1970 Herbst

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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(36.) 34. Jahrgang Nr. 56-57

Inhaltsverzeichnis
  • Epigonen [Gedicht] G. H. Piehler Epigonen sind wir. / Wer ist nicht Epigone? / Müssen wir deshalb / geringer sein?
  • Herzog Carl (1794-1816), der Gründer des Carolinums Gustav H. Piehler
  • Die Namen derjenigen Schüler, die im 1. Jahre, 1795, unsere Schule besucht haben Adolf Friedrich Heinrich Schröder, Sohn des hier verstorbenen Cammer-Secretair Schröders. Christoph Voß, Sohn eines hiesigen Krämers. (insgesamt 49 Namen)
  • Wissenschaft und Ethik Hermann Brunswig Wissenschaft ist heute zur Grundlage unseres Lebens, ja unseres gesamten Lebensverständnisses geworden. Insbesondere die Naturwissenschaft, zur Zeit fast als maßgebende angesehen, bestimmt mit der technischen Anwendung ihrer Ergebnisse geradezu unser Schicksal. Hat sie doch all unser Denken und Führen, ja unser ganzes Dasein völlig gewandelt und uns damit vor die zentrale Frage gestellt nach der Beziehung zwischen Wissenschaft und Ethik, die Frage, die ja das Problem aller Wissenschaft von heute begreift.
  • Text und Erklärung zum Briefe Heinrich Schliemanns aus Paris vom 18. Februar 1869 William G. Niederland Dieser im Original in meinem Besitze befindliche Brief Schliemanns aus Paris, der vor gerade 101 Jahren an seinen Vetter Adolph, den damaligen Reichsgerichtsrat - ursprünglich aus Kalkhorst (Mecklenburg) stammend - gerichtet ist, ist aus mehreren Gründen von besonderem Interesse.
  • Brief Heinrich Schliemanns aus St. Petersburg vom 21. Oktober 1854 Ernst August Petrowsky Liebe Schwester! Euren lieben Brief vom 1. September erhielt ich. Das Geld, was ich Euch halbjährig sende, sind die Zinsen Eures bei mir stehenden kleinen Vermögens von 2000 Ry, für Jede von Euch, und es ist daher lächerlich, daß Ihr mir jedesmal Dankbriefe schreibt, denn daß ich Euch Eure Zinsen sende, ist ja nicht mehr als meine Schuldigkeit.
  • Aus der "Antigone" des Sophokles. - Quinque variationes in laudem insulae Langeoog Walter Sauter Glückselige, welche des Leides nie gekostet! / Doch wo Gott ein Haus mit des Zornes Sturm schlägt, / wälzt sich Graun auf Graun über Kinder und Kindeskinder.
  • Abend auf Raab G. H. Piehler Eine Goldorange hängt am Himmel / der volle Mond. / Des Tages reifes Glühn / durchwirkt die Luft, / von nächtgen Pinien strömt / der Duft / betörend aus.
  • Dr. Bernhard Funk - ein Mecklenburger in der Südsee Bernd Funck Vor etwa 95 Jahren betrat das schillernde Zauberreich der Südseeinseln ein deutscher Mann - ein Mecklenburger, der auch in der Fremde seiner Väter Erde nicht vergaß, und der mit Recht ein aufrechter Vertreter seines Vaterlandes in der Ferne genannt werden kann. Es ist der Regierungsarzt Dr. Bernhard Funk, der lange Jahre auf Samoa wirkte und sich dort in der Hauptstadt Apia, besonders aber unter den Eingeborenen größter Beliebtheit erfreute.
  • November [Gedicht] Fritz Hagemann Nun kniet der graue Tag in blinde Scheiben. / Die Berge vor der Stadt umrast der Wind. / Und große Vögel, die mit Wolken treiben, / Hangen an Himmeln, die im Sterben sind
  • Begegnung in Rom (2) Annalise Wagner Am 29. September kam Fernow in Rom an, also nach sechswöchiger Reise. Seine erste Sorge war, seinen geliebten älteren Freund Carstens aufzusuchen. Er fand seinen Freund zwar nach sechsjähriger Trennung durch seine ernste Kränklichkeit verändert, im geistig-seelischen war er ganz derselbe geblieben.
  • Der alte Student G. H. Piehler; O. Miehler Gebt her das alte Burschenband, / ich will mich heut aufschwingen / ins Schwabenland, ins Frankenland, / zu hohen, hehren Dingen.
  • Die Heilige Schrift Goede Gendrich Es war vor Stralsund, als sie im Dämmer des Abends vor einem Feuer saßen und der Regen ihre Kleider näßte. Seit der Waldsteiner sich geschworen hatte, die Festung zu nehmen, und sei sie gleich mit Ketten dem Himmel verbunden, ließen ihnen die Kaiserlichen nur selten noch Muße, ungestört vor den vier Toren der Stadt zu verweilen. Allein es dünkte sie eine starke Einfalt des kaiserlichen Herzogs, die Stadt zu Lande anzugreifen, selbige doch zur See sechs Tore offenhielt, durch welche die schwedischen Koggen und Briggen genug der Nahrung brachten.
  • Die Luther-Rose Martin Luther gab dem von ihm geschaffenen Wappen 1530 in einem Brief an seinen Freund, den Nürnberger Ratsschreiber Lazarus Spengler folgende Deutung: Weil ihr begehret zu wissen, ob meine Petschaft recht troffen sei, will ich Euch meine ersten Gedanken anzeigen zu guter Gesellschaft, die ich auf meinPetschaft wollte fassen als in ein Merkzeichen meiner Theologie.
  • Der Dichter des Schellmufsky - ein Vorfahr Fritz Reuters Carl Meltz Die 160. Wiederkehr des Geburtstages unseres mecklenburgischen Heimatdichters Fritz Reuter am 7. 11. 1970 sollte die Aufmerksamkeit der Freunde seines Schaffens auch auf die Geschichte seiner Familie lenken. Die Stammfolge Reuter im 1928 erschienenen 1. Band des mecklenburgischen Geschlechterbuches (= Bd 57 des deutschen Geschlechterbuches) endet reichlich schnell bereits beim Urgroßvater des Dichters.
  • Beiträge zum Neustrelitzer Theater (3) Annalise Wagner Blick auf die Franzosenzeit, regionalgeschichtlich gesehen. Stationen tiefster Erniedrigung in der Franzosenzeit waren Jena-Auerstädt, Preußisch-Eylau, Friedland und schließlich der schmachvolle Friede zu Tilsit, der die Spaltung des Vaterlandes brachte und die Menschen links der Eibe dem Französischen Imperium einverleibte und deutsche Fürsten mit ihren Ländern zwang, sich im Rheinbund unter Napoleons Protektorat gegen Preußen und Österreich zu vereinigen, ein Militärkontingent aufzustellen, die Kontinentalsperre über alle Länder verhängte und schließlich seinen Gipfel in dem Krieg gegen Rußland, in dem Marsch nach Moskau erreichte.
  • Vorfrühling [Gedicht] Dorothea Hardt Wieder aus mächtiger Lauer / tritt gelassen / der stolze Gedanke des Schöpfers: / Wisentstier voll Samenpracht.
  • Konrad Eilers, Rostock Waltraud Jacobs Anläßlich des 550jährigen Bestehens der Universität Rostock wurde in dieser Zeitschrift einer Reihe der markantesten Persönlichkeiten, die an der Rostocker Universität wirkten, gedacht. Es erscheint mir angebracht, wenn hier auch der Name eines Mannes erscheint, der im weiteren Sinne starken Anteil am Kulturleben der Stadt Rostock vom Anfang des Jahrhunderts bis zu seinem Tode im Jahre 1961 gehabt hat. Als seine Tochter möchte ich hier kurz über das Leben von Dr. Konrad Eilers in seiner Rostocker Zeit berichten.
  • Über den Ursprung und die Geschichte Malchins (X). Malchin gegen Ende des 14. Jahrhunderts Ulrich Fischer Wenn wir einen Blick zurück auf das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" werfen, zu dem Mecklenburg ja auch seit Heinrich dem Löwen gehörte, so sehen wir Anfang des 14. Jahrhunderts Ludwig den Bayern (1314-1347) auf dem Kaiserthron. Sein Hauptgegner war Papst Johannes XXII., der damals. in Avignon residierte. Ludwig vergrößerte seine Hausmacht, indem er nach dem Aussterben des askanischen Geschlechts das Mecklenburg benachbarte Land Brandenburg seinem Sohne Ludwig 1323 verlieh.
  • Neues aus der Sammlung Hannemann In "mecklenburgischen" Besitz zurückgekehrt sind inzwischen wieder folgende Münzen: Rostock, Breiter Taler 1616 auf die Geburt und Taufe des Prinzen Karl Heinrich, 2. Sohn des Herzogs Johann Albrecht II. (1610-1636), ein ausgesprochen seltenes Stück.
  • Das dynamische Telekolleg und seine bildungspolitische Bedeutung Gerhard Malchow Das seit dem 2. Januar 1967 in Bayern verwirklichte Telekolleg ist eine Kombination von Fernsehen, Fernsehunterricht, Erkenntnissen des programmierten Unterrichts, Erwachsenenbildung und öffentlicher Leistungskontrolle. Es führt zur Fachschulreifeprüfung. Das Telekolleg unterscheidet sich wesentlich vom ebenfalls in Bayern seit über sechs Jahren praktizierten Schulfernsehen, das lediglich den herkömmlichen Schulunterricht ergänzt und bereichert.
  • Die Himmelsschaukel Gerhard Brose Ein Lieblingsaufenthalt des Knaben war die Wiese, die sich hinter dem großelterlichen Obstgarten, dem Achterhof, ins offene Feld hinausdehnte und welche die Kladower "Die Große Wiese" nannten. Hier konnte er lange Stunden sitzen oder liegen - nur in Gesellschaft der Gräser, Blumen, Schmetterlinge, Frösche und Käfer, die eine solche Wiese so bunt und lebendig machen.
  • Ein Brief von Thomas Mann (Chicago, 14. Mai 1946) Lieber Dr. Rosenthal, von meinem Krankenlager, das meistens schon gar kein Lager mehr ist, sondern ein Lehnstuhl, möchte ich Ihnen den ersten schriftlichen Gruß senden, den ich wieder hinausgehen lasse.
  • Schlafender Pan [Gedicht] G. H. Piehler Ein Hauch der Nacht / trifft mein verträumtes Ohr / und zeugt den Odem / keuschen Knabentums,
  • Cimbrische Impressionen Christian A. Bourjau Von seinen geneigten Lesern glaubt der Verfasser mit Recht das Wissen voraussetzen zu können, daß mit der cimbrischen Halbinsel - von der in folgendem ein wenig die Rede sein soll - jener Vorsprung des europäischen Festlandes gemeint ist, den in Deutschland die Landschaften Schleswig und Holstein und im nördlich benachbarten Dänemark der als Jütland bekannte Teil des Königreiches bilden. Das direkt an Dänemark grenzende ehemalige Herzogtum Schleswig erstreckte sich ursprünglich vom Grenzfluß Königsau im Norden bis zur Eider, was etwa der Linie Friedrichstadt-Rendsburg-Kiel entspricht.
  • Ontologie H. E. Schäfer So gleitet das Schiff der Menschheit im Meere / unendlicher zeit- und gestaltloser Leere, / reißt es mit scharfem Bug und schäumend
  • Der Kriegsgefangene [Gedicht] Gerhard Brose Der Regen rieselt übers Zeltdach hin, / wir träumen von verlomem Glück. / Was war des mörderischen Krieges Sinn?, / so fragt das Herz gequält zurück
  • Tiere auf einem Havelsee in Mecklenburg belauscht Herbert Klitzing Während meines Einsatzurlaubes zu Weihnachten 1944 ging ich an einem herrlichen Wintertag auf der zugefrorenen Havel zum Schulzensee. Über eine leichte, neue Schneedecke schritt ich fast lautlos wie über einen Teppich dahin. Dort, wo der See in die Havel einmündet, sah ich plötzlich etwa 60 m von mir entfernt einen Fischotter, welcher in der Nähe seines Einsteig- und Atemloches im Eis einen Fisch verzehrte. Sofort nahm ich vorsichtig im dichten Rohrgürtel Deckung und konnte, weil der Wind günstig war, unbemerkt bei freiem Gesichtsfeld von hier aus gut beobachten.
  • Dei Husor kümmt J. Maass In mien Kinnerjohrn käum'n ut Reihn (Rehna) aff un an 'n ganz Haur Schaulkinner bet na Gr.-Ziems (Gr.-Siemz bei Schönberg, Geburtsort des Verfassers) hen. Sei süng'n in dei Hüser un snurdn sick Brot un Getüffl, Appl un Beern, Schauh un all so wat. Dat sull nich wäsen, denn Reihn is Swerinsch un wi sünd Strelitzsch. Un Angst harr'n die arm Kinner vör den Husorn!
  • Zur Entwicklung des Realgymnasiums von 1825-1925 Das Realgymnasium Neustrelitz gehört zu den ältesten Realanstalten Deutschlands. Im Anfange des 19. Jahrhunderts wurde auch in Mecklenburg-Strelitz das Bedürfnis nach einer zweiten Form der höheren Bildung gegenüber dem Humanistischen Gymnasium immer stärker erkannt. Daher wurde von Großherzog Georg im Jahre 1825 angeordnet, daß eine Parallelklasse zur Quarta des Gymnasiums geschaffen werden sollte.
  • Geheimer Regierungsrat Professor Dr. phil. Dr. med. h. c. Hermann Thoms Erich Kassau Hermann Thoms wurde am 20. März 1859 in Neustrelitz geboren und ergriff am 1. 7. 1876 die Apothekerlaufbahn, die er 1884 in Jena mit dem Staatsexamen abschloß. Nach der Promotion in Erlangen 1886 und langjähriger Tätigkeit bei der Fabrik J. D. Riedel in Berlin habilitierte sich Thoms im Jahre 1895 für Pharmazeutische Chemie an der Universität Berlin.
  • Bannenbrück (1) (Plattdütsch literarisch? Warüm hüt noch Plattdütsch?) Carl Hisch Twe Fragen: De irst: Verdröggt sick Plattdütsch mit Literarisch? Wonäben is toirst förrert, dat Nedderdütsch literarisch sin sall? Wenn ihr is de Wetenschap dormank kamen? Dunn, as uns Sprak jung und lütt was, fünn se noch kenen anschlägschen Kopp. De Tid wet nicks von Puken und Püstern.
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • Studienrat Walter Heinrichs + G. H. Piehler Im 80. Lebensjahr ist Studienrat Walter Heinrichs zu Doberan gestorben, der mecklenburgischen Stadt, in welcher er den größten Teil seines Lebens verbrachte, und die er in seiner stillen und allem Äußerlichen widerstrebenden Art am stärksten in sein Herz geschlossen hatte. - Mit 24 Nonanern - zu denen auch ich gehörte - trat er Ostern 1897 in das Gymnasium Carolinum zu Neustrelitz ein.
  • Prof. Dr. Friedrich Scheven 80 Jahre G. H. Piehler Prof. Dr. Friedrich Scheven, Hilden, beging am 14. Juli 1970 im Kreise seiner Familie seinen 80. Geburtstag. Ihm haben die Caroliner ein herzlich gehaltenes Glückwunschschreiben übersandt und ihm den Dank für seine langjährige Mitarbeit am "Carolinum" ausgesprochen. Die Dienste, die er unserer Zeitschrift gewidmet hat, sind nicht nur an Fülle und Wert reich, sondern auch in ihrer Mannigfaltigkeit und peinlichen Wissenschaftlichkeit überragend.
  • Studienrat Ernst Rosenhainer + G. H. Piehler Nun ist auch unser lieber alter Freund und Kollege Studienrat i. R. Ernst Rosenhainer in die jenseitigen Gefilde hinübergegangen. Sein Leben war wahrhaft erfüllt, wie es auf der Traueranzeige heißt. Er ist im 86. Lebensjahre in Stuttgart am 18. Juli verschieden und hinterläßt neben seiner stets treusorgenden Gattin vier Kinder und fünf Enkelkinder.
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • Verschiedenes
  • Up de Chaussee nah Meckelborg [Gedicht] Meinhild Voth-Horstmann So dicht vör de Dör / un doch nich tau Hus. / De Slagboom liggt oewer de Straten.
  • Schilfdroom [Gedicht] Meinhild Voth-Horstmann Gedanken as Slangen / krupen dörch mien'n Kopp, / ahn Tögei, ahn Stock, / ringeln dat Liew in Verlangen.