1977 Frühling

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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(42.) 41. Jahrgang Nr. 76-77

Inhaltsverzeichnis
  • Der Maler Wilhelm Riefstahl (1827-1888) Annalise Wagner Das Werk Wilhelm Riefstahls ist heute vergessen, wenn auch in den Deutschen Kunstgeschichten vor 1945 sein Name noch genannt wird. Die großen und besten Arbeiten sind in vielen Kunstgalerien Deutschlands magaziniert (München, Schwerin, Karlsruhe, Dresden, Berlin usw.). Riefstahl gehört zu der Gruppe bildender Künstler, die zu ihren Lebzeiten voll anerkannt und gekauft wurden und zwar zu höchsten Preisen (10 000-25 000,- M). Selbstverständlich kaufte auch das Neustrelitzer Museum vieles und hatte ein Riefstahl-Zimmer in seinem Landesmuseum eingerichtet. Aber diese Werke sind mit andern berühmter Maler (Canaletto, Frz. Krüger, Kannengießer, Unger usw.) 1945 verbrannt.
  • Frühes Lebenslied [Gedicht] Fritz Hagemann Immer Gipfel der Gefühle, / Immer Tal in wehem Schmerz, / Stürme treiben meine Mühle, / Flügel auf- und niederwärts.
  • Der Knabe Elk Noch liegt das Land, das weite Land im Dunkel und auf ihm, mit den nachtschwarzen Schwingen die Unendlichkeit streifend, ein sternenloser, schweigender Himmel. Da erhebt sich vom Meere her sanftflügelnd der Wind und drückt die strotzenden Euter der schwerfällig dahingrasenden Wolkenkühe dichter auf den durstigen Mund der Erde. Aus den Nebeln der Niederung steigt der schwermütige Ruf des Regenpfeifers, schwillt sehnsüchtig an, verliert sich flußabwärts, verklingt und erlischt. Über die Höhe schnürt, seine buschige Lunte hinter sich herschleifend, schattenhaft ein Fuchs.
  • De Weg to Gott [Gedicht] Otthinrich Müller "Segg mi den rechten Weg to Gott", / Dat fröögt en möder Wannersmann. / "Holl Di man jümmers links, / Denn kümmst Du richtig an!"
  • De "Wohld" - Erinnerungen an Bilder aus der mecklenburgischen Tierwelt Hans-Joachim Deppe Die "Wohld" ist eine Landschaft am Ostufer der Müritz, die schon seit alter Zeit diesen Namen trägt. Kiefernwälder und Wacholderheiden, Bruchgebiete, Moorflächen und stille Seen machen ihren Charakter aus. Ein erheblicher Teil dieser Landschaft wurde während der Regulierungsarbeiten an EIde und Havel in den Jahren 1798-1803 beziehungsweise 1835-1837 trockengelegt. Dieser Raum war stets dünn besiedelt. Nur wenige Bauerngehöfte waren in der "Wohld" anzutreffen. In späteren Jahren wurde hier das Naturschutzgebiet "Ostufer der Müritz" gebildet, das aus mehreren Teilgebieten zusammengewachsen ist.
  • Die Engelchöre an den Neubrandenburger Stadttoren Friedrich Scheven Wer von den Besuchern Neubrandenburgs hat nicht schon vor dem Stargarder und dem Neuen Tor gestanden und sich oder einen Ortsansässigen gefragt: Was bedeuten diese Figuren dort oben unter den hochragenden Giebeln der Tore? Eine Antwort, die allgemeine Zustimmung findet, wird er nicht erhalten haben. Auch das Schrifttum über die alte Stadt oder das Suchen in kunstgeschichtlichen Büchern wird ihn nicht weitergeführt haben. In andern Städten, weder in Nord- oder Mittel- oder Süddeutschland, ist an Kirchen oder Befestigungsanlagen oder an Rathäusern Ähnliches zu finden.
  • "Hegel war mein Freund" / 2. Fortsetzung und Schluß Hans-Ewald Wohlfahrt Zweitältester Sohn des Landgerichtsrates Hugo Wohlfahrt und seiner Ehefrau Anna, geborene Goetze - der älteste Sohn Hugo wurde am 16. Juni 1847 in Schönberg geboren und starb schon ein Jahr später am 3. Juni 1848 - war Ewald Theodor Ludwig Ferdinand Wohlfahrt, gestorben am 5. Februar 1926 in Neustrelitz als Geheimer Höfrat Bürgermeister a. D. Er war verheiratet mit Marie Auguste Elise Blanck, geboren am 25. März 1860 in Warlin.
  • Die zwei Turmuhren Christian Morgenstern Zwei Kirchturmuhren schlagen hintereinander, / weil sie sonst widereinander schlagen müßten. / Sie vertragen sich wie zwei wahre Christen.
  • Die Sekunda des Carolinums zu Neustrelitz, Weihnachten 1864. [Foto] Karl Kraepelin, Hermann Seyberlich, Adolf von Bülow, Richard Petermann, Bernhard von Bülow, Heinrich Adermann, Mortimer Brunswig, Christian Mewis, Karl KöppeI, Ewald Wohlfahrt, Rudolf Jahn.
  • Der Marquis von Keith Fritz Hagemann Im Jahre 1900 reißt der Dichter noch einmal einen neuen Weltstoff in seine gestaltende Mitte: das alte Urerlebnis im ungeistigen Raume schafft ein harmonisches, großes Werk, den "Marquis von Keith". "Seit zwanzig Jahren bringt die Literatur nichts als Halbmenschen zustande; Männer, die keine Kinder machen und Weiber, die keine gebären können. Das nennt sich modernes Problem" - sagt Alwa Schön in der Büchse der Pandora.
  • Die Unbekannte [Gedicht] Fritz Hagemann Du standest an die Säule sanft gelehnt, / Vom Haupte fiel dein blondgelocktes Haar. / Und deine Augen haben sich gesehnt / So ernsthaft fern, als ob dein Glück dort war.
  • Albert Krietsch wird 80 Jahre alt Hans-Joachim Heise Nach einem Studium an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin. Nach einer kurzen Lehrertätigkeit in Thüringen, kam er 1925 an das Carolinum in Neustrelitz und übernahm tatkräftig am Gymnasium und später auch am Lyceum den gesamten Musikunterricht. Der von ihm aufgebaute, sehr gute gemischte Schulchor wirkte bei vielen Gelegenheiten mit, bei Schulfeiern, bei den alljährlich stattfindenden Schulfesten und natürlich auch bei der Einweihung der neuen Schule am Glambecker See.
  • "Herr Walther von der Vogelweide, der ist mein Meister gewesen" Otto Lemke Ein Tag im Leben eines mecklenburgischen Originals - Wer ist dieser Mann? Gar oft wurde ich danach gefragt. War er wirklich Schuster? Ich kann es mir nicht denken, so wurde mir gesagt, daß ein mecklenburgischer Handwerksmeister zu den Bayreuther Festspielen eingeladen wurde. Wer verbirgt sich hinter dem Namen Wilhelm Harms? Hieß er wirklich so? Meine Mutter hat rriir einmal erzählt, daß Schausting, wie sie ihn nannte, sogar einmal Gast beim Hofball im Schweriner Schloß gewesen sei.
  • Der große Waldbrand an der Müritz Goede Gendrich Juli 1934! Zwei Monate hatte es nicht mehr geregnet. Auf den Feldern verdorrte das Getreide, auf den Kulturen vertrockneten die Fichten, Stangen- und Althölzer, von Spannern und Forleulen heimgesucht, litten unter der sengenden Dürre und schütteten ihre Nadeln auf den ausgedörrten Boden. Tag für Tag zog die Sonne ihre Bahn durch einen wolkenlosen Himmel und versengte die Erde, auf die einzig die Sorge noch ihren Schatten, einen bedrückenden Schatten, warf.
  • Fremdstämmige Literatur in Mecklenburger Platt Gerd Lüpke Unter den Autoren, Literaturhistorikern und Wissenschaftlern niederdeutscher Provenienz schwelt mindestens seit Jahrzehnten eine Streitfrage, die immer wieder in den Diskussionen auftaucht - und diese Frage lautet: Soll man literarische Werke aus fremden Sprachen in das Niederdeutsche übertragen? Die Temperatur solcher Diskussionen steigt bis zur Siedehitze, wenn es sich gar um Übertragungen aus Sprachen handelt, die nicht dem engeren germanischen Kulturkreis entwachsen sind.
  • 20 Jahre Karbe-Wagner-Archiv Annalise Wagner Am 6. Dezember 1976 kann das Karbe-Wagner-Archiv, kurz KWA genannt, auf ein 20jähriges Bestehen zurückblicken. Die ersten zehn Jahre nach der Gründung, die 6 Wochen nach dem Tode des Heimatforschers Walter Karbe durch Annalise Wagner erfolgte, waren sehr schwer: finanzielle Mittel, weder Raum noch Hilfe gab es, und die Gründerin mußte das Archiv mit den Sammlungen und dem Nachlaß W. Karbes nebenberuflich aufbauen und betreuen.
  • Bücher- und Buchbesprechung
  • Ferdinand Trömel + Im Oktober 1976 verstarb in Husum der langjährige Inhaber der früheren Buchhandlung Opitz u. C. in Güstrow, Herr Ferdinand Trömel.
  • Vor rund so Jahren - Stammtisch in Feldberg bei Dörnbrack [Foto] Zahnarzt Gohlke, praktischer Arzt Dr. Hans Westphal, Amtsmaurermeister Greck, Tierarzt Dr. Benzin, Amtsgerichtsrat Klingenberg, Forstmeister Grapow, Lüttenhagen, Bürgermeister Stöcker, Sanitätsrat Dr. Georg Westphal, Postmeister Peters, General a. D. Strempel. Die Aufnahme wurde uns freundlicherweise von Herrn Prof. Dr. Wilhelm Westphal - Plön zur Verfügung gestellt.
  • Drei Geschichten aus dem alten Neustrelitz Hans Heinrich Fölsch Dr. Martin Seimer, Großherzoglich Mecklenburg-Strelitzscher Staatsrat in Neustrelitz, hat Erinnerungen geschrieben, die man im Karbe-Wagner-Archiv lesen kann. Ob er dazu gekommen ist, ein Weiteres durchzuführen, wovon er mir einmal gesagt hat, daß er nämlich gern durch die Straßen von Neustrelitz gehe und sich an die Menschen, die in den einzelnen Häusern gewohnt haben, erinnere, und daß er sich mit dem Gedanken trage, diese Erinnerungen aufzuschreiben, entzieht sich meiner Kenntnis.
  • Die Oberprima des Gymnasium Carolinum im Kriegsfrühjahr 1915 auf einem Ausflug in Hohenzieritz [Foto] Benno Wagner, Fritz Vathje, Wilda, Helmut Biermann, Fritz Wagner, Herbert Hardegen, Carl Joachim Praefcke, Reimann, Walter Schmidt, Walter Prütz, Helmut Horn, Carl Leopold Zöllner