1968/1969 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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(34.) 31. Jahrgang Nr. 51

Inhaltsverzeichnis
  • Nachrichten aus der Familie Otto Runges (I) Bernd Funck Neben Caspar David Friedrich steht noch ein zweiter großer mecklenburgischer Name in der deutschen Romantik, den wir mit Stolz und Ehrfurcht aussprechen: Philipp Otto Runge. Ein gewaltiges Werk, das ihn das Schicksal nicht hat vollenden lassen, steht vor uns, und wir sind ergriffen von den von psychologischer Tiefe und Individualität durchdrungenen menschlichen Darstellungen des Meisters. Vergessen und überwunden sind hier der Formalismus und die Unnahbarkeit des 18. Jahrhunderts. Bei Runge sehen wir Alltag, sehen wir den Menschen ohne Maske, hier feiert wiederum das allgemein-menschlich Intime seine Triumphe.
  • Der Aufstand der Jugend Hermann Brunswig "Die heutige Jugend ist krank, entnervt, entartet. Sie hat keinen Glauben, kein Ziel, keine Interessen. Sie ist verseucht und geht im Wahnsinn zu Grunde." Unamuno, als er die Rektorwürde von Salamanca niederlegte. Zwei Weltkriege haben gezeigt, daß die Jugend aller Länder zu sterben verstand. Wie kommt es, daß die Jugend von heute nicht mehr zu leben versteht?
  • Das Wort [Gedicht] G. H. Piehler Wie schwer die Last / auf meinem Herzen ruht, / ich gab mein Wort / und hab es nicht gehalten; / und könnt' mein Schwert / die Erde spalten, / die Scham / treibt's nicht aus meinem Blut.
  • Conrad Ferdinand Meyer - Eine tiefenpsychologische Studie William G. Niederland Der Genius zählt zu den großen Geheimnissen des Menschentums", schrieb Rudolf K. Goldschmit-Jentner noch im Jahre 1954, "alle Bemühungen, sein Wesen zu ergründen ... alle Versuche, das Geheimnis seines Seins lebensgesetzlich zu erfassen, sind zum Scheitern verurteilt". Wenn auch diese in toto recht pessimistisch anmutende Einstellung gegenüber jedem wissenschaftlichen Versuch, das Phänomen des literarischen, und künstlerischen Schaffens eines geistig tätigen Menschen zu durchforschen, auch heute noch das biographisch-historische Blickfeld weitgehend beherrscht, ja nach meiner Ansicht sogar verschattet, so haben doch bereits die ersten bahnbrechenden Studien auf dem Gebiete der Psychoanalyse gezeigt, daß es innerhalb gewisser Grenzen möglich ist - wie Sigmund Freud es 1933 ausgedrückt hat - "die Motive, die ein Genie geweckt haben und welcher Stoff ihm vom Schicksal aufgetragen wurde" darzutun und vom Untergrund des Seelischen her zu untersuchen.
  • Winter [Gedicht] G. H. Piehler In der nächt'gen Stille / schreit' ich durch den Schnee. / Leise, / ach, wie leise nur / tritt mein Fuß / den weißen Sammet.
  • Das Schweigen [Lied] G. H. Piehler; H. Borlisch Das Schweigen wohnt / in dem kühlem Rund / der nächtlich kristallnen Schale. / In feucht erschimmerndem Strahle / tun Sterne / ihre Weisen kund.
  • Über Ursprung und Geschichte Malchins (VIII), Malchin in der Mitte des 14. Jahrhunderts Ulrich Fischer Deutscher Kaiser war von 1347 bis 1378 Karl IV. von Böhmen aus dem Hause Luxemburg, "der gelehrteste der deutschen Kaiser, der fünf Sprachen sprach". 1348 stiftete er die Universität Prag, die erste im Deutschen Reich. 1356 legte er durch "die goldene Bulle" die Regeln der Kaiserwahl fest. Dies sei erwähnt, um eine gedankliche Verbindung mit der bekannteren deutschen Geschichte herzustellen und um eine zeitliche Einreihung zu ermöglichen.
  • Unsere Mecklenburgischen Kleinstädte Friedrich Griese Als ich mit dem einen von meinen beiden noch lebenden Schulfreunden aus unserer Dorfzeit, der seit 1946 in einem Ort am Taunus wohnt, zum erstenmal in Ratzeburg zusammentraf, sagte er, es gehe ihm mit unserer Stadt Penzlin wie mit der untergegangenen Stadt Vineta, von der unser alter Lehrer Peters erzählt habe. Nach mehr als vierzig Jahren sahen wir uns wieder, sprachen von so vielem aus der damaligen Zeit, nun kam ihm diese Erinnerung, und war es nicht so?
  • Frühherbst im Erlanger Schloßgarten [Gedicht] Fritz Hagemann Nun geh noch einmal in den stillen Park, / Bevor die Blätter dir zu Füßen sinken. / Du findest viel. Im Laube bunt und stark / Ist Zauber. Vögel aus dem Brunnen trinken,
  • Vor hundert Jahren wurde der Mecklenburg-Schwerinsche Landeslehrerverein gegründet Walter Burmeister "Die Welt" brachte am 26. Februar 1960 einen Aufsatz von Walter Görlitz zu dem Thema: "Zu lange war der Volksschullehrer mißachtet". In diesem Artikel zitiert der Verfasser wiederholt Formulierungen aus einem Beitrag von Dr. Thomas Ellwein, den dieser in der evangelischen Zeitschrift "Zeitwende" unter dem Titel "Der Volksschullehrer in der modernen Gesellschaft" veröffentlicht hatte. Ellwein stellt fest: "Seit hundert Jahren gibt es so etwas wie eine Emanzipationsbewegung der deutschen Lehrer."
  • Eine Nacht [Gedicht] Dorothea Hardt Auge einer dunklen Tanne / schweigst du, Mond. / Ich lausche in deine Stille - / über den silbernen See / fliegt ein weißer Schwan,
  • Ein Streifzug durch Pommerns Mundarten (IV) Gerhard Brose Wo dat koame is, dat Regemünn-Stadt unnergoahe is. - Sünd all vääl Joahr hä, doa is ais ai Keerl koame i Rauw mi'm schwarte Hund. Hai wull geern waite, wo wiet as dat noch weer bet Regemünn-Stadt. Oawer dai Lüer säre em, dat dai Weg gefährlich was, dat dat Woater so hoch stoahe däär un dat hai noch ain Stunn tau lopen harr bet Regemünn-Stadt.
  • Allerseelentag [Gedicht] Erna Blaas Drüben wartet der Fährmann. / Schlag an die Glocke, / obgleich sie / wie ein verrosteter Stahlhelm aussieht! / Er hört ihren Anruf / ,hol über - hol über'!
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • Uns´ plattdütsche Eck
  • ... und harr so fixe Been [Gedicht] Goede Genrich Denkst du noch an de Tied, Marie? - / Noch wiern wi lütt und dumm / und lepen oft de Dörpstroat lang / fix üm de Kerk herum. / Wi spälten up den Kerkhoff beid, / as wier't 'n Gorden bloß.
  • Nach dem Fest [Gedicht] C. R. De Regen schlöggt ant Finster / Und buten nicks to sehn. / Verbläugt is langen de Ginster - / Nu bün ick ganz alleen.
  • Läuschen von Fite Kreigenboom Fite Kreigenboom hett afmunstert un is nu Taxischofför worrn. Hei höllt mit sinen Wagen dicht an den Hauptbahnhoff. Dor kümmt 'n jung'n Mann tau em ran: "Ach, 'tschülligen Sei, woans kam ik na dat Stadttheater?" - Fite kickt den jungen Mann streng in de Ogen un bört den Wiesfinger hoch, as wenn hei em vermahnen will: "Öven, jung Mann, ümmer öven, flitig öven, öven!" seggt Fite Kreigenboom indringlich.
  • Studienrätin Käte Bröker + Als ich vom Herausgeber des Carolinum aufgefordert wurde, einen Nachruf für die im 80. Lebensjahr gestorbene Studienrätin Käthe Bröker zu schreiben, wollte ich ein Bild der bedeutenden Lehrerin aus der Sicht der Lernenden geben. Ich begann eine ausgedehnte Korrespondenz. Einer der Briefe, die ich erhielt, scheint mir im Namen vieler zu sprechen. Ich darf ihn, mit Erlaubnis der Schreiberin, wörtlich wiedergeben.
  • Sanitätsrat Dr. med. Hans Westphal, Feldberg + Am 28. September 1968 hat unser Caroliner Dr. Hans Westphal, Feldberg, seine Augen für immer geschlossen. Mit großer, aufrichtiger Trauer stehen wir in unseren Gedanken am Grabe dieses treuen Freundes und Kameraden, den vornehmer Charakter und unermüdliche Pflichterfüllung bis zu seinem Lebensende auszeichneten.
  • Das 5. Marburger Treffen Aus dem Referat unseres 1. Vorsitzenden, Landessozialgerichtsrat Peter Heitmann: Liebe Caroliner! Zwölf Jahre sind vergangen, seitdem wir uns hier in Marburg in unvergeßlichen Stunden der Wiedersehensfreude, aber auch in gedankentiefer Andacht und Rückbesinnung erstmalig zusammengefunden hatten. Caroliner der jüngsten Generation waren es, die den Impuls dazu gaben. Sie suchten - wohl mehr oder weniger bewußt - die Gemeinschaft wieder, aus der sie, zum Teil noch als Schüler, durch den Krieg und seine Folgen herausgerissen wurden, eine Gemeinschaft, deren Werte sie in Zeiten bittersten und oft einsamsten Existenzkampfes zu begreifen gelernt hatten.
  • Laudatio zur Verleihung des Meckl. Kulturpreises 1968 an Gustav H. Piehler Die Verleihung des Meckl. Kulturpreises 1968 an den Herausgeber des "Carolinum" erfüllt die Caroliner ebenso wie alle interessierten Mecklenburger in der Heimat, in der Bundesrepublik und in der ganzen Welt mit aufrichtiger Freude. Wir gratulieren Ihnen, lieber Herr Direktor Piehler, zu dieser hohen Ehrung und wohlverdienten Anerkennung Ihrer unermüdlichen, hingebungsvollen Arbeit und wir wünschen und hoffen, daß Sie diese so verdienstvolle Betätigung noch recht lange ausüben können.
  • Vermischte Beiträge
  • Lyzeum in Neustrelitz etwa 1908/09 [Foto] Irmgard v. d. Decken, Hedwig Holtz, Else Kusche, Grete Ewers, Alma Simon, Johanna Hamann, Grete Schmidt, Käte Reinhold, Frieda Holland, Lisbeth Hinrichs, Erna Stegemann, Else Wesemann, Annemarie Bennewitz, Grete Neckel, Rat Praefcke, Grete Schwiesselmann, Latte Saß, Marie Fink(?), Elsa Reissmann (Kalander), Gertrud Bergmann, Dora Burkhard, Agnes Göbel, Angela Kalkschmidt, Else Fründt, Marie Tomasini, Anneliese Seyberlich.