1959 Winter

Das Carolinum
Blätter für Kultur und Heimat

Die komplette Ausgabe zum Download
(38.54 MB)

(25.) 21. Jahrgang Nr. 30

Inhaltsverzeichnis
  • Rethra, das heidnische Heiligtum in Wanzka und das christliche Sachsen (Merseburg, Halberstadt) und Bayern (Rinchnach) Eckhard Unger Wenn wir im folgenden den Aufsatz von Prof. Dr. E. Unger über die Rethra-Frage veröffentlichen, so sind wir uns dessen bewußt, daß dieses jahrhundertalte Problem auch heute noch sehr umstritten ist. Prof. Unger nennt in seinem Aufsatz selbst 29 Orte, die von den Forschern und Gelehrten als Sitz des großen Heiligtums angenommen wurden, Forschern, die z. T. berühmte Namen trugen wie Professor Schuchhardt. Umsomehr glauben wir, den Ausführungen von Prof. Unger die Spalten öffnen zu sollen, zumal er eine Reihe ganz neuer Gesichtspunkte ins Feld führt.
  • Konservator Konrad Hustaedt Annalise Wagner In diesem Jahr hätte K. Hustaedt seinen 85, Geburtstag feiern können, wenn ihn nicht am 17. Oktober 1947 der Tod abgerufen hätte. In seiner Todesanzeige, die er vorsorglich entworfen hatte, nannte er sich "akademischer Architekt und Kunsthistoriker". Praktisch hat er nie als Architekt gewirkt, aber theoretisch hat er in zahlreichen Aufsätzen, die in der Landeszeitung von 1895 bis 1944 erschienen sind, seinem architektonischen und kunstgeschichtlichen Wissen Ausdruck verliehen.
  • Die Philosophenbuche [Gedicht] Friedrich Warncke Im Schloßpark hält getreu bei Tag und Nacht / Verträumt die alte Riesenbuche Wacht.
  • Humanismus, Staat und Gesellschaft Hermann Brunswig "Von den Studenten, die zur Prüfung erscheinen, können 90 Prozent nicht reden: Sie sprechen Worte, Wortgruppen, die jedoch keinen Sinn haben. Sie gestikulieren, können aber nicht reden. Wie sollen sie eine Wissenschaft lernen, wenn sie nicht einmal die Sprache beherrschen." Professor Dr. Enrique Caviola, Universität Cordoba
  • Schwanenteich im Herbst [Gedicht] Fritz Hagemannn Die Blätter taumelten als bunte Stücke / Zum Spiegel, der sich atmend hob, / Indes am dunkeln Wasser bei der Brücke / Die füihe Abenddämmrung wob.
  • Chronik der Stadt Burg Stargard und ihrer Gemarkung im Rahmen der Landesgeschichte II Paul Steinmann In seinem Werk: "Alt- und Neues Mecklenburg" hat David Franck die einzelnen Abschnitte (Bücher) dieser Epoche mit folgenden Überschriften versehen: Mecklenburgs: Einrichtung, Verwirrung, Erhöhung, Bedrückung, Vereinigung, Reinigung, Ordnungen. Diese originellen Bezeichnungen charakterisieren auch die Perioden der Geschichte des Landes Stargard in dem genannten Zeitraum.
  • Mädchenerziehung einst und jetzt Erika Grüder Wir leben in einer Zeit rascher Wandlungen wirtschaftlicher, sozialer, kultureller Art. Äußere Lebensform sowie Lebensinhalt sind davon betroffen. Die Erziehung der Mädchen ist in diesen Wechsel miteinbezogen - stärker vielleicht als manche anderen Lebensgebiete. Ein kurzer Rückblick mag dafür zeugen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Erziehung der Mädchen keine Angelegenheit öffentlichen Interesses. Selbstverständlich gab es Mädchenschulen, aber alle "höhere" Bildung war dem männlichen Geschlecht vorbehalten.
  • Noch einmal Goethe und Christiane Ilse Siemers Es ist und bleibt immer ein kühnes Unterfangen, über das Eheleben anderer Menschen ein Urteil fällen zu wollen, auch dann, wenn man glaubt, einen tieferen Einblick als gewöhnlich gewonnen zu haben. Das Leben Goethes mit Christiaue ist nun freilich durch den umfassenden Briefwechsel und andere Schriften, die das Thema eingehend behandeln, für jedermann zugänglich und offenbart mehr, als vielleicht irgend eine Ehe anderer großer Männer.
  • Herbst [Gedicht] Fritz Hagemann Zitternde Zweige hängt / Über den See der Baum. / Im sanfteren Fallwind / Löst die gilben Blätter / Der Herbst.
  • Ein Caroliner als Ingenieur und Manager 5 Jahre in Indien Borwin Wendlandt Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft versuchte ich wie so viele andere, die ebenfalls engere Heimat, Beruf, Verwandte und Freunde verloren hatten, von neuem mein Leben aufzubauen. Im kleiner gewordenen Deutschland war dieser Start für alle, die nicht mehr über materielle Güter verfügten, besonders schwer. Es gelang mir, in der deutschen Bauindustrie Fuß zu fassen. Mein Streben und meine Gedanken gingen jedoch nach Übersee. Da ich alle Examina, die es im Bauingenieurfach gibt, abgelegt hatte, über gute praktische Erfahrungen verfügte und außerdem Volkswirtschaft studiert hatte, wurde ich von der deutschen Bauindustrie neben anderen Aufgaben zur Ausarbeitung des Projektes in Sarobi (Afghanistan), einem großen Wasserkraftwerk mit Staumauer, Druckstollen, Nebenanlagen usw. herangezogen.
  • Erinnerungen an Ludwig Duncker Hans Erich Stier Im Frühling 1918 verlegten meine Eltern ihren Wohnsitz von dem waldumkränzten Doberan unweit des Ostseestrandes nach Neustrelitz. Ich mußte das mir liebgewordene Gymnasium Friderico-Francisceum verlassen, dessen Schüler ich von Quarta bis Untersekunda gewesen war. Der Abschied wurde dadurch erleichtert, daß die im März unter Hindenburg und Ludendorff in Nordfrankreich mit bedeutenden Erfolgen begonnene große Offensive nach dem bitteren Hungerwinter 1917/18 den unbeirrt erwarteten deutschen Endsieg im ersten Weltkriege in greifbare Nähe zu rücken schien.
  • Das Kollegium des Carolinums etwa 1923 [Foto]
  • Wenn der Sommerwind… [Gedicht] G. H. Wenn der Sommerwind / über die Felder geht, / geht mein Sehnen und Sinnen mit.
  • Daniel Sanders (Zum 140. Geburtstage des berühmten Gelehrten und Caroliners) Annalise Wagner Der große deutsche Sprachforscher Daniel Sanders hat das Glück gehabt, schon zu Lebzeiten seinen Ruf als Sprachgelehrter und Lexikograph begründet zu haben. Noch heute nach fast 100 Jahren des Erscheinens seines dreibändigen Wörterbuches der deutschen Sprache greifen Lehrer, Schriftsteller und gebildete Laien gern zu diesem wichtigen Nachschlagewerk. Das Werk, das Freiligrath "ein Denkmal deutschen Geistes, deutschen Wissens und Fleißes, deutscher Gründlichkeit, wie es wenige gibt" nannte.
  • Archivdirektor Dr. Hans Witte Ernst Meyer Am 17. Dezember 1945 ist im Alter von 78 Jahren der Archivdirektor und Leiter der Landesbibliothek sowie des Landesmuseums von Mecklenburg-Strelitz, Dr. Hans Witte, in Neustrelitz gestorben. Er hatte seit Monaten körperlich schwer arbeiten müssen, auf den Höfen Holz hacken und auf dem Friedhof die vielen Gräber ausschaufeln helfen, die damals gebraucht wurden. Zuletzt war er als Hilfsarbeiter einer Sargtischlerei am Sandberg zugeteilt worden. Er leistete damit gleichsam Buße dafür, daß er Jahre hindurch im Glauben an ein besseres Deutschland gelebt und gestrebt hatte.
  • Als ich ein Junge war (Schluß) Peter Brunswig Letzte Schuljahre und Abschied von Neustrelitz - In der langen Erzählung, die Ihr bis jetzt gehört habt, ist fast nur von Vergnügen und Spielen die Rede gewesen, so daß Ihr auf den Gedanken kommen könntet, daß ich in Neustrelitz überhaupt nichts Ernstes zu tun gehabt hätte. Das war aber keineswegs so. Mich interessierten allerdings diese Dinge am meisten, aber sie wurden doch nur in den Freistunden betrieben. Den größten Teil meiner Zeit nahm die Schule in Anspruch, wie es ja auch sein muß.
  • Ehrengäste und Kollegium bei der Einweihung des neuen Carolinums 1925 [Foto]
  • Ist Heimweh unmodern? Friedrich Lube Fast könnte man meinen, Heimweh sei etwas, das sich überlebt hat und es könnte altmodisch klingen, in dieser überschnell und oberflächlich dahinlebenden Welt von Heimweh zu sprechen. Trotzdem wollen wir uns einige Gedanken darüber machen. Von jeher wird in Musik und Literatur die Heimat und die Sehnsucht nach der Heimat verherrlicht.
  • Besinnlicher Rückblick Heinz Lohmeyer Juni 1948. Endlos erschien den in die Heimat zurückkehrenden Kriegsgefangenen die Fahrt durch die weiten Steppen Rußlands und durch die verödete polnische Landschaft. Nach Tagen erwartungsvoller Unruhe erreichte unser Transport Frankfurt an der Oder. Hinter uns lagen harte und entbehrungsreiche, zermürbende und vernichtende Jahre eines Gefangenenlebens. Verloren, aber nicht vergessen war der Krieg. Von der Schulbank weg waren wir im Frühjahr 1941 ins Feld gezogen. Was konnte uns Schüler in dieser Zeit enger miteinander verbinden als die gemeinsam erlebte Schulzeit?
  • Aus der Geschichte des Gymnasiums in Neubrandenburg Erich Mahn Die genaue Zeit der Gründung der "Lateinschule", aus der das spätere Gymnasium hervorgegangen ist, ist zwar nicht bekannt. Angenommen wird für sie die Zeit "um 1350"; 1355 wird zum ersten Male ein Schulrektor genannt. Zweifellos aber hat diese Schule spätestens in der Zeit der Reformation bestanden. Die Nachrichten über die Frühgeschichte des Schulwesens Neubrandenburgs sind im übrigen nur spärlich, da alle älteren städtischen Unterlagen in einem der früheren großen Stadtbrände verloren gegangen sind. Jedenfalls wurde die mittelalterliche Schule von vornherein der Kirche angegliedert.
  • Marburg 1959 P. Strahlende Herbsttage, wie wir sie seit Jahrzehnten nichf gekannt haben. Wird uns die Sonne noch so warm und leuchtend umfangen, wenn wir in Marburg zusammentreffen aus Nord und Süd und West und Ost? Um der Freude, nach 30, ja 40 oder gar 50 Jahren einander wiederzusehen, den höchsten und letzten Glanz zu geben, wenn die alten vertrauten Gestalten und Gesichter wieder auftauchen; wenn man einander die Hände reicht und weiß: er ist noch derselbe gute alte Kamerad von einst!
  • Der Neubrandenburger Abend von 1938 in Berlin Zu den vielseitigen Obliegenheiten einer guten Privatsekretärin eines stark arbeitsbelasteten leitenden Chefs gehört auch neben Gewandtheit, großer Anpassungsfähigkeit, Hilfsbereitschaft, das stete Bemühen, ihm alle nicht unbedingt nötigen persönlichen Vorsprachen usw .abzuwehren. So hatte auch eine derartige Hilfskraft eines Tages einen Herrn, der sich als alter Jugendfreund ihres Chefs vorstellte und ihn persönlich begrüßen wollte, von ihrem Chef, einem sehr in Anspruch genommenen Generaldirektor, ferngehalten mit dem Hinweis, daß sie mit einem solchen Besuch die so kostbare Zeit ihres Chefs nicht in Anspruch nehmen dürfe. Als der Generaldirektor hinterher davon erfuhr, war er sehr ungehalten. "Für einen alten Jugendfreund hin ich immer zu sprechen", war seine Antwort auf diese Abweisung.
  • Zu unseren Texten und Bildern
  • Vermischte Nachrichten
  • Ausflug der Oberprima (Sommer 1920) [Foto] Felix Schreck, Friedrich Rosenthal, Hans-]oachim Deznin, Direktor Dr. Duncker, Wilhelm Prillwitz, Hans-Erich Stier, Ernst Beyer, Wilhelm Stech
  • Uns´ plattdütsch Eck
  • Ut oll Schönbarg - Staatsminister Hustaedt un Konrekter Buddin Hans Meese Ein Land regieren, wenn't ok man blot so lütt is as Land-ein, dat is gor so licht nich, noch tau, wenn dor sonn' lütten Bummel-bi-an as en Hemdslippen , ut de Büx kiken deit as Land Ratzborg, wat 1701 tau Strelitz kamen is. Ik sech jo ümmer: dat mutt ein liehrt hebben, anners finnt hei dor nich mank dörch, dörch all den Kram; un denn kunn gor tau licht werre ein kamen un sik up den Nigenstrelitzer Mark henstellen un deipdenkern raupen: Lieber Georg, steig hernieder!