1970 Frühling

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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(36.) 34. Jahrgang Nr. 54-55

Inhaltsverzeichnis
  • Begegnung in Rom (I) Annalise Wagner Am 13. 11. 1765 reiste eine "Karawane" nach Rom, wie sich der Kunsthistoriker Carl Justi darüber in seinem 3. Band Seite 340 "Winckelmann und seine Zeitgenossen" ausdrückte. Diese Karawane scharte sich um den Prinzen Georg August von Meckl. Strelitz (1748-1785), einen kaiserl. österr. Offizier, der als Graf Stargardt incognito nach Rom reiste. Prinz Georg Aug. war der jüngste Bruder von Ad. Friedrich IV. (Dörchläuchting) und wie dieser von Gottl. Burchard Genzmer erzogen worden.
  • Chronik der Stadt Burg Stargard und ihrer Gemarkung im Rahmen der Landesgeschichte VIII (k) Regeneration der Schlesischen Armee Blüchers, Vormarsch über die Aisne P. Steinmann Wider Erwarten nutzte Napoleon seine glänzenden Siege über Blüchers Armee (10.-14. Februar 1814) nicht aus. Er beschloß vielmehr am Abend des 14., sich gegen Schwarzenbergs Hauptarmee zu wenden. "Dies Verfahren des Kaisers ist von der militärischen Kritik vielfach getadelt worden. Man hat gemeint, daß reichere Früchte für ihn zu pflücken gewesen wären, wenn er Blücher an der Klinge geblieben und diesen, seinen gefährlichsten Gegner, vollständig zertrümmert nach Lothringen zurückgeworfen hätte.
  • Die beiden Reiter [Gedicht] G. H. Piehler Zwei stürmende Rosse / jagen durch Brache und Feld. / Was ist's, / das die Reiter zusammenhält, / die feurige Fratze, / das beinerne Haupt?
  • Die Brüder Boll als Freunde von Fritz Reuter (III) Friedrich Scheven Der Einfluß der Brüder Boll auf das literarische Schaffen von Fritz Reuter. Was bedeutel, so soll endlich noch gefragt werden, die Freundschaft mit den Brüdern Boll für das dichterische Schaffen von Fritz Reuter? In den uns vorliegenden Briefen werden literarische Fragen verhältnismäßig selten gestreift. Es sind meistens nur kurze Hinweise auf die Arbeiten, mit denen Reuter gerade beschäftigt ist, die uns hier begegnen.
  • Der Publizist und sein Widerpart - ein Silvester-Punschtraum Hermann Brunswig Silvesternacht ist die Geisternacht der Rechenschaft über sich selber; zwischen Zwölf und Eins schaut jeder ins Glas, schöpft aus ihm Anerkennung für und Befriedigung über sich selber heraus. Auch der Publizist folgt diesem sympathischen uralten Brauch. Jeder Mensch hat einen Größenwahn, seine hochgestochene Meinung von sich selber, die sich bei Pfannekuchen und Punsch heiter und harmlos ergeht.
  • Träume [Gedicht] G. H. Piehler Kennst du die Nacht, / die in ein Meer / von Träumen sich ergießt, / dich zu den Sternen hebt / und in die Tiefen reißt?
  • Beiträge zum Neustrelitzer Theater (2) Annalise Wagner Das Hoftheater bis zum Jahr 1794. Die großen Pioniere des Deutschen Theaters waren inzwischen gestorben. Im Jahre 1760 die Neuberin, 1777 Konrad Eckhof, dem die Gründung der 1. Akademie für Schauspieler in Schwerin zu verdanken ist. "Das Theater der Aufklärung und der literarischen Revolution" ist in Blüte, es entwickelt sich der Gedanke eines deutschen Theaters und es beginnen die Klassiker die deutsche Bühne zu erobern. Im Jahre 1782 werden in Mannheim Schillers Räuber uraufgeführt.
  • Das liebende Mädchen [Lied] G. H. Piehler Willst du immer mit den andern, / willst du niemals mit mir gehn? / Willst du niemals mit mir wandern, wo die blauen Blüten stehn?
  • Über mecklenburgische Münzen Hans Fründt Zwei Weltkriege mit ihren verheerenden Folgen haben überall große Lücken gerissen. Auch die Numismatik mußte unersetzbare Verluste in Kauf nehmen, so erlitt auch die an und für sich schon kleine Anzahl erhalten gebliebener alter mecklenburgischer Münzen schwere Einbußen, so daß es ratsam erscheint, einmal einen Blick auf die Münzen mecklenburgischer Prägung zu werfen. Als Leitfaden soll hierbei der alte Taler dienen.
  • Das Mecklenburg-Strelitzsche Distrikthusaren-Korps Paul Steinmann In seiner, 1933 im Verlag der Buchdruckerei Wagner, Neustrelitz, erschienenen, aufschlußreichen Broschüre: "Neustrelitz vor 50 Jahren. Jugenderinnerungen", schrieb unser, von allen alten Carolinern hochverehrter Lehrer Karl Nahmmacher: "Die ganze Polizei des Landes bestand aus einigen berittenen 'Husaren', die wirklich noch die alte Mecklenburger Husarenuniform trugen, und Fußgendarmen. Daher das beliebte Jungsspiel: 'Husar und Fotschandor'. Aus meiner ländlichen Jugendzeit erinnere ich mich noch des gewaltigen Eindrucks, den das Auftauchen eines Husaren auf dem Lande, auch bei den Erwachsenen, machte. Er war eine wirkliche Respektsperson".
  • Abend [Gedicht] Fritz Hagemann In meine Fenster rinnt der Abend. Wieder / Zerfällt das Licht. Und alle Dinge gehen / Farblos hinab. Es trägt des Windes Wehn / Aus dem Gebüsch zu mir den Duft von Flieder.
  • Vier Städte. Eine Anregung zur Namensdeutung und Frühgeschichte Georg Tessin Unsere Nachbarstadt Lübeck - Schleswig und Schwerin - Wismar. Im Winkel zwischen Trave und Schwartau lag Alt-Lübeck. Es besteht nach den Ausgrabungen kein Zweifel, daß es sich um einen wendischen Ort handelt. Und dieser wendische Ort hat nach Adam von Bremen bereits Liubice geheißen.
  • Einheit von Raum und Zeit H. D. Schäfer Zuweilen weht ein Hauch Vergangenheit / uns an, und was in längstvergangner Zeit / uns lieb und teuer war, was einst geschah, / wird gegenwärtig fast und greifbar nah.
  • Ernst Meyer: Heinrich Schliemann, Kaufmann und Forscher Gustav H. Piehler Das Schicksal hat diese beiden Männer zueinandergeführt: Heinrich Schliemann, den Troja-Entdecker und berühmtesten Schüler des Carolinums, und den Gymnasiallehrer Dr. Ernst Meyer. Dieser, aus dem Odenwald stammend, wurde schon 1919 nach dem kleinen Mecklenburg-Strelitz an das Gymnasium Carolinum in Neustrelitz verschlagen und war nicht nur ein tüchtiger Altphilologe, sondern hatte auch Kunstgeschichte und Archäologie studiert, so daß er auf dem Carolinum bald fakultativ Kunstgeschichte für die Schüler der oberen Klassen der beiden Gymnasialzweige einführte und außerdem öffentliche Vorträge über verschiedene Kunstgebiete hielt.
  • Egloffstein [Gedicht] Fritz Hagemann Die Amsel sang in erster Früh, und Quellen / Von allen Bergen murmeln sonder Zahl / Daß satte Wiesen ihr Gewand erhellen. / Die Trubach eilt und rauscht in ihrem Tal.
  • Ein mecklenburgischer Pionier im Tal des Sacramento Ruth Panthel-Cordua In Heft 36 (1962/63) ist von den Lebensschicksalen des aus Raden bei Teterow gebürtigen Theodor Cordua erzählt, der, nachdem er sich in den verschiedensten Teilen der Welt als Kaufmann umgetan hatte, sich als einer der ersten Siedler im Tal des Sacramento niederließ, dem Gebiet, auf dem heute San Franzisko steht. Es wird hier berichtet, daß die Lebenserinnerungen, die Cordua nach seiner Rückkehr in die alte Heimat in Güstrow verfaßte, und die im Besitz der Familie geblieben waren, um 1925 von einem amerikanischen Professor zur Veröffentlichung nach Amerika mitgenommen wurden und seitdem verschollen sind.
  • Straubinger Lied Egon Tschirch Vor langen Jahren zog ich fort, / Fort von der Stadt am Meer - / Voll Unruh' ging's von Ort zu Ort / Die Sehnsucht vor mir her
  • Zur Rostocker Jubiläumsfeier in Kiel
  • Detlev v. Stechow P. Vor kurzem ist Name und Bild des grausamen Henkers Freisler wieder in der Presse erschienen. Dies ist ein Anlaß zum Gedenken unseres Abiturienten Hans Jürgen Graf Blumenthat der am 13. Oktober 1944 in Plötzensee von den Schergen des mit Fluch beladenen Mannes hingerichtet wurde.
  • Das Ende des von Wilhelm von Humboldt geschaffenen Gymnasiums? G. H. Piehler Aus der Presse erfahren wir, daß das Land Hessen die Einführung der sogenannten "Gesamtschule" als Regelschule gesetzlich beschlossen hat. Damit ist die geistvolle Schöpfung Wilhelm von Humboldts endgültig ad acta gelegt. Gewiß erfordert eine neue Zeit die Angleichung an die Entwicklung auch in der Schule. Aber ist das nicht schon längst der Fall?
  • Nachruf für Dr. Bruno Hollmann Walter Lehmbecker Es wäre undankbar, am Ende des Jahres nicht eines bedeutenden Erforschers der mecklenburgischen Vor- und Frühgeschichte zu gedenken, den der Tod am 28. September aus unseren Reihen riß: Dr. Bruno Hollmann. Er war am 9. 5. 1895 in Rostock geboren, schlug nach dem Studium der alten Sprachen und der Geschichte die pädagogische Laufbahn ein und war von 1924 bis 1945 Studienrat am Gymnasium Fridericianum in Schwerin.
  • Wilhelm Cordua + Gustav H. Piehler Unser lieber WiIheIm Cordua ist am 6. Dezember 1969 in Rostock für immer von uns geschieden, dieser treueste aller Treuen. Sein ganzes Leben, auch nach dem frühen Verlust seiner geliebten Frau, war ein stetes Geben an die Familie, an die Kinder und Kindeskinder, aber auch an seine Freunde und seine Mitmenschen. Es ging ein Leuchten von ihm aus.
  • Aus: Die Deutsche Sprachgemeinschaft Hansgeorg Loebe Erst Wilhelm von Humboldt adelt das Deutsche zur Bildungssprache. Sprache ist für ihn nicht nur Form, sondern auch formende Kraft. Sie ist "Ausdruck der Ideen eines Volkes" und auch "die gesamte geistige Energie desselben, gleichsam durch ein Wunder in gewisse Töne gebannt".
  • Mecklenburg zur Wendenzeit - im Lichte der neueren Forschung Der Ref. Dr. Manfred Hamann führte auf der alljährlichen Kulturtagung der Mecklenburger 1969 in Bevensen aus, er sei eigentlich gebeten, über neuere Forschungen zur mecklenburgischen Geschichte zu berichten; als Anschluß an Ausführungen über dieses Thema vor zwei Jahren an der gleichen Stelle.
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • Woldegker Erinnerungen Karl Rieck In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts soll mündlicher Überlieferung zu Folge ein Lange aus Sachsen als Webergeselle nach Woldegk, einer "kleinen, aber ungebildeten Stadt" Mecklenburgs, wie unser Landsmann Fritz Reuter sagt, eingewandert sein und sich dort als Webermeister niedergelassen haben. Zu seinen Nachkommen - über verschiedene mütterliche Verzweigungen hinweg - gehöre auch ich.
  • Ut ollen Tiden - Ein Rückblick auf die Geschichte meiner engeren Heimat und meiner Familie (II/III) Gerhard Reinhold Wenn ick in uns' Landsmannschaft 'ne Rääd hallen do, denn fang ick an mit de Wüür "Leewe Landslüd" un nich "Leiwe Landslüd". Denn weet jede olle Meckelbörger all, dat ick nich ut "Land ein" kam. Mien Weeg - also nich mien Weig - stünn in de Osteck von uns' Heimatland, in Niegenstrelitz.
  • Kulturgeschichtlich interessante Anzeigen aus dem 18. Jahrhundert in den "Neuen Strelitzschen Anzeigen" Annalise Wagner Die Schulhalterin Flotowen in Neustrelitz wünschet einige Kinder zum Unterricht im Stricken, Nähen, Zeichnen, Blumen machen, auch in aller feinen Frauenzimmer-Arbeit, zu erhalten. Sie hat sich zu solchem Ende dem Publikum hiedurch bestens empfohlen.
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • 725 Jahre Friedland 1244-1969 P. Die Stadt Friedland in Mecklenburg-Strelitz wurde im Jahre 1244 unter dem Namen "Vredeland" von den Markgrafen Johann I. und Otto III. gegründet. Trotz vieler Kriege und Brände sind noch aus der alten Zeit erhalten geblieben zwei Stadttore, ein Fangelturm und sogenannte Wiekhäuser, die wie in Neubrandenburg am Rand der Stadt standen.
  • Weggefährten [Gedicht] G. H. Piehler Immer begleiten dich Götter, / stumm und ungekannt, / nahen und weichen und nahen / verschwiegener Seele Land.
  • Ernst Moritz Arndt 1769-1969 Am 26. Dezember 1769 erblickte Ernst Moritz Arndt in Groß-Schoritz auf Rügen das Licht der Welt. Die Voreltern waren noch Leibeigene, dagegen genoß sein Vater schon eine recht gute Ausbildung, wurde aus der Leibeigenschaft entlassen und vom Grafen von Putbus in Groß-Schoritz als Verwalter seiner dort liegenden Güter eingesetzt.
  • Worte aus "Peter Bamm, Alexander oder die Verwandlung der Welt" Burckhardt sagt: "Ohne Alexander wüßten wir wenig von den Griechen, und das wenige würden wir zu wissen nicht begehren."
  • Zur Erinnerung an die Tanzstunde bei Minnie Lamprecht vorm Schützenhaus in Neustrelitz (1919) [Foto] Wolfgang Petersen, Anneliese Winkler, Elisabeth Lehmann, Rosenthal, Karl Blank, Walter Blanck, Irene Schröder, Hoppe, Hilde Elßel, Lühr, Willert, Eva Fritze, Angela Magnus, Behmke, Hedwig Drücker, Stutz, Helene Müller, Hilde Schulz, Anneliese Reuter, G. Klix, Kausch, Annemarie Wilcke, Lehmann, Maaß, Warmke, Hertha Bohl, M. Dobberlin, Lieselatte Fröhlich, Otto Sickert, Käte Brinckmann, Willert, Fritz Prien, Warnecke, Elle Brinckmann, Krüger, Margot Michaels, Dahms, Heitmann, Gloth, Lene Raemisch, Micke Roloff, Wally Runge, Max Wilke, Grete Gielow, Thalmann, Gertrud Pleß, Wischmann, H. Warnecke, Walter Blank, Gertrud Kähler, Rosenthal, Else Rugenstein, Kienlein, Ch. Pustier, Else Zabel, Hans Brinckmann, E. Steinf, Granzow, Werner Maaß, Brinkmann, Krüger, G. Karsten, L. Schröder, Hans Witt, Lene Maß, Erika Brusch, Weidinger, Lene Prien, Hertha Hahn, Minnie Lamprecht, Eva Hauptmann, Will, Lisa Winkler, Arno Fielitz, J. Hagemann, Otto Bohl, Marga Kaumann, Ch. Potschatka.