Exkursion zu einem „Griechen aus Mecklenburg“

thumb image

„Ein Grieche aus Mecklenburg“ - so wird Johann Heinrich Voß auch genannt. Das haben die Schülerinnen des Griechischkurses aus Jahrgang 11 im Johann-Heinrich-Voß-Literaturhaus erfahren. In den Räumen der ehemaligen Rektorenwohnung erforschten sie mehr über den Penzliner, der eine der wirkungsmächtigsten Übersetzungen von Homers Epen „Ilias“ und „Odyssee“ geschaffen hat.

Den Weg von seiner Geburt im kleinstädtischen Penzlin, seine frühen musikalischen Erfahrungen, die seine Übersetzertätigkeit geprägt haben, die immer spürbare Faszination für die Antike und insbesondere für die Griechen, über sein harmonisches Privatleben bis hin zu seinen Übersetzungen haben die Griechinnen vom Carolinum nachempfunden.

Voß hat in einer bewegten Zeit gelebt, die Schülerinnen hörten neben dem rhythmischen Klängen der homerischen und Voßschen Hexameter auch den auffordernden Takt der Marseillaise, die der Literat mit einem deutschen Text versehen hat. Denn der gebürtige Mecklenburger war ein Freund der Revolution und erbitterter Gegner der Leibeigenschaft. Welche lebensverändernde Wirkung Gedanken haben können, zeigte sich bei der Besichtigung der Stadtkirche Penzlin, in deren Gruft Ferdinand von Maltzan begraben liegt: Er war der erste Adelige in Mecklenburg, der auf seinen Ländereien die Leibeigenschaft aufhob. Ob er bewegt durch Voßsche Gedanken handelte?

Im Hof des Literaturhauses bestaunte der Kurs den nachgebildeten „Schild des Achill“, der eine Darstellung des geordneten Weltalls, griechisch κόσμος, zeigt. An ihm nahmen sie Platz, um ihre Ergebnisse auszutauschen und zu reflektieren, was eigentlich eine gute Übersetzung ist. Im kühlen Schatten des Hofes bei Vogelgezwitscher und griechischem Kuchen kam mediterranes Flair auf – ein kleines Griechenland mitten in Mecklenburg.