1980/1981 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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44. Jahrgang Nr. 84

Inhaltsverzeichnis
  • Ernst Theodor Amadeus Hoffmann Gerd Tolzien Am 12. Januar 1809 sandte der ehemalige königlich preußische Regierungsrat Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (Amadeus nannte er sich erst später), seit einem Vierteljahr am Bamberger Theater als Kapellmeister engagiert, an den »verehrungswürdigen Herren Hofrat Rochlitz«, den Herausgeber der in Leipzig erscheinenden »Allgemeinen Musikalischen Zeitung«, eine Erzählung, Ritter Gluck, zur Veröffentlichung. Das kleine Prosastück, mit einem damals in der deutschen Literatur revolutionären Realismus im zeitgenössischen Berlin lokalisiert, war vom Thema her ungewöhnlich.
  • Erinnerungen an Hohenzieritz Annalise Wagner Viele Leser werden mich gerne auf dieser kulturhistorischen Wanderung nach Hohenzieritz, dem Sterbeort der verehrten Königin Luise von Preußen, geborene Prinzessin von Meckl. Strelitz, begleiten. Wie oft pilgerten im Frühling oder Sommer Neustrelitzer Bürger durch den noch stillen Glambecker Busch, durch die kleine Birkenallee zur Försterei Karlshof und zur Sandmühle, um unter der alten Luiseneiche das zweite Frühstück zu verzehren und der wohlverdienten Ruhepause sich hinzugeben. Danach der Aufbruch durch den Wald und die Spitzpappelallee, die ins alte Straßendorf Hohenzieritz führte. Rechts die gediegene Hufschmiede, links zu Beginn der Achse des Schlosses der Dorfkrug mit dem schönen Bohlensparrendach, erbaut vom Landbaumeister Friedr. Wilh. Dunkelberg (1773-1844). Heute ist dort keine Gaststätte mehr. Eine Konsum-Verkaufsstelle nutzt die untere Etage.
  • Späte Erinnerungen R. S. Zu den vorstehenden Erinnerungen von Annalise Wagner, die in Neustrelitz noch im alten Haus ihrer Eltern, wo sich die Buchdruckerei Wagner in der früheren Schloßstraße befand und heute das von ihr bewahrte und z. T. mit unendlich mühevollem Einsatz neu zusammengetragene Archiv- und Museumsgut befindet, möchte ich nach meinem letzten Besuch im August d. J. in Neustrelitz folgendes ergänzen. Wir fuhren mit dem Auto die altvertraute Chaussee nach Weisdin, machten Halt in der Höhe des Krebsees und entschlossen uns zu einem Rundweg um den See. Der schöne Buchenwald ist zum größten Teil noch vorhanden, wenn auch die alten Bestände am Südufer der dort geführten Trasse der Bahn nach Rostock gewichen und durch junge Anpflanzungen ersetzt sind.
  • Ein Besuch beim Nachbarn Christian Bourjan aus: Briefe Friedrichs des Großen, I. Band, herausgegeben von Max Hein, deutsch von Friedrich von Oppeln Bronikowski und Eberhard König, Verlag Reimar Hobbing Berlin 1914. "Rheinsberg, den 26. October 1736 - Gestern bin ich nach Mirow gewesen. Um meinem allergnädigsten Vater eine Idee von dem Ort zu geben, so kann ich die Stadt zum Höchsten mit Großen-Kreutz vergleichen; das einzige Haus drinnen, das man ein Haus nennen kann, ist nicht so gut, als das Priesterhaus dorten. Ich ging alsofort nach dem Schloß, welches ohngefähr wie das Gartenhaus in Bornim ist; rings herum aber ist ein Wall, und ein alter Turm, der schon ziemlich verfallen ist, dienet dem Hause zum Torweg. Wie ich an die Brücke kam, so fand ich einen alten Strumpfstricker, als einen Grenadier verkleidet, mit der Mütze, Tasche und das Gewehr bei sich stehen, um ihn desto weniger an seiner Arbeit zu hindern."
  • Das Schöpferische im Lebenswerk Heinrich Schliemanns William G. Niederland Professor Dr. W. G. Niederland in Englewood, New Jersey, USA, schreibt an einem Buch über Heinrich Schliemann. Er konnte uns leider aus diesem Werk noch keinen Auszug für unser "Carolinum" zur Verfügung stellen. Stattdessen bat er, seinen Beitrag für die Festschrift "Provokation und Toleranz" zum 70. Geburtstag für Alexander Mitscherlich (Suhrkamp 1. Auflage 1978) auch hier zu veröffentlichen.
  • Blätter meiner Lebensgeschichte / Aus: "Vermächtnis" Hans Much I. Löwenberg - Meine Mutter verlor ich mit zwei Jahren. Sie starb im Wochenbett, das Kind folgte ihr bald nach. So blieb ich der Einzige. Meine erste Erinnerung setzt ein bei der Übersiedelung nach Löwenberg. Ich war damals zweieinhalb Jahre. Die Haushälterin war ein grundgütiges Geschöpf, das mich sehr verhätschelte. Als ich vier Jahre alt war, heiratete mein Vater wieder. Meine erste Mutter entstammte Gutsbesitzerskreisen, sie muß eine auffallende Schönheit gewesen sein, noch jetzt spricht man in Zechlin von der wunderschönen Pastorfrau. Sie war wohl ein reiner Mensch, ganz voll Kindlichkeit und Schwärmerei, auch hellseherisch begabt. Was ich durch sie verlor, ist gar nicht auszumachen. Die zweite Mutter suchte sie ganz zu ersetzen. Sie entstammte einer hochgebildeten Pastorenfamilie von altem englischen Geschlecht
  • 4 Gedichte: "Kant", "Leiw", "Slap", "Up Mudders Graww"
  • De Muurt in't Pritzier Holt un wat sik darbie all doon hett Otthinrich Müller-Ramelsloh In Lübtheen weer Militärmusik wesen. Wi harrn in de Pausen veel an den Tresen to doon hatt. Klock dree weer ik nah Huus kamen, inwennig noch tämlich natt. Ik wahnte bi Fruu Garfs (de Mudder vun den Garfs vun Tamms & Garfs). Dat weer nen eenstöckig Huus. Den Huusslötel lee ik jümmers in de Dackrönn. De schüert sünst de Büx so af. Vör 't Finster weern Holtläden. Männichmaal kloppten weck an.
  • Buchbesprechungen
  • Zum Tode von Professor Dr. Wilhelm Westphal Unser Caroliner Professor Dr. Wilhelm Westphal wurde am 31. Juli 1980 im Alter von 91 Jahren durch einen sanften Tod abberufen. Anläßlich seines 90. Geburtstages, den er in Plön in großem Freundeskreis noch rüstig feierte, würdigten wir seinen Lebensweg und sein berufliches Wirken. Wir verweisen auf Seite I "Vermischte Beiträge zum Carolinum" Nr. 80 - Winter 1978/79. Professor Westphal war unserer Altschülerschaft von Anfang an eng verbunden. Seine Heimatliebe, die er noch durch Teilnahme am Mecklenburger Treffen in Ratzeburg im Juni d.J. bekundete, war unauslöschlich. So wird er in unserem Gedenken weiterleben!
  • Hermann Claudius + Am 8. September 1980 verstarb in einem Hamburger Krankenhaus an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruches der Dichter Hermann Claudius. Er war am 19. Oktober 1878 in Langenfelde bei Altona geboren und Urenkel des "Wandsbecker Boten" Matthias Claudius. Sein fast 102 Jahre umfassendes und bis zuletzt geistig reges Leben weist in hoch- und plattdeutschen Gedichten, Romanen und Erzählungen eine einzigartige Fülle des Denkens, Fühlens und menschlicher Erkenntnisse auf.
  • Professor Dr. Friedrich Scheven + In Heft 83 unserer Zeitschrift konnten wir Prof. Dr. Scheven, zuletzt wohnhaft in Hilden, noch zu seinem 90. Geburtstag gratulieren. Wir sandten ihm auch ein besonderes Glückwunschschreiben. Dazu teilte uns sein Sohn Dr. Dieter Scheven in Düsseldorf mit: "Mein Vater hat zum 90. Geburtstag am 14. Juli 1980 so viele freundliche Grüße und Wünsche erhalten, daß es seine Zeit braucht, um allen zu danken."
  • Ballade des äußeren Lebens Hugo von Hoffmannsthal Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen, / die von nichts wissen, wachsen auf und sterben, / und alle Menschen gehen ihre Wege.
  • Neustrelitzer Theater R. S. Von Dr. med. Friedrich Rosenthal aus Beverly Hills Kalifornien erhielten wir die beiden vorstehenden Theaterzettel vom Landes-Theater Neustrelitz aus den Jahren 1918/19 und 1921. Das angezeigte Schauspiel "Die Haubenlerche" von Ernst von Wildenbruch war ein soziales Stück aus dem Berlin von 1890, das man wegen seiner sozialen Tendenz in der Spielzeit 1918/19 noch aufführen konnte, während Wildenbruchs Dramen aus preußischdeutscher Geschichte, die ihn in Berlin der 80er Jahre berühmt gemacht hatten, nicht mehr aufgeführt und für immer vergessen wurden.
  • Vor etwa 60 Jahren - Lehrerkollegium des Realgymnasiums [Foto+Namen] Fandre, Dr. Stichel, Studiendirektor Dr. Michaelis, Prof. Gäbeler, ? ?, Wesemann, ?, Nahmmacher, Pfeil, Kirchner, Sterley, ?, ?, Ballschmieter, Adam, Piehler
  • Vorbeimarsch der Caroliner im Schloßhof 1926 [Foto] Heinrich Pinnow Bei einem kürzlichen Besuch gab mir mein Schwager Erich Riepitsch die beiliegende Fotografie, von der ich nicht weiß, ob sie nicht schon einmal im Carolinum abgebildet worden war. Es handelt sich um den Vorbeimarsch im Schloßhof anläßlich des Staatsbesuches des neu gewählten Reichspräsidenten von Hindenburg 1926.
  • Drosseln [Gedicht] Klaus Giese Möd un matt schient de Novembersünn, / natt sünd Holtbusch, Wischen, Brook un Acker. / Drosseln fölen hüt von Osten in, / dusende lütt Zieinen, grate Schacker.