1962/1963 Winter

Das Carolinum
Blätter für Kultur und Heimat

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(28.) 25. Jahrgang Nr. 36

Inhaltsverzeichnis
  • Chronik der Stadt Burg Stargard und ihrer Gemarkung im Rahmen der Landesgeschichte VII b. Die Franzosenzeit (1806 ff.) P. Steinmann Nach der Revue bei Gumbinnen (18. 6.) rückte Napoleon in das Herzogtum Warschau ein. Aus seinem Hauptquartier Wilkowiczky erließ er am 22. Juni an seine Soldaten eine Proklamation über den Beginn des "zweiten polnischen Feldzugs". Sie hatte zugleich den Charakter einer Kriegserklärung an Rußland. Am Morgen des 23. Juni marschierte Napoleon an die russische Grenze bis zum Njemen. Bereits am späten Abend wurde dieser bei Kowno auf drei Pontonbrücken von einzelnen Abteilungen, ohne Widerstand zu finden, überschritten.
  • Der Bettler an Sankt Katharinen zu Lübeck [Gedicht] Hans Tügge Ach, Armer, furchtbar ist's Dich anzusehn / und doch kann ich den Blick von Dir nicht wenden. / Nicht Du stehst mehr, die Krücken stehn, / umgriffen von den abgezehrten Händen.
  • Hermann von Maltzan (1843-91), der Begründer des naturhistorischen Museums in Waren und der größte Conchyliensammler seiner Zeit Annalise Wagner Der 30 Jahre jüngere Stiefbruder Albrechts Hermann von Maltzan war eine universale Natur, die sich ebenso schnell wie die seines älteren Bruders durch die unermüdliche Forscher- und Sammlertätigkeit aufrieb. Schon in frühester Kindheit wurde er stark von den sammelnden Geschwistern beeinflußt, besonders von der Schwester Amalie. Seine Lieblingsbeschäftigung war neben dem Musizieren das Sammeln von Naturalien aller Art. Schon als Kind legte er ein Herbarium aller wildwachsenden Pflanzen von Rotherrmoor an.
  • Wilhelm Unger, 1775-1853, Hofmaler und Professor in Neustrelitz, Anhang II, Briefe Eckhard Unger Nr. 1 Johann Friedrich Blumenbach an W. Tischbein, dd. Göttingen, den 29. XII. 1799 - Nr. 2 Wilhelm Tischbein an Goethe, dd. Hannover, den 20. II. (1801 ?) - Nr. 3 Charles de Villers an W. Tischbein, dd. Lübeck, den 4. III. 1801- Nr. 4 Charles de Villers an W. Tischbein, dd. Lübeck den 15. IV. 1801
  • Der Rufer [Gedicht] G. H. Wie kann ich schweigen, / wenn der Flammen Garbe / schon über meinem Haupte sprüht,
  • Vom Werden und Wesen der Neuen Musik Hermann Fuchs Die Neue Musik gerät immer mehr in die Gefahr, zur Angelegenheit eines kleinen Kreises eingeweihter Spezialisten zu werden. Je konsequenter und entschiedener ein Komponist den Weg in musikalisches Neuland beschreitet, um so abweisender verhält sich die erdrückende Mehrheit des Publikums. Besondere Abneigung gegen musikalische Novitäten äußern vornehmlich jene Musikfreunde, die als intime Kenner der traditionellen Tonkunst gelten.
  • Erlebte Geschichte Hermann Brunswig Wer sich mit den Gedanken und Aufgaben der heutigen Politik beschäftigt, hat es leichter, wenn er selber der alten Generation angehört, den Siebzig- bis Achtzigjährigen also, die die stärksten Eindrücke ihres Lebens Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts empfingen. Für die Jungen ist es nicht immer leicht, die Alten zu verstehen, denn die Geschichte von vorgestern ist ihnen oft unbekannt: - ein Vorgestern, von dem meist nur die von damals Überlebenden noch etwas "wissen". Die Gelehrsamkeit mag vieles aus Akten und Dokumenten erschließen, aber die Kraft des Erlebten wird ihr fehlen.
  • Der Dichter (Georg Trakl 1887-1914) G. H. Bin ich ein Seher? / Ich weiß es nicht, / weiß nur, / steh' oft vor letztem Gericht, / weiß, / daß ich ein Nachfahre bin / des großen Dulders.
  • Erinnerungen an Ulrich Wellhausen Christian Bourjau Wenn ich in den folgenden Zeilen versuche, die Persönlichkeit eines Mannes in das Gedächtnis zurückzurufen, dem es leider nicht mehr vergönnt ist, unter uns zu weilen, so glaube ich mich in besonderer Weise dazu legitimiert, über diesen als Menschen und Künstler zu sprechen, da ich ihm nicht nur als Schüler, sondern - mehr noch - auch verwandtschaftlich verbunden war. In jenen unruhigen Jahren nach dem ersten Weltkrieg kam Ulrich Weilhausen nach Neustrelitz. Erst später sollte ich erfahren, daß es für ihn eigentlich eine Rückkehr war. Ich entsinne mich noch, wie er mir zugt erstenmal bewußt vor die Augen kam.
  • So sprechen die Götter von Assuan [Gedicht] Erna Blaas Dies Land bleibt uns immerdar untertan! / Und wenn ihr die riesigen Dämme baut / und wenn ihr den Nil in den Bergen staut, / daß seine grünlichen Wasser schwellen / und unsere säulenden Füße umquellen - / ihr seht uns in lauernden Ängsten an, / uns uralte Herrscher von Assuan!
  • Der Ratzeburger Dom Hans Hennig Schreiber Wenn die Glocken des Ratzeburger Doms vom mächtigen Turm dieses alten Gotteshauses erklingen, trägt ein günstiger Wind ihren Klang nicht nur über das Wasser des See's, sondern auch über eine schmerzliche Grenze hinweg in ein Land, das jahrhundertelang mit dem Dom verbunden war. Hinter dieser Tatsache verbirgt sich viel Leid, das unserer Generation zu tragen bestimmt ist. Da wird auch die Geschichte wieder lebendig, lebendiger als sonst in Zeiten der Sicherheit und Ruhe. Die Stadt Ratzeburg begeht in diesem Jahr das Gecl.enken an die vor 900 Jahren erfolgte erste Erwähnung ihres Namens: Eine im Jahre 1777 im Domarchiv Speyer aufgefundene und 1062 in Köln ausgestellte Urkunde besagt, daß Kaiser Heinrich IV. dem Herzog Otto von Sachsen "castellum Racesburg - eiusdem ducis Ottonis marchia et in pago Polabi situm … " mit allem Zubehör an Land und Leuten zu eigen gegeben hat.
  • Friedrich Grieses Begriff der Heimat Walter Lehmbecker Die Dorf- und Heimatdichtung des 19. Jahrhunderts und auch am Anfang des 20. Jahrhunderts bemühte sich, durch Darstellung bäuerlicher Motive und landschaftlichen Milieus vor den Schäden einer nur materialistisch verstandenen Zivilisation zu bewahren. Diese moralische Haltung und tendenziöse Einstellung verwehrte ihr den Zugang zu dichterischer Aussage. Diese Literaturgattung bescherte uns in ihrem umfangreichen Schrifttum nur gute Bücher zur Unterhaltung mit mehr oder weniger sittlich-lehrhaftem Einschlag.
  • Aphorismen Nichts wird so wenig verstanden wie große Reinheit - nichts so sehr bekämpft wie sie.
  • Aus dem Musikleben in alter Zeit (Friedland, Neubrandenburg, Neustrelitz) Annalise Wagner Das Musikleben im Strelitzer Land konzentrierte sich in den drei Städten: Neustrelitz, Neubrandenburg, Friedland. Alle drei können auf eine alte Tradition zurückblicken. Friedland auf die längste: auf die hochlöbliche Musikantengilde, die nach Rektor Simonis (1730) schon im 14. und 15. Jahrhundert bestanden haben soll. Die Ratsherren berichteten, daß im Jahre 1600 Lehrer der Stadtschule und etliche vornehme Bürger alte Urkunden und besiegelte Briefe vorgelegt hätten, die den Beweis führten, daß "vor undenklichen Zeiten vom Papst in Rom und dem Deutschen Kaiser diese Musikgilde priveligiert und mit mancherlei Gerechtigkeiten begnadet worden sei".
  • Frauenhände [Gedicht] Fritz Hagemann Und alles gab Er ihnen auf die Reise: / Sie sind die Dome über unserm Leid, / Die schmerzlich flehen ihre Liebesweise / Zur Ewigkeit.
  • Eine Reise zu Inka-Ruinen in Peru Jürgen Haffer Wir waren von Iquitos am oberen Rio Amazonas nach Lima geflogen - über die sumpfigen Regenwälder der östlichen Tiefebene, die nebelwaldverhangenen Schluchten der Randberge, dicht vorbei an den Gipfeln der schneebedeckten Bergriesen der Zentralketten und abwärts über die steinigen Wüstenberge der pazifischen Seite des Andengebirges zur Hauptstadt des Landes Peru.
  • Anmerkungen zur Baugeschichte des Schweriner Schlosses Hans-Dieter Schäfer Das Schweriner Schloß hat eine ungemein wechselvolle Geschichte, die bis in die legendäre Zeit des Wendenfürsten Niclot, das Haupt des Obotriten-Stammes, zurückreicht (Burg Zverin). Man muß sich diese Burg als eine Erdwallanlage vorstellen, mit Bollwerken aus Eichenstämmen. Erst um 1500 dachte man an steinerne Fundamente und die Errichtung fester Bauten.
  • Αίέν άριστεύειν хαί ύπείροχον έμμεναι άλλων - Ein Nachruf für Paul Dörwald E. Dankert Im Frühjahr 1926 hielt Paul Dörwald die letzte seiner berühmten Abiturienten-Entlassungsreden; er legte ihr das Wort der Ilias zugrunde, mit dem dieser Nachruf überschrieben ist. Als Zuhörer und Angesprochene werteten wir das andere Zitat als einen Leitsatz, der noch einmal die an uns in jahrelanger Mühe versuchte "Erziehung zur Persönlichkeit" zusammenfassen sollte. Später erkannten wir, wie dieses Wort ihn selbst aufs beste kennzeichnete, ihn, der nicht nur "der Erste" kraft seines Amtes, sondern der "hervorragend war unter den anderen" als Lehrer und Gelehrter.
  • Vom Zauber der Sprache Hugo von Hofmannsthal "Wie der Lufthauch, der in stillen Nächten vom festen Lande her auf ein Schiff zuweht, traumhaft angefüllt mit dem Duft von süßem Wasser und dem Atem von Wäldern und Wiesen, so weht aus der Sprache ein Hauch der Heimat, der jenseits aller Worte ist."
  • Seltsamer Reigen am elften November Hermann Rössler Ein jeder von uns Ausgewanderten wird wohl ein anderes Gesicht von Neustrelitz haben, und ich bin wohl nicht der einzige, der manchmal von unserer Stadt träumt, wenn auch, wie meist in solchen Träumen, dabei alles anders aussieht. Die Psychoanalytiker haben dafür eine besonders komplizierte Erklärung; ich habe jedoch eine begründete Abneigung gegen Psychiater und alle Art Seelenforscher und glaube, dieser Komplex von Träumen rührt eher aus Schilderungen her, die man vor Jahren gelesen hat. Neustrelitz war auch nach Fritz Reuter nicht ohne Literatur.
  • Das Hirschdenkmal E. B. Wer die alte Poststraße durch den schönen Buchenwald im Zechower Forst gewandert ist, von Strelitz - Knakenkrug - Rodenskrug - Usadel kennt wohl im Revier Wilhelminenhof das "Hirschdenkmal" links vom vVege, unweit der Försterei. Es war ein Lattengatter etwa 2x2 m groß. Daran befestigt eine ovale Holztafel, mit einem gemalten Kranz von Eichenblättern.
  • Johannes Schondorf. Ein mecklenburgischer Musiker und Freund von Fritz Reuter K.-A. P. "Und als wir über den Markt gehen, kömmt Jöching Lehndorf angelaufen, - denn er läuft immer wegen seiner notgedrungenen Privatstunden - und sagt: "Nich übelnehmen, aber als ehrlichen Mann - nich anders als unmusikalisch zu taxieren." "Er hatte nämlich für Bräsig gutsagen müssen, als dieser in Berlin festgenommen war, und geglaubt, daß er nichts verschweigen dürfe. Der Präsident in Berlin hatte auf die Aussage des "richtigen Musikkompositöhrs" und eines anderen Bräsig freigelassen und gemeint: "Wollte Gott, wir hätten diese legitimen, aufstrebenden Talente in unserem preußischen Staat!"
  • Ein Cordua in Paramaribo und am Sacramento Hans-Henning Pantel Zur Begüterung des Grafen Schlieffen in Schlieffenberg gehörte auch das schöne an einem kleinen See gelegene 3500 Morgen große Rittergut Raden in Mecklenburg. Dieses kaufte sich im Jahre 1801 von Carl Hans von Oertzen Johann Friedrich Cordua, dessen Vorväter Johann Pachen und Cord Corduan als Wassermühlenpächter in Bützow am Bühner Tor viel Geld beim Mahlen des Getreides verdient hatten.
  • Mit dem Strom Gerhard C. Reuter In dem Folgenden bringen wir zwei Auszüge aus einem unveröffentlichten Roman. Dieser Roman behandelt auf einer breiten Grundlage das Schicksal der bürgerlichen Familie Schollbarth in den Jahren 1906-1925. Im Rahmen der zeitgeschichtlichen Ereignisse, die hin und wieder in den Vordergrund treten, erlebt man das familiäre Geschehen verschiedener Generationen in der Zeit, die durch den ersten Weltkrieg, seine Vorahnung und seine Nachwirkungen maßgebend bestimmt wird. Einer der Mittelpunkte der Handlung ist das Grunewald-Gymnasium, und ernste und heitere Begebenheiten aus dem Schulleben spielen mitunter eine wesentliche Rolle.
  • Aus dem Leben des kleinen Hundes Sissi Hans Borlisch Es war nicht recht zu erkennen, was da vor mir lag in einer Pappschachtel, der Sonne hingewandt, ein Wollknäuel von der Größe einer starken Männerhand. Es sollte ein Hund werden, ein Dackel und wurde es dann auch. Schon in der ersten Nacht in der neuen Hausgemeinschaft und ohne Hundemutter zeigte sich, daß es wirklich ein Dackel war: Du machtest in deiner Schachtel so lange ein eigensinniges Geschrei, bis du ins Bett genommen wurdest. Dann schliefst du schön und warm und hattest deinen Willen durchgesetzt. Im übrigen verlief deine Kindheit recht ruhig. Du hast wenig zerbissen, wie es sonst Dackel tun. Nur mit den Hühnern standest du auf dem Kriegsfuß, da sie dir, als du noch gar zu klein warst, recht übel mitgespielt hatten.
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • Aus meiner Arbeit mit körperbehinderten Kindern Erhard Lungfiel Seit 1958 gibt es in Deutschland wieder, wie vor 1945, Tagesschulen für körperbehinderte Kinder. Harnburg ist auf diesem heilpädagogischen Felde führend. Als Leiter einer solchen Schule möchte ich über meine Arbeit berichten. Es ist um der behinderten Kinder willen wichtig, daß die Öffentlichkeit interessiert wird und teilnimmt. Es geht um die Grundeinstellung des gesunden gegenüber dem behinderten Menschen. Er, der Leidende. bedarf unserer brüderlichen Hilfe.
  • Entstehung und Entwicklung der Realschule Schönberg Walter Raban Die Schönherger Realschule hat ein wechselvolles Schicksal erfahren. Sie ist gewissermaßen aus der alten Ratzeburger Domschule hervorgegangen. Im Hamburger Vergleich (1701) war aus der Herrschaft Stargard samt den ehemaligen Johanniterkommenden Mirow und Nemerow und aus dem Fürstentum - ehemaligem Bistum - Ratzeburg das Herzogttum Mecklenburg-Strelitz gebildet worden. Damit hatte Mecklenburg-Strelitz auch die seit 1550 bestehende Ratzeburger Domschule übernommen.
  • Bücher und Buchbesprechungen
  • Vermischte Beiträge
  • Prima und Sekunda des Carolinum auf Pfingstfahrt in Thüringen 1905 [Foto]
  • 1. Klasse des Lyzeums, Neustrelitz, Ostern 1918 [Foto] L. Sassmannshausen, M. Lindstaedt, Elli Büttner, Luise Kehrhahn, Hedi Stech, Herta Jagow, Elli Heitmann, Hilde Ebeling, Lotte Warncke, Lotti Graack, Grete Reincke, Matgret Dorendorf, Elli Schröder, Lucca Vieweg, Ilse v. Linstow, Käte Cunitz, Leni Müller, Marg. Balfang, Gertr. Karall, G. Bielefeld, J. Debuschewitz, Möller, Lisbeth Heinrichs, Annie Stahlberg, Rat Praefcke, Martha Fälsch, Elis. Völker, Walpurga v. Arnim, Wally Siehl, Gretel Christensen.
  • Uns´ plattdütsch Eck
  • Wat de Meckelbörger vertelln Ernst Marung De Landrat verteilt: De Domänenpächter - seggen wi Blank - kümmt von't Feld un geiht öwern Hof. Dor steiht sien Kutscher. "Friedrich, giwwt dat hüt noch Rägen?" "lck weit nich, Herr." "Friedrich, du kennst doch dat Wäder. Giwwt dat hüt noch Rägen?" "lck weit nich, Herr." - "Ach, Friedrich, dat mötst du doch weiten! Wi möten hüt nahmiddag to Stadt führn. Kähnen wi den Jagdwagen nähmen odder möt dat de To-Kutsch sind?" "Dat's mi egal, Herr, ich möt doch in'n Rägen sitten."
  • "Niege Kraft" B. Trittelvitz "Upstahn!" Bimm-bimm-bimm! "Upstahn! De Klock is söß!" So reep oll Schooldeiner Micheli jeden Morgen in den Slaapsaal von't Putbusser Pädschen un lürrd för dull mit sien Bimmel. Langsam kregen wi Jungs de Köpp hooch. Brrr! Dat wier ja noch stickendüüster un so kolt, dat lütte Ies-Stücke up de Waschschöddeln herümmeswemmden.
  • Wihnachtstid Olga Vorbeck All wedder mal, man kann't nich wenn', / geht nu en kortes Johr to Enn', / un de Ruklas steht vör de Dör. / Ach, wier man noch en lüttes Gör