Schicksal von uns allen, daß wir älter werden und dabei aus der Welt herauswachsen.
  • Ein frohes Wiedersehen nach 50 Jahren Hans-Joachim König In der letzten Nummer der Vermischten Nachrichten waren auch unsere Namen abgedruckt, die wir am 1. und 2. März 1939 am Gymnasium Carolinum das Abitur machten. Diese Wiederkehr gab uns den Anlaß, uns einmal zu treffen, zum Teil nach 50 Jahren, zum ersten Male wiederzusehen. Die Initiative ergriff der in Berlin-Schlachtensee wohnende Claus-Jürgen Lüders. Er fand die Adressen noch Lebender und lud seine Konabiturienten zu sich in sein Haus nach Berlin ein.