1963/1964 Winter

Das Carolinum
Blätter für Kultur und Heimat

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(29.) 26. Jahrgang Nr. 39

Inhaltsverzeichnis
  • Chronik der Stadt Burg Stargard und ihrer Gemarkung im Rahmen der Landesgeschichte VIII b Paul Steinmann Mecklenburg-Strelitz und die nationale Erhebung. Die Errichtung des "Vaterländischen Husarenregiments" und dessen Anteil an den Freiheitskriegen (1813-15). b) Vom Abmarsch des Husarenregiments am 30. J uni 1813 zur Schlesischen Armee bis zur großen Revue vom 11. August am Fuße des Zobten
  • Ein mecklenburgischer Pfarrer wurde Wissenschaftler [Friedrich Wilhelm Konow] Martin Breest Einem in die heutige Zeit herübergeretteten Nachruf der Entomologischen Gesellschaft, BerIin, folgend, ist vor 56 Jahren im 18. März 1908. Pastor Friedrich Wilhelm Konow in Teschendorf b/ Burg Stargard gestorben. "Der Dahingeschiedene gehörte zu den besten Spezialisten unter Deutschlands entomologischen Systematikern. Am 2. 7. 1842 in Mechow, einem Dorf in Mecklenburg, wo sein Vater Lehrer war, geboren, ging er bis zur Konfirmation in die einfache Dorfschule; nebenher lief der Unterricht des Vaters. In Neustrelitz besuchte er später ein Jahr lang die Realschule und schließlich bis zum Abiturientenexamen das Gymnasium, wo er schnell alles nachholte, was ihm in den "alten" Sprachen gefehlt hatte.
  • Die patagonischen Buchenurwälder in der Südkordillere Argentiniens H. N. F. Tesdorff An der Westküste des südamerikanischen Kontinents, gleichlaufend mit dem Stillen Ozean, erstreckt sich der gewaltige Höhenzug, der als die "Anden" oder "Kordilleren" bekannt ist, in seinen Erhebungen bis zu 6000 Metern. Die fast Nord-Süd laufende Bergkette ist zugleich die Grenze zwischen Pazifik-Seite (West) und der argentinischen Ost-Seite. Ungefähr auf der Höhe des 38. Breitengrades erreichen die Bergketten nur noch im Durchschnitt 2000 Meter, die Feuchtigkeit und die Nebel des Stillen Ozeans überfliegen diese Höhen, um auf der Ostseite ein außerordentlich günstiges "Waldklima" hervorzurufen mit über 2500 mm Niederschlägen im Jahr, der größte Anteil fällt allerdings im Winter.
  • [Die Sängerin] Henriette Sonntag und Neustrelitz Kurt Forstreuter Henriette Sontag hat einen ungewöhnlichen Lebensweg zurückgelegt. Als Schauspielerkind wurde sie am 3. Januar 1806 in Koblenz geboren. Früh, mit 5 Jahren, betrat sie zuerst 1811 die Bühne. Der Vater, von dem die Mutter sich getrennt hat, ist bereits 1819 gestorben. Die Mutter Franziska geb. Markloff überlebte ihre berühmte Tochter, sie starb 1865. Sie war eine in ihrer Zeit beliebte Schauspielerin, hat den Aufstieg der Tochter gefördert. Über Prag und Wien kam Henriette 1825 nach Berlin, wo sie die größten Triumphe feierte. Ausgedehnte Gastspielreisen schlossen sich an.
  • Ludwig Giesebrecht als Geschichtsschreiber des Mirower Fürstenhofes Friedrich Scheven Es dürfte vielleicht einmalig sein, daß in der "Allgemeinen deutschen Biographie", dem vielbändigen Werk der Würdigung großer Deutscher, vier Brüder zugleich mit ihrem Vater in z. T. mehrseitigen biographischen Darstellungen Aufnahme gefunden haben. Das ist der Fall bei der aus Mirow stammenden Familie Giesebrecht. Der Vater, Benjamin Giesebrecht, war von 1769 -1827 Pastor in Mirow. Er "hatte das seltene Glück, vier reichbegabte Söhne zu den Mannesjahren gelangen zu sehen, die in ihrer Weise das Werk des Vaters fortsetzten. Wie verschieden auch sonst, waren sie. in aufrichtiger Frömmigkeit, in der Lauterkeit ihrer ganzen Gesinnung, in der Liebe zu Kunst und Wissenschaft, in dem Eifer für das Schulwesen sich völlig gleich".
  • Aphorismen Ilse Siemers Nimm alles, nur laß mir die Sonne und den tiefen blauen Himmel. / Ein Großer wird immer Anlehnung an das Größere suchen, nur der kleine Mensch ist von sich selber ausgefüllt.
  • Der Unteroffizier im Regiment Colberg Sophie Dorothea Friederike Krüger, genannt August Lübeck, aus Friedland in Meckl. Annalise Wagner Drei HeIdinnen zogen aus tiefer Vaterlandsliebe in den Kampf um Deutschlands Befreiung vom französischen Joch: Eleonore Prohaska, Johanna Stegen und Friederike Krüger, genannt August Lübeck. Wir wollen uns hier mit der Friedländer Ackerbürgertochter Krüger beschäftigen, die am 4. Oktober 1789 als Tochter eines ehemaligen Leibeigenen geboren wurde. Ihr Vater war ein strebsamer, des Schreibens und Lesens kundiger Mann, der seine Tochter in den ersten Schuljahren bis zur Einführung des Schulzwanges selbst unterrichtete.
  • Heinrich Arminius Riemann. Der Lebensweg eines Ratzeburger Domschülers (1793-1872) Hans Henning Schreiber Vor mir liegt das Bild eines nicht sehr großen Mannes, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz. Aus seinem Gesicht spricht feste Entschlossenheit, aber auchgütiges Verstehen. Es ist Heinrich Arminius Riemann, einer aus der alten Ratzeburger Domschule. Die Riemanns stammen aus Stolberg. Der Vater von H. Arminius war ein tüchtiger Schulmann.
  • Die Antwort G. H. Ich glaube nicht, / daß ich zum Licht erkoren, / die Sterne strahlten kaum / in jener Nacht.
  • Von Komödianten und Bühnen im alten Güstrow Wilhelm Gernentz Ein Beitrag zur Güstrower Theatergeschichte von ihren Anfängen bis zur Einweihung des alten Schauspielhauses: Zwischen den ersten Schauspielaufführungen in Güstrow und dem Jahre 1828, in dem unser altes Theatergebäude seine Pforten zum ersten Male geöffnet hat, liegt eine Zeitspanne von fast drei Jahrhunderten. Schon bald nach der Gründung der evangelischen Domschule (1553) führten ihre älteren Schüler Komödien der römischen Dichter Plautus und Terenz auf. Sie spielten in ihrem Schulgebäude am Domplatz, vor dessen Errichtung (1579) vielleicht auch schon in dem zunächst als Schule dienenden ehemaligen Franziskanerkloster.
  • Der Mecklenburger Otto Pieper. Begründer der deutschen Burgenforschung Gerhard Böhmer Am 22. Dezember 1841 wurde 0tto Piper, der Begründer einer wissenschaftlichen Forschung und Beschreibung deutscher und österreichischer Burgen, in Röckwitz in Mecklenburg geboren. Wenn man sich, speziell als Mecklenburger, in den ersten Teil von Otto Pipers Lebenserinnerungen, den er "Jugend und Heimat" überschrieben hat, vertieft, so kommt man unwillkürlich in Versuchung, einige Parallelen zu der Herkunft und den stark nachwirkenden Eindrücken der Jugendjahre Heinrich Schiemanns zu erleben.
  • Über die Gelehrtenschule in Neubrandenburg. IV. Die Schule von Neubrandenburg um 1804 Irmgard Unger-Brückner ,,In dieser ersten Vorderstadt (Neubrandenburg) des Stargardischen Kreises, die 4700 Einwohner zählt, sind die Schulen nicht in dem blühendsten Zustande, wenn man anders nach einem Aufsatze in den Nützl. Beitr. zu den Neustrelitzer Intelligenzblättem des Jahres 1795, der von dem verdienstvollen, nunmehr verewigten Pastor Kortüm daselbst herrühren soll, urteilen darf. Er verdient es, hier nochmals abgedruckt zu werden, weil die Schilderung auf die meisten Unterschulen in den Städten hiesigen Landes passen dürfte."
  • Abschied [Gedicht] G. H. Schon lange waren / die Schritte verhallt / und immer noch / stand ich, / den Klang seiner Stimme / zu fangen.
  • Wilhelm Unger 1775-1855, Neffe von Wilhelm Tischbein, Hofmaler und Professor in Neustrelitz. Anhang IV, Werke Eckhard Unger
  • Ein Märchen W. Cordua Es war einmal ein alter Mann, der wollte seinen Freund wiedersehen aus der Kindheit goldenen Tagen. In den langen Jahren seines arbeitsreichen Lebens hatte er ihn aus den Augen verloren und gar aus dem Sinn. Er packte einen großen Sack von Proviant, begab sich auf die Suche über Norden gen Osten zu, immer weiter. Eines Abends kam er an einen großen Wald, der im Schein der Abendsonne friedevoll vor ihm lag. Er war recht müde von dem weiten Weg, suchte sich unter einer alten Eiche, die ihre knorrigen Äste weit und schützend ausgebreitet hatte, sein Nachtlager und legte sich schlafen.
  • Zwei Wossidlo-Briefe Rudolph Lüth Die beiden nachstehenden Briefe Wossidlos an den Amtsrichter Wollenberg in Gadebusch wurden von Oberregierungsrat a. D. Werner Praefcke, Aachen, entdeckt und dem "Carolinum" zur Veröffentlichung übersandt. Sie bedürfen - nicht für Altmecklenburger, aber vielleicht für die jüngere Generation - eines erklärenden Wortes, zumal selbst der Große Brockhaus den Namen Wossidlo nicht bringt. Richard Wossidlo, 1859 zu Friedrichshof bei Tessin geboren, wurde nach seinen Studien Gymnasialoberlehrer und hat sich später als Gymnasialprofessor von seinen Amtspflichten entbinden lassen, um sich ausschließlich der Erforschung meckl. Volkstums und der meckl. Sprache zu widmen.
  • Der letzte Beethoven Hermann Rössler Wenn ich ihn auch nicht persönlich gesehen habe, so kann ich mich doch gut an ihn erinnern, denn ich war leiblich wie geistig in seiner unmittelbaren Nähe. Im Jahre 1916 befand ich mich als "Zwangsfreiwilliger" (wie wir Einjährig-Freiwilligen uns nannten) im Wiener Schützenregiment Nr. I, in dem ich als Leidensgenossen Rainer Maria Rilke kennen gelernt hatte. Aber bald erfuhren wir von einem anderen Leidensgenossen, der einen noch bedeutenderen Namen trug. Unser Fähnrich Dr. Sperber, der ein Jahr später in Rußland fiel, kam eines Tages ganz aufgeregt in die Baracke.
  • Festrede vom 14. Dezember 1962 zur Einweihung des Erweiterungsbaues der Mecklenburgischen Versicherungs-Gesellschaft in Hannover Hermann Stech Für unsere Mecklenburgische Versicherungs-Gesellschaft a. G. und für uns, alle, die wir in ihr wirken, ist heute ein festlicher Tag. Ihnen, unseren Freunden und Gästen, danken wir dafür, daß Sie daran teilnehmen. Den Überlebenden und den Nachwachsenden der zwei oder drei Generationen der Gegenwart, die Kriege und Vertreibung überstanden haben, ist der Wiederaufbau unserer staatlichen und wirtschaftlichen Existenz aufgegeben worden. Das ist ein schwerer Auftrag, aber zugleich auch ein Geschenk an uns Heutige.
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • Ein Brief aus Kalifornien Friedrich Rosenthal Beverly Hills, den 1. Oktober 1963. Lieber Herr Oberstudiendirektor Piehler! Gern folge ich heute der von Ihnen aus der alten Heimat und aus dem fernen Argentinien von Korvettenkapitän Hermann Brunswig kommenden Aufforderung, wieder einmal über allgemein Interessantes in meinem Leben zu berichten. So möchte ich Ihnen denn über meine Beziehung zur Vertretung der Deutschen Bundesrepublik in Los Angeles und den Besuch von Bundestagsabgeordneten in Kalifornien schreiben.
  • Zum neuen Jahr [Gedicht] Karl Nahmacher So rinnt immer Jahr um Jahr / durch das Sieb der Zeiten, / doch was einmal unser war, / braucht nicht zu entgleiten.
  • Das Malchiner Realgymnasium Erich Reincke In das alte mecklenburgische Landtagsstädtchen Malchin zog es einst viele alte Neustrelitzer Realprogymnasiasten, die dort an dem Realgymnasium das Abitur ablegen wollten, da Neustrelitz ihnen dazu keine Möglichkeit bot: ein Grund mehr, der geschichtlichen Entwicklung der Malchiner Höheren Schule auch im "Carolinum" Platz zu geben.
  • Neudrusedom, 2. Folge / Erinnerungen Niklas Nothnagel Wenn N. N. sich recht erinnert, ließ er die erste Folge seiner Erinnerungen mit einer andeutungsweisen Landschaftsschilderung enden: der Erwähnung der Ruhestätte des letzten Herrschers über Neudrusedoms Land, welche sich auf einer kleinen Insel eben des Sees befand, an dessen Ufer das Stammschloß seiner Vorfahren lag. Dieser Umstand gibt ihm nun das Stichwort, über die hauptstädtische Topographie zu sprechen, weil nämlich auch Neudrusedoms Stadtgebiet mit stehenden Gewässern im Zusammenhang stand. Eines davon, ein See von mehreren Kilometern Länge, bespülte seine westliche Grenze, welche außer einem bescheidenen Industrieareal durch den Park des großherzoglichen Schlosses und seine Vorländereien, sowie ein weiteres parkartiges Gehege gebildet wurde.
  • Ein Brief aus Südafrika Hans Lösch Sehr verehrter, lieber Herr K.! In unserer Stadt Tsumeb pulst das Leben, ja, man kann sagen, mehr als je zuvor. Der Bergbau ist nicht von der Witterung abhängig, nur die Weltwirtschaftslage kann manchmal zu angespannten Verhältnissen führen. So herrscht im Augenblick jedenfalls geschäftiges Treiben und viele finden hier Arbeit und Brot. Doch will ich weiter ausholen und vom Entstehen und Werden Tsumebs berichten, das seine Existenz fast nur dem Auffinden und dem Abbau von Kupfer verdankt.
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • Uns´ plattdütsch Eck: Mecklenburgische Regen- und Gewitterregeln gesammelt in der Mirower und Wesenberger Gegend. Walter Gotsmann Sünn geht ünner in'n Sumpf morgen rägen't dan so plumpt. Wenn der Rundfunk meldet, daß sich irgendwo ein Tief gebildet hat und langsam oder schnell näher kommt, so registrieren alle Meßgeräte Zunahme der Luftfeuchtigkeit, Abnahme des Luftdrucks und eine mehr oder weniger starke Luftelektrizität. Wir erfahren damit die Ursache der Wetterumbildung und ihre Außerungen in der Atmosphäre. Wenige Feststellungen sind es, die die Wissenschaft uns meldet.
  • Oltspraken Wüür
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