1973/1974 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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(40.) 37. Jahrgang Nr. 67

Inhaltsverzeichnis
  • In memorian Gustav Heinrich Piehler Fritz Hagemann Er war ein bedeutender Mann von großer Arbeitskraft in den späten Jahren seines Lebens, als er aus der CaroIiner "Zeitung" in noch nicht zwei Jahrzehnten die historisch-literarische Zeitschrift Carolinum schuf, die ihresgleichen sucht. Neben seinen Mitarbeitern schrieb er selbst Gedichte und Lieder, die er obendrein komponierte. Diese Zeitschrift hält die Caroliner mehrerer Generationen zusammen, auch das ist sein Verdienst. Sein Ruhm wird ihn überleben.
  • Gustav Piehler Erhard Lungfield Gustav Piehier ist nicht mehr unter uns. Wir haben ihn alle gekannt. Er war unser Lehrer. Wie sehen wohl Schüler ihre Lehrer: kritisch - der Lehrer in einer negativ geprägten Haltung, oder positiv - ein Mensch, auf den man hört? Was war und bleibt für uns Gustav Piehler? Hier kann nur eine persönliche Aussage gegeben werden: ich sah ihn zuletzt im Menschengewühl eines großen Bahnhofes: frisch, mit lebhaften Bewegungen, ja geradezu mit sportlicher Eleganz und Distanziertheit sich den Weg bahnend. So kannten wir ihn schon in Neustrelitz.
  • "Zeitenwende"; "Anno Domini" Fritz Hagemann Die Wölfin wacht auf steilem Kapitol, / Der Staat wird Götze in der Zeiten Runde. / Die Götter schützen das gemeine Wohl / Und blassen in des Reiches später Runde. / In Hellas' Tälern bangen vor dem Neid / Sinnloser Schicksalsgötter die Hellenen.
  • Der Mensch - das unbekannte Wesen / Aspekte und Probleme der Anthropologie Emil Schlee Gemeinhin liest man über den nicht ganz unbekannten Buchtitel, mit dem auch ich diese Studie überschreiben möchte, oberflächlich hinweg, ohne sich darüber klarzuwerden, daß hier eigentlich eine in den Konsequenzen erschütternde und meist verkannte Feststellung getroffen wird. Sie bedeutet zum Beispiel, daß für Eltern, Lehrer und Ärzte im Grunde die Kinder, Schüler und Patienten als menschliche Wesen unerschlossen, unbegreifbar und rätselhaft bleiben und demnach auch ihre pädagogischen Mühen und alle ärztliche Kunst äußerst fragwürdige Unterfangen mit sehr zweifelhaften Ausgängen sein müssen.
  • Jürn Jakobs Vater. Leben und Werk des mecklenburgischen Dichters Johannes Gillhoff (II) Gerd Lüpke Nun gibt es aber wohl kein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite nur geglückt und ohne Tadel wäre. Auch der "Jürnjakob Swehn" hat seine Achillesferse - tatsächlich eine Ferse, denn es handelt sich um das letzte, ausgerechnet das dreizehnte Kapitel. Der Titel dieses Abschnitts, der sich so gar nicht recht in das Buch einfügen wilt spricht für sich: "Vom Krieg und vom deutschen Erwachen in den Staaten". Hier ist Gillhoff der Kriegshysterie erlegen - das Manuskript war ja 1916 fertig geworden.
  • Das Bauerndorf Broock in vorgeschichtlicher Zeit Ulrich Abraham Die ältesten Quellen für die Besiedlung eines Landes sind die Bodenfunde. Sie sprechen bei dem heutigen Stand der Vorgeschichtsforschung für den Kenner eine beredte Sprache und geben uns Aufschluß über die Menschen, die einst in grauer Vorzeit ein Gebiet bewohnt haben. Solche prähistorischen Funde sind auf der Broocker Feldmark und den angrenzenden Dorffluren in großer Menge zu verzeichnen.
  • Eigene Wortspiele der deutschen Shakespeare-Übersetzer, Eine Stilbetrachtung Hans Georg Heun Für die Sprache der englischen Renaissance ist das Wortspiel als besonderes Stilphänomen charaktetistisch. Es ist im schriftlichen Ausdruck ebenso beliebt wie in der mündlichen Unterhaltung. Das Vergnügen am play on words teilt Shakespeare mit seinen Zeitgenossen; es ist geradezu eine nicht zu übersehende Eigenart seiner Sprache. In seinen Dramen, Epen und lyrischen Gedichten begegnen wir immer wieder Wortspielen mannigfacher Art auf allen Stilebenen. Im Deutschen bedienen wir uns wohl in der Sprache des Alltags dieses Stilmittels, z. B. auf dem Felde der Reklame, doch in der Literatur unserer Dichter und Schriftsteller spielt es von jeher bloß eine kleine Rolle, von Ausnahmen abgesehen.
  • Taschenbrecher (I) Karl Friedr. Boll Nur wenige Monate lagen zwischen dem Abschied von der Schulbank und dem abenteuerlichen Reiterleben, in das mich der Krieg geworfen hatte. Unter sengender Sonnenglut und von dichten Staubwolken umhüllt, ritt das Regiment über schwankende Sumpfpfade und grundlose Landstraßen ostwärts, bald von auftauchenden Kosakenschwärmen im Rücken bedroht, bald zu heftigen Fußgefechten abgesessen, um sich der braunen Kolonnen russischer Vorhuten zu erwehren, die wieder vorfühlten oder in starken Gruppen angriffen. Die Nächte waren voll Unruhe und gönnten uns nur wenig Schlaf.
  • Philosoviechereien (II und Ende) Gerd Lüpke Selbstporträt (Eugen Roth in aufrichtiger Verehrung) - Eheliche Treue - Entscheidung - Erkenntnis - Der Weise - Konsequenz - Der Liederabend - Kollision. Ein Mensch, der sich durchs Leben dichtet, / ist rein moralisch schon verpflichtet, / für alle Zeiten arm zu bleiben / und für ein Hungergeld zu schreiben. / Der Mensch, er ärgert sich darüber / und geht zum Preisausschreiben über.
  • Vom Segen des Lächelns. Betrachtungen zu Johannes Gillhoffs Humor Walter Lehmbecker Menschen, die das Leben aus dem Grunde heraus meistern, findet man im allgemeinen nicht bei denen, die gern laut und dröhnend lachen, sondern vielmehr bei den Stillen und den bescheiden Auftretenden, die weise zu lächeln verstehen. Ein solcher Meister des Lächelns war Johannes Gillhof f . Für ihn war der Humor eine Ordnungsmacht des Daseins, die er zwar von Jugend auf bei seinen Landsleuten in der Griesen Gegend kennengelernt hatte in ihrem köstlichen Wert, für die ihm andererseits vom Schöpfer auch eine besondere Begabung geschenkt worden war.
  • Großvaters Garten Babetta Gogl Großvater liebte Blumen. Blumen standen in jedem Zimmer, auch bei der Großmutter in der Küche hatte seine Hand den irdenen Krug mit Blumen geschmückt. Hinten im Hof, am Viehstall vorbei, führte eine kleine, hölzerne Pforte in den Garten. In frühester Morgenstunde lenkte der Großvater seine ersten Schritte dorthin, um nach der Ordnung zu sehen und um grüne, saftige Runkelrübenblätter für das Viehfutter hereinzuholen. Er untersuchte Erbsen und Bohnen auf ihren Reifezustand und sagte später der Großmutter Bescheid, was pflückreif war, und was zuerst gegessen werden sollte.
  • Das fiel mir ein Irmgard v. Zerssen Während der Eröffnung der Gemäldeausstellung bei den Mecklenburgischen Heimattagen in Ratzeburg im Frühjahr dieses Jahres stieg eine andere aus meiner Erinnerung auf und nicht etwa wie aus "abgelebten Zeiten", sondern sehr lebendig, obgleich anderthalb Menschenalter zwischen beiden liegen. Gemeinsam ist ihnen weitgehend ihr mecklenburgischer Nährboden. Die diesjährige Ausstellung blieb Mecklenburger Malern vorbehalten, die in Schleswig-Holstein an die Öffentlichkeit traten, in der damaligen stellten Künstler aus verschiedenen deutschen Gauen in Mecklenburg - in Doberan - aus.
  • Leben und Wirken des mecklenburgischen Dorfschulmeisters Friedrich Rehm W. Rehm Mein Vater, der Kantor u. Lehrer Friedrich Rehm, verstarb in Schwerin i. Mecklb. am 18. Mai 1935. Er wurde im Lehrerhaus zu Goldebee am 6. Aug. 1849 geboren. Nach Absolvierung der Volksschule besuchte er das Lehrerpräparandum in Ludwigslust und nach einer Praxis als Assistent das Lehrerseminar zu Neukloster. Er amtierte in Herren-Steinfeld und Welzien bei Grevesmühlen und später in Pampow bei Schwerin als Lehrer und Organist.
  • Archivrat Dr. Georg Tessin erhielt den Mecklenburger Kulturpreis 1973 Walter Lehmbecker Am 6. Oktober wurde nach der festlichen Einweihung der Stiftung Mecklenburg im Rokokosaal des Herrenhauses in Ratzeburg der diesjährige Mecklenburger Kulturpreis durch den 1. Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Mecklenburg, K. W. Flint, an Archivrat Dr. Georg Tessin (Koblenz) verliehen. Der von Prof. Siems gegründete Gudower Chor gab die musikalische Umrahmung der Feierstunde. Die Laudatio hielt Prof. Roderich Schmidt (Marburg), eine einzigartige Leistung in der Art ihrer begründeten Würdigung und höchsten Anerkennung des Archivars, Historikers und nicht zuletzt der Persönlichkeit Dr. Tessins. Wir drucken den Text der Verleihungsurkunde wörtlich ab, setzten aber einen kurzen Lebenslauf des Kulturpreisträgers voran.
  • Bericht über das 7. Caroliner-Treffen in Marburg Roderich Schröder Vom 20. bis 23. September 1973 fand das diesjährige 7. Caroliner-Treffen wiederum in Marburg statt. Es wurde nach der vorausgegangenen Sitzung des Vorstandes am Abend des 20. September am Nachmittag des 21. September 16.00 Uhr im Kurhotel Ortenberg mit der Hauptversammlung durch den Vorsitzenden Landessozialgerichtsrat a. D. Peter Heitmann eröffnet.
  • Predigt in der Elisabeth-Kirche in Marburg Christian Berg Liebe Alt-Caroliner mit Euren Angehörigen und Freunden! Ihr habt mich als einen, der ebenfalls unverlierbare Erinnerungen und Prägung durch die Schule in Neustrelitz sein eigen nennt, gebeten Euch am Beginn des diesjährigen Treffens in dieser einmalig schönen Kirche den Gottesdienst zu halten. Es mag wohlgetan sein, nun zu hören auf die Worte des Psalm 102 24-28: Du Herr demütigst auf dem Wege meine Kraft; Du verkürzt meine Tage.
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • Uns´ plattdütsch Eck
  • Wat is up´n Dörp los? Friedrich Rehm Johann-Unkel wier all nägen Johr bi sienen Swager Jungklas as Grotknecht. Holt still! - Wat snack ick! - 1n dei Volkstellunglist von 1885 stünd doch schräben: "Johann Schwank, geb. 25.4.1857 - lutherisch, WirtschaftsgehiIfe. - Nu weiten'w Bischeid." Johann-Unkel wier'n sturen Kierl, güng'n bäten schrägelbeinig un deswegen harden's em tau'n Soldatenspälen utschaten.
  • He hett dat doch schafft Otthinrich Müller-Ramelsloh "Denn löppt Di mit eis dat Schipp ut't Rauder! Jo is dat!" seggt Klaas, de ol Stüermann und sleit de Piep ut. "Du mötst dat jo weeten, Du büßt je 'nen oIen Fohrensmann", antert dei Stutenbäcker Paul. "Jo", füng nu Klaas wedder an, "dat hett männig Ursak: Dor kann de Rauderass afbroken sien, orrer de Rauderhack, de Kocker, orrer süß wat!"
  • Dree Nümscher (Fortsetzung) Carl Risch Nu äwerst to di, Heiner. Nah di hew ick Hans Heinrich Spethmann ut de Heid, den' Isenbahner, Heiner döfft. Heinrich Bruhn is buren an'n 16. April 1895 in Grieben, folIen den 7. Oktober 1916 (eenen Dag vör minen Geburtsdag) as Vizefeldwebel (Offiziersanwärter) bi Sally (Gehöft Nerval) Somme-Schlacht. Heinrich was eenen Bursähn. Wat was he süss för eenen Minschen und wat bedüd uns Fründschaft för mi?
  • Secunda der Realschule 1914 [Foto] Paul Kahler, Werner Studt, Willi Greve, Kurt Trappe, unbekannt, Otto WestphaI. Die beiden im Hintergrund unbekannt.
  • Kommers der Wallonia November 1913 [Foto] Heinrich Brincker, Paul Kähler, Carl Risch, Alfred Rentzow, Carl Praeve, Hans Maaß, Ernst Licht, Ernst Möller, Alfred Fick, Peter Heitmann, Heinrich Bruhn, Willi Siebenmark, Willi Greve, Willi Ladendorf, Otto Westphal
  • Carl v. Pentz übertrug polnische Literatur ins Plattdeutsche Gerhard Böhmer Übersetzungen aus dem Polnischen ins Hochdeutsche gibt es die Fülle; Übersetzungen ins Plattdeutsche sind eine Rarität, zumal wenn sie mit dichterischer Einfühlung zu erlebnisstarken Nachdichtungen wurden. Der Verfasser derselben, Carl von Pentz, ist eine liebenswürdige profilierte Dichterpersönlichkeit gewesen, die das Reutersche Platt um viele hochwertige Dichtungen bereichert hat. Auf einer Tagung der Rhabanus-Maurus-Akademie zu Köln am 4. November 1961wurde die Gesellschaft "Amici Poloniae" gegründet und Carl von Pentz zu ihrem Ehrenpräsidenten gewählt.
  • De Meckelbörger an de Nordsee [Gedicht] Friedrich Bauer De Nordsee, de is ümmer dit un dat, / Bald is se dor, bald heit sei "Watt", / Mi is dat gor nich klor: / Is se dor, so heit dat "Flut" ;
  • Bevensen-Tagung 1973 Wolfgang Lindow Zum 26. Mal trafen sich niederdeutsche Dichter, Wissenschaftler und Freunde der Sprache in Bevensen. Die Tagung war bewußt akzentuiert worden und sollte den Anstoß geben, das Gespräch zwischen den verschiedenen Institutionen und Teilnehmergruppen zu beleben. War es der Reiz des Programms, waren es die bekannten Namen der Preisträger, war es die plattdeutsch abgefaßte Einladung oder war es nur eine gesunde Neugier, die so viele Teilnehmer zusammenführten?
  • Dr. Walter Lehmbecker 75 Jahre! Als unser kürzlich heimgegangener Oberstudiendirektor a. D. Piehler sich schon vor Jahren nach einem geeigneten Mitarbeiter umsah, der ihn bei der Herausgabe und Schriftleitung unserer Zeitschrift gleichgesinnt entlasten könnte, fand er ihn nur außerhalb unserer eigenen Reihen in dem ihm kollegial verbundenen und nicht minder in seiner mecklenburgischen Heimat verwurzelten und aus ihr heraus schaffenden Dr. Walter Lehmbecker.
  • Trauerfeier für Oberstudiendirektor a. D. Gustav Heinrich Piehier In der Kapelle des Stadtfriedhofes zu Göttingen hatten sich am 24. Juli 1973 zahlreiche Trauergäste eingefunden, um Abschied zu nehmen von unserem am 18. Juli verstorbenen Gustav Heinrich PiehIer. Neben namhaften Vertretern unserer Carolinerschaft waren Bundesbrüder der studentischen Verbindung des Verewigten und der 1. Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Mecklenburg, Karl Werner Flint, erschienen.
  • Klassenbild der Unter- und Oberprima des Gymnasium Carolinum in Neustrelitz vom 2. September 1910 zur 40jährigen Sedan-Feier. Schmidt, Walter (Kaufmann Neustrelitz), Grobbecker, Richard (stud. phil. gefallen), von Drabich-Waechter, Hoffmann, Karl-Friedrich (Pastor und Anstaltsdirektor in Fürstenwalde, gestorben nach 1945), Willi Cordua (Offizier und später Weinhändler in Rostock +), Schultze, Richard (Arzt in Fürstenwalde), Heinrichs, Karl (stud. phil. gefallen), Hardow, Wilhelm (stud. rer. Nat. Jena gestorben 1913) Simon, Hans (Studienrat a. D. in Lübeck), Runge, Hans (Professor Dr. med. Gynäkologe gestorben in Heidelberg 1969), von Nostitz, Wesemann, Hans + (Studienrat Neustrelitz), Hörich, (stud. med. gefallen), Hahn, Helmuth (Bankbeamter), Büttner(?), von Arnswaldt (Forstmeister) Müller, Kurt (Bankdirektor, gestorben 1972), Ohle, Hans (Studienrat in Neustrelitz, gestorben 1972), Mattheus, Richard (Zeitungswissenschaft und Journalistik t 1962), Seiler, Franz (Oberstabsarzt im 2 . Weltkrieg gefallen), Rechlin, Karl-Ferdinand (Propst), Hirchert (Mirow), Krüger, Otto (Studienrat in Neustrelitz, gefallen im 2. Weltkrieg), Recke, Hans (cand. phil., gestorben 1918), Schmidt, Siegfried (stud. med., gefallen) Radloff, Erich (Propst), Burchhardt, Hans (Buchhändler), von Harling, Neckei, Walter (Rechtsanwalt in Neubrandenburg, gestorben in russischer Kriegsgefangenschaft), Busch, Hans (stud. med., gefallen). Zanzig, Bernhard (Arzt), Kelling, Otto (stud. rer. nat.; gefallen); Becker, Ulrich (Kaufmann, verstorben 1967 in Dortmund).
  • Abiturienten-Jahrgang 1923 des humanistischen Zweiges unseres Carolinum [Foto] Heinz Lindstaedt, Anneliese Martens, Elly Schröder, Karl Heinz Bull, Arno Fielitz