1958 Winter

Das Carolinum
Blätter für Kultur und Heimat

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(25.) 20. Jahrgang Nr. 27

Inhaltsverzeichnis
  • Zu Gast bei finnischen und schwedischen Entomologen Ernst Urbahn Wie in Nr. 21/22 angekündigt wurde, brachte mir das Jahr 1957 ganz überraschend eine Einladung aus Finnland, auf 14 Tage nach Helsinki zu kommen, um dort Vorträge über entomologische Fragen zu halten. Das Ganze ging aus von dem Genetiker des Zoologischen Instituts der Universität Helsinki, Professor Dr. Esko Suomalainen im Namen der drei entomologischen Gesellschaften Finnlands. -- So eine unverhoffte Gelegenheit, doch noch einmal im Leben zu einer Auslandsreise zu kommen, dazu noch in das befreundete Finnland, durfte nicht ungenutzt vorübergehen.
  • Gartenkonzert der Orangerie (1927) [Gedicht] Fritz Hagemann Melodien überrauschend, / Der Kapelle Schwarz und Glanz. / Weiße Köpfe, atemlauschend. / Steile Lampen. Mückentanz.
  • Göttingen - eine tausendjährige Stad Heinz Motel In einem schönen alten Fachwerkbau, dem "Hardenberger Hof' aus dem Jahre 1592, am Bitterplan, besitzt das Städtische Museum in mehr als 40 Räumen ein würdiges Heim. Die vorgeschichtlichen Funde aus der endenden Eiszeit und der Jungsteinzeit, die dort bewahrt werden, geben Kunde davon, daß das Göttinger Stadtgebiet schon seit mehr als 5000 Jahren von Menschen bewohnt wird.
  • Zur Geschichte der Universität Göttingen K. F. Heise Die idyllische Silhouette Göttingens mit ihren mittelalterlichen Fachwerkbauten und das Grün der sie umgebenden Bäume können die Umwelt nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Stadt in ihren Mauern eine Universität beherbergt, deren Name und Wirkung ebenso traditionsschwer wie aktuell und brisanzreich zugleich ist.
  • Schmerz [Gedicht] G. H. Wohl adelt der Schmerz - / aber er tötet auch. / Nicht wie im Fluge / der Pfeil
  • Schliemann nach dem heutigen Stand der Wissenschaft Ernst Meyer Auf den ersten Blick erscheint das vorstehende Thema einfach und daher leicht zu beantworten. Man lege einen Querschnitt durch die Altertumswissenschaft von heute, in erster Linie durch die Alte Geschichte, die Archäologie und die Vorgeschichte, orientiert nach dem Namen "Schliemann".
  • Paul Weiglin + Köhler Mit Paul Weiglin ist wieder einer der alten Getreuen dahingegangen. Unsere Caroliner Zeitung beklagt den Verlust eines geschätzten Mitarbeiters, aus dessen Feder wir noch manchen wertvollen Beitrag erhoffen durften. Ich verweise auf den Artikel "Dank an Onkel" in Nr. 19/20 der C. Z.
  • Die Heimat in lichten Bildern der Vergangenheit A. Stecher Ein sonniger Ferientag. Wir verlassen· den alten wundervollen Schloßpark in Hohenzieritz, wandern vorüber am schlichten, vornehmen Schloß, am Luisentempel, an der alten, mit dorischen Säulen geschmückten Schmiede und stehen am Ende der Dorfstraße auf einem Hügel, von wo sich eine weite, anmutige Flur unseren Augen darbietet: unten im Tal Prillwitz mit Schloß und Kirche, die Lieps mit Nonnenhof, die Höhen rings mit Wäldern und Baumgruppen, in der Ferne die roten Dächer von Usadel und zu unseren Füßen weite Kornfelder und Wiesen, Weiden mit Kühen und Schafen. Aus dem Korn leuchten Kornblumen und roter Mohn hervor. Im Herzen singt es: "Es wogt das Korn im Sonnenbrand, - darüber die Glocken schallen, Sei mir gegrüßt, mein Heimatland, mein liebstes Land von allen."
  • Mecklenburgische Landschaft (1958) [Gedicht] Fritz Hagemann Viel Helle ist im Land. Die ferne Straße / Gleißt von dem Hügel in den Wiesengrund, / Wo steinern Brückenjoch gefügte Maße / Sanft hindrängt in das leichtgewölbte Rund.
  • Hindenburgs Besuch in Neustrelitz R. Hustaedt Als im April 1925 der erste Reichspräsident Ebert verstorben war, wußte zunächst niemand, wer wohl der Nachfolger sein würde. Die verschiedensten Parteihäupter wurden in Vorschlag gebracht, und es war für viele eine Erlösung, als es hieß, daß der alte, nach dem Tode seiner Frau ruhig und zurückgezogen in Hannover lebende Hindenburg trotz seiner hohen Jahre auf fortgesetztes Bitten und Zureden seiner Freunde sich schließlich bereit erklärte, als Kandidat für das Amt des Reichspräsidenten aufzutreten.
  • Als ich ein Junge war (Fortsetzung) Peter Brunswig Erste Schuljahre und erste Laster. Mein Schulbesuch fing damit an, daß ich eigentlich gleich das erste Mal zu spät kam. Ich sollte nämlich mit Karl Benzin und dessen Vater, der Klassenlehrer in der untersten Klasse war, Nona, wie sie hieß, den wichtigen Weg antreten. Ich war gerade aus dem Bett getrudelt und saß gähnend vor dem Waschtisch, und Johanna wollte mit dem großen Seiflappen auf mich los, da kam Karl Benzin schon hereingestürzt und fragte, ob ich noch nicht fertig sei, sie warteten alle schon auf mich.
  • In Memoriam Dr. Peter Brunswig Am Abend des 22. Januar 1953 fiel unser Caroliner, der Seniorchef der Bankfirma C. G. Trinkaus, Düsseldorf, im 74. Lebensjahr einem tödlichen Autounfall zum Opfer. Wir zeichnen die Persönlichkeit dieses echten, überaus starken und doch so fein empfindenden Mecklenburgers am besten, indem wir Auszüge aus den Worten geben, die an seiner Bahre von seinen Freunden und Mitarbeitern gesprochen sind.
  • Vererbung, Umwelt, Atomenergie Oskar Haffer I. Einleitung. Schon immer hat man von "Gaben" gesprochen, die dem Menschen "in die Wiege" gelegt wurden. In der "Märchenzeit" bemühte man gute und böse Feen damit, die dann schließlich den Erkenntnissen der modernen Erblehre wichen. Jedes Kind beginnt sein Leben mit einem bestimmten Quantum an erbliehen Möglichkeiten, die sein Verhältnis zur Umwelt beherrsehen. Sie entscheiden, zu welcher Art von Mann oder Frau es sich entwickelt.
  • 100 Abende Klaviermusik Hans Peter Range Wer selbst Klavier spielt, weiß, wie schwierig es ist, nur ein einziges Prélude von Chopin oder gar eine ganze Sonate technisch fehlerfrei und auswendig vorzuspielen. Man darf außerdem nicht vergessen, welchen großen physischen und psychischen Belastungen jeder Klaviervirtuose ausgesetzt ist, wie umfangreich sein Repertoire und wie vollendet sein Können sein muß, um sich in einer der vielen Reihen zahlloser Konzertpianisten behaupten zn können. Ich möchte einen Überblick über 100 Klavierabende geben, die ich in den vergangenen Jahren besucht habe.
  • Ursprung und Ziel H. Brunswig Inmitten des mächtigen Stromes, der die europäische Staatengesellschaft erzeugt und geformt hat, ist keine Einzelentwicklung mit dem europäischen Macht- und Kulturzusammenhang so eng verflochten gewesen wie die deutsche, im Geben und Nehmen, im Handeln und Leiden, im Guten wie im Bösen. Vom Eintritt Deutschlands an in die Geschichte bis hin zu dem tragischen Geschehen unserer Tage hat sich dieses Grundgesetz des deutschen Daseins immer wieder erneut, und alle Zukunft, ob sie sie hinnehmen oder zu meistern suchen, wird die Deutschen diesem Gesetz immer wieder unterwerfen.
  • Verkehrswege im Wandel der Zeit Erich Brückner Wenn wir wachen Auges durch die Heimat wandern, fallen uns wohl Unterschiede der einsamen Straßen und Wege abseits der heutigen Reichs- und Landstraßen auf: Zwischen Kornfeldern und Äckern winden sich schmale Feldwege hindurch; und dann stoßen wir auf breite, mehrspurige Straßen; zwei oder drei Spuren schneiden tief in den Sandboden ein; über andere daneben und dazwischen wächst unterdes eine Grasnarbe zur Festigung.
  • Neustrelitz zur Zeit Dörchläuchtings Annalise Wagner Es ist kulturgeschichtlich immer interessant, einen Gang durch eine Stadt zu machen, die verschiedenen Fürsten bis 1918 als Residenz gedient hat. Jeder der sieben Strelitzer Regenten hatte seit 1733 natürlich seinen Ehrgeiz, die Stadt zu verschönern, zu vergrößern und sie als Kulturzentrum auszubauen. Wie sah es nun in Neustrelitz zur Zeit Adolf Friedrichs IV. aus? Sein Oheim Adolf Friedrich III. gründete die Stadt Neustrelitz, als sein Schloß in Altstrelitz 1712 abgebrannt war. Da er ein äußerst sparsamer Fürst war, baute er das ehemalige Jagdhaus Glineke bei Neustrelitz (neben der Meierei Glineke) zum "Fürstlichen Haus" um.
  • Auf dem Zierker See Hermann Flach Wer sieht ihn nicht vor sich, den großen glatten Spiegel in der gleißenden Sonne des frühen Morgens! Kein Lufthauch regt sich, nur die Rohrsänger piepen und wiegen sich auf den Halmen, die Gartenrotschwänze in ihrem herrlichen bunten Kleid umsorgen die Jungen, deren Nester in den Stämmen der Schloßkoppel verborgen sind, die den See begrenzen. Hin und wieder taucht eine Ente auf und ·verschwindet dann wie der Blitz: Haubentaucher - Bleßnörxe nannten wir sie. Und hoch oben zieht der Fischadler, der von Prälank aus seinem Horst aufgestiegen ist, seine langsamen ruhigen Kreise in majestätischer Würde. Jetzt rüttelt er und pfeilschnell stürzt er in die Tiefe, um sein Opfer zu erraffen.
  • Treffen der Lyzeistinnen in Hamburg Herbert Müller Dienstag nach Ostern trafen sich in Hamburg 120 Ehemalige der Neustrelitzer früheren "Höheren Mädchenschule", zum Teil mit Angehörigen. Der Tag verlief wie im Programm vorgesehen: Hafenrundfahrt, gemeinsames Mittagessen im Remter am Dammtorbahnhof, gemeinsamer Abend im Patzenhofer am Stephansplatz.
  • Erinnerungen an Niegenstrelitz [Gedicht] Olga Vorbeck Du schöne Stadt an'n Zierkersee, / wo leew har ick di doch! / Dröchst du nun ok 'n anner Kleed, / Ick leew di ümmer noch.
  • Als ich noch im Flügelkleide Clara Gössel Als ich Ostern 1896 an der Hand meiner Tante vorbei an der zugigen Ecke der Neustrelitzer Stadtkirche in das kleine Gebäude dahinter, die Großherzogliche Höhere Mädchenschule, "Bildungsanstalt für die weibliche Jugend" geleitet wurde, trat ich dort in ein merkwürdig fest gefügtes Gebilde ein. Alle Klassen hatten, ich weiß nicht, seit wievielen Jahrzehnten, ihre unveränderlich festgesetzten Klassenleiter.
  • Vermischte Nachrichten
  • Dr. Hustaedt - 80 Jahre alt Johannes Köhler Am 3. Oktober 1958 feiert Dr. jur. Roderich Hustaedt seinen 80. Geburtstag. Die Altschülerschaft des Carolinums hat allen Anlaß, eines Mannes zu gedenken, der seit über 60 Jahren bis auf den heutigen Tag seiner alten Schule die Treue gehalten hat.
  • Klassentreffen des Carolinerjahrganges 1939 (gymnasialer Zug) F. M. Bald nach der großen Jubiläumsfeier in Marburg traten alle ehemaligen Klassenkameraden in briefliche Verbindung. Hierbei wurde immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß sich unsere Klasse eigentlich mal wieder treffen müßte. Der dann von der "Kieler Sektion" ausgearbeitete Plan wurde allseits begrüßt und wir einigten uns auf die schöne Universitätsstadt Göttingen.
  • Vorstandssitzung und Arbeitstagung in Hamburg am 29. März 1958 Mitglieder unseres Vorstandes hatten sich mit einigen Carolinern, die sich bereits maßgebend an der Vorbereitung der Marburger Feier beteiligt hatten, zu einer Arbeitstagung in Harnburg zusammengefunden, auf der in eingehender Aussprache und Beratung zahlreiche Angelegenheiten und Aufgaben unserer Carolinerschaft erörtert wurden.
  • Antwurt an Zanner ut´n Kirchenchor Ehrenfried Bahlcke ("Schnurz") Min leiw' Siegfried! Iek ward dinen Breiw mal up Hebräisch beantwurten, dat heiht, ick fäng von hinner an, wil dat de Hebräers ok von hinner an tau lesen anfängen. Du hest mi so fründlich inlad't mal bi di in Hamburg intaukiken, hest du dorbi ok doran dacht, dat de Arzt mi dat Klorwader drinken verboden hett und ick noch ümmer unner dat olle Döstgeföhl lidn dauh?
  • Aus dem Alten Carolinum Heinz Schillbach Das Homer-Brikett. Karl Köhlers Polterabend. Schleichpatrouille zu Olga. Extemporale fällt aus
  • Olle Kamellen Konrad Seidel Der blinde Großherzog Friedrich Wilhelm IV. fuhr eines Abends, als das Theater zu Ende war, mit seinem Hofjäger Kort (den ich noch gut kannte) ins Schloß zurück. Als sie auf dem Schloßhof ankamen, rief der blinde Fr. W. IV.: "Sag mal, Kort, brennt hinter der Uhr noch Licht?"