1967/1968 Winter

Carolinum
Historisch-literarische Zeitschrift

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(33.) 30. Jahrgang Nr. 48

Inhaltsverzeichnis
  • Humboldt und wir. Zum 200. Geburtstag von Wilhelm Humboldt (22. Juni 1967) Hellmut Diwald Als Humboldt, 22 Jahre alt, 1789 sein juristisches Studium in Göttingen beendet hatte, wurde er von seinem alten Erzieher Campe zu einer Reise nach Frankreich eingeladen. Der junge Mann sollte die Gesellschaftsprobleme und politischen Zustände kennenlernen, die damals ganz Europa in Atem hielten. Humboldt aber ließen sie gleichgültig. Er war mit seinen privaten, seelischen Problemen beschäftigt, mit seiner Vereinsamung und Unfähigkeit, eine klare Verbindung zu seiner Umwelt zu finden.
  • Eine Begegnung in Rom. Wilhelm von Humboldt und Prinz Georg von Mecklenburg-Strelitz Kurt Forstreuter Am 22. Juni 1767, vor nunmehr 200 Jahren, begann in Potsdam das Leben Wilhelms von Humboldt, das am 8. April 1835 in Tegel bei Berlin, in dem von Schinkel erbauten Wohnsitz der Familie Humboldt, endete. Wilhelm ist, wie sein Bruder Alexander, viel gereist, vielen Menschen begegnet. Aus der Rückschau hat er später geäußert, daß die kurze Zeitspanne, die er in Rom als Vertreter des Königreichs Preußen verlebte, die glücklichste Zeit seines Lebens gewesen sei.
  • Ein mecklenburgisches Pfarrhaus im Spiegel des geistigen und politischen Geschehens von 1760-1810 Friedrich Scheven Auf dem Friedhof in Ivenack, nordöstlich von Stavenhagen, sind zwei Grabsteine erhalten, die das Andenken an zwei Pastoren festhalten, die dort in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewirkt haben. Das ältere Grabmal, ein schön geformter, mit Symbolen rationalistischer Frömmigkeit geschmückter Obelisk, ist Joachim Nicolaus Scheven "von seinen vier dankbaren Söhnen" gewidmet. Sein ältester Sohn wurde sein Nachfolger und verwaltete die Ivenacker Pfarre 32 Jahre lang.
  • Mein Großvater [Gedicht] Fritz Hagemann Und immer spannte seine harte Hand / Den Pflug, wenn er im frühen Morgen, / Die Stirn gottgläubig, doch voll Sorgen, / Den weiten Blick der Sonne zugewandt.
  • In Wendish Lands. Eine Entdeckungsreise vor 40 Jahren (1890/91) / Eingeleitet und übersetzt von Konservator Walter Karbe + Walter Karbe Mancher Neustrelitzer wird sich noch eines eigenartigen Fahrzeuges erinnern können, das an einem schönen Sommertage des Jahres 1891 wie ein Phantom auf dem Zierker See erschien und bei dem damals schon vorhandenen, aber noch sehr unbedeutenden Helgoland anlegte. Es war ein Engländer, Mr. Doughty, der mit seinem Hausboot, die "Gipsy" benannt, eine Segelfahrt durch die norddeutschen, speziell mecklenburgischen Gewässer unternahm und der, da sich bei uns ein Vertreter solch' großzügigen Wassersports noch nicht hatte sehen lassen, samt seinem Fahrzeug und seinen Begleitern nicht wenig angestaunt wurde.
  • Zwiesprache mit dem Großvater N. N. Dein Bild mit den lebhaften Augen hinter fein goldgefaßten Brillengläsern und dem langen weißen Haar schaut mich täglich an. Und nachts im Traum begegnest du mir leibhaftig und dann sprechen wir miteinander - du, der Großvater und ich, die Enkelin. Wir haben uns im Leben nicht gekannt, du starbst schon 11 Jahre bevor ich zur Welt kam. Du hast noch im unbewußten Kinderdasein die Not des Jahres 1806 erlebt, ich erlebe eine andere Notzeit und 150 Jahre trennen beide. Vier große deutsche Revolutionen liegen dazwischen, wenn ich den Krieg eine große Revolution im Dasein eines Volkes nenne. Du erlebtest die ersten beiden, ich die letzten zwei.
  • Chronik der Stadt Burg Stargard und ihrer Gemarkung im Rahmen der Landesgeschichte VIII g, Das Yorcksche Korps verfolgt im Verbande der Schlesischen Armee die geschlagene Armee Napoleons bis an den Rhein P. Steinmann Nach Beendigung des Gefechts an den Hörselbergen am 26. Oktober 1813 schlug Blücher am 27. und 28. sein Hauptquartier in Eisenach auf. Am 27. erhielt Yorck den Befehl, über Wilhelmsthal auf Barchfeld (4-5 km östlich Salzungen) vorzugehen, um das Bertrandsche Korps abzuschneiden, das "heute" (am 27.) "von Seebach und Schwarzhausen" (10 km westlich Waltershausen) "aufbrach, um sich bei Tiefenort (10 km östlich Vacha) mit Oudinot zu vereinigen".
  • Der Eid des Hippokrates Hermann Brunswig Politik, Verwaltung und Wirtschaft haben die Krankheit verstaatlicht, sie zu einem Anliegen des öffentlichen Wesens gemacht. Seuchen zu bekämpfen, die Mittel für eine allgemeine Volkshygiene bereitzustellen, ärztliches Wissen und Forschen für sich zu nutzen und auszuwerten, ist für den modernen Staat unumgänglich geworden. Das Gesundheitsamt hat sich des Einzelnen bemächtigt, macht vor dem Kranken nicht halt, zumal wenn seine Krankheit die Allgemeinheit gefährdet. Krebs, Tuberkulose, Rheumatismus, Kinderlähmung sind längst Gegenstand der öffentlichen Sorge und Vorsorge.
  • Plattdeutsch vor 170 Jahren: De Pirdiungs z'nachts up'n Fell Irmgard Unger-Brückner; Bernd Funck Das folgende plattdeutsche Spiel wurde bereits zum Ausgang des 18. Jahrhunderts geschrieben und hat in bestem Zustand die Zeiten überdauert. Sein Verfasser ist ein zu seiner Zeit sehr bedeutender Mann, eine Persönlichkeit des Neubrandenburg um die vorletzte Jahrhundertwende. Es ist Adolf Friedrich Theodor Brückner, der Leibarzt "Dörchläuchtings", seit 1786 Geheimer Hofrat, lagen ihm die Verpflichtungen eines Stadt- und Kreisphysicus ob. Dr. Adolf Brückner wurde 1744, am 29. November zu Neezka geboren, als Sohn des dortigen Pastors Christoph Adam Brückner und der Sophie geb. Trendenlenburg, Tochter des Superintendenten T. zu Neubrandenburg.
  • Der Alte [Gedicht] G. H. Dei Man seilt an den Häben, / dei Bäuken späuken sacht, / ick will tau Rauh mi gäben / in disse mäude Nacht.
  • Alexander Puschkin: Prolog von Ruslan und Ljudmila (aus dem Russischen) G. H. Piehler Ein Eichbaum grün steht an dem bucht'gem Meer. / An jener Eiche eine goldne Kette: / Und Tag und Nacht geht an der Kette her / Der weise Kater um die Wette. / Er geht nach rechts - es tönt Gesang, / Er geht nach links - ein Märchen klang.
  • Ein Streifzug durch Pommerns Mundarten (I) Gerhard Brose I. Auswahl und Aufzeichnung der Sprachproben - II. Sprachgrenzen im pommerschen Plattdeutsch III. Sprachproben
  • Über Mecklenburgische Kalender Annalise Wagner Ein königlich-schwedischer Professor als Kalendermann im Strelitzer Land um 1755. Der älteste vorliegende Meckl.-Strel. Staats- und Hauskalender datiert von 1755, "darinnen die neue, alte und römische Zeitrechnung gewiesen - der tägliche Lauf und Stand der Sonne, des Mondes, der Planeten und andere nützliche Bemerkungen auf den Strelitzschen Mittagszirkel berechnet von Andreas Mayer, kgl. Schwedischer Professor der Mathematik und Experimentalphysik zu Greifswald" (das damals noch zu Schweden gehörte). So lautet der Titel des schreibheftgroßen, etwa 42 Seiten starken Kalenders.
  • Die Entdeckung eines Siegelzylinders mit Keilschriftkommentar Eckhard Unger Die altmesopotamischen Siegelzylinder, die zur Beurkundung auf Tontafeln abgerollt wurden, die aber auch durch ihre magischen Halbedelsteine und durch eingeritzte Bilder zur Abwehr der Dämonen durch die Götter als Talismane wirkten, Zehntausende an Zahl, hatten wohl Beischriften, die aber meist eingerahmt, also für die Bilderklärung ausgeklammert sind. - Unbeachtet blieben bisher die nicht eingerahmten Keilinschriften der Siegel, die hierdurch enge Beziehung zu den Bildern zeigten.
  • Ein Mecklenburger als Tourist im heutigen China Heinrich Pinnow Es ist nicht immer leicht für einen Touristen, die deutsche Sprache der chinesischen Dolmetscher zu verstehen. Einer von ihnen, der uns (zwölf Reisenden und mir als Leiter) Anfang August dieses Jahres in Peking eine Fabrik zeigen wollte, bezeichnete sie erst als Holzstoff-Fabrik, dann als Zellstoff-Fabrik, schließlich als Möbel-Fabrik. Die Baracken, in denen dieser Betrieb untergebracht ist, waren innen und außen über und über mit roten Plakaten beklebt.
  • Timpani tacent Nikolaus Nothnagel Mit drei wuchtigen Schlägen beendete der Pauker seinen Part im Allegro der Ballettmusik Nr. 1 zu "Rosamunde" und legte seine Schlegel zur Seite. Mit leisem Bedauern, denn seine Mitwirkung wurde für die verbleibenden 146 Takte nicht mehr benötigt. "Timpani tacet" stand auf dem Notenblatt. Nurmehr innerlich engagiert saß er fernerhin im Orchester, dieweil seine streichenden und blasenden Kollegen auf den verschlungenen Pfaden der Partitur enteilten.
  • Herbst G. H. Piehler; H. Borlisch Wie ist das Herz, das Herz mir so schwer, / der Hochwald klaget so laut, / die Schwalben zogen in Schwärmen zum Meer. / Im Hirschgrund die Nebelfrau braut.
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • Uns´ plattdütsch Eck
  • Fritzing sin iersten Rimels Hans Meese Ostern rückte ümmer neger ran. Bärgermeister Reuter sin Fritz süll kunfermiert warm un denn von Sternhagen na Fräland up de hogen Schaulen. So wier dat beslaten. Un denn wier dor nix nich aftauhanneln. Wat Vadder seggt harr, dat güll.
  • De lsen in dat Füer [Gedicht] P. Roemer En anjohrt Fröl'n, ne spack un dröög Perßon / kümmt gistern rin in ne Zeitungsredaktschon / un seggt, knapp dat se rin is in de böör: / "Gun Morgen, sind Sie der Redakteur?" / Un as hei tau ehr seggt, dat wier hei woll, / stellt sei sick vöör as "Edeltraut von Toll"
  • Wihnacht in de Firn [Gedicht] Hermann Brunswig Wihnachten! -Wo scheun dat klingt. / Woans dor glikst dat Hart mi springt. / Vör mi seh ick den Wihnachtsbom / Mit de Nöt un de Appels un den Zuckerschom. /
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • Vermischte Beiträge
  • Unterprima des Humanistischen Gymnasiums Carolinum 1919. [Foto] St. R. Kootz, Ernst Beyer, Felix Schreck, Weidemann, Harms, H. E. Stier, Prof. Dr. Rieck, Kassau, Julius Breest, K. Eberhard Geissler, Fr. Rosenthal, Gienapp, W. Prillwitz, Jochen Denzin, St. R. Dr. Hordorff
  • Studienrat Wilhelm Kirchner + G. H. Piehler Am 8. November 1967 ist unser langjähriger Kollege, der Studienrat Wilhelm Kirchner in Neustrelitz mit 72 Jahren aus diesem Leben geschieden. . . . Nachdem Kirchner seine Referendarzeit in Mecklenburg/Schwerin mit Erfolg abgeleistet hatte, bewarb er sich um die durch den Aufbau der beiden Primen am Realgymnasium in Neustrelitz notwendig gewordene Stelle eines Mathematikers und insbesondere Chemikers, wurde sofort als Assessor eingestellt und avancierte nach wenigen Jahren zum Studienrat.