Besuch aus Israel

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Wenn die Sonne das Schweriner Schloss auf seiner Insel über den See hinweg von hinten erleuchtet, entsteht schnell der Eindruck, man befände sich in einem Märchen. Diesen Anblick durften am Montag, den 17.11, allerdings nicht nur einige Schülerinnen und Schüler aus den elften und zwölften Klassen genießen, sondern auch eine Gruppe junger Erwachsener aus Israel, die nach Deutschland gereist waren, um von ihren Erfahrungen am Tag des Hamas-Terroranschlags im Oktober 2023 zu berichten. Doch zunächst sollte zusammen mit dem Carolinum die Landeshauptstadt inklusive Kunstausstellung besichtigt werden.

Nach einer langen Busfahrt entstanden bereits beim Mittagessen im Bischofskeller erste Gespräche über gemeinsame Interessen, wie etwa Musik und die deutsche Bundesliga. Anschließend folgte ein Rundgang im prunkvollen Schweriner Schloss und den darin befindlichen Räumen des Landtags.

Doch das eigentliche Ziel dieses kalten Tages war eine Ausstellung zum Schaffen von Lea Grundig, eine der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen, die bereits in den 1920er und 30er Jahren sozialkritisch den Aufstieg des Nazi-Regimes mit ihrer Kunst vermittelte. Als Jüdin und Kommunistin von den Nationalsozialisten verfolgt, floh sie nach Palästina und kehrte nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Exil zurück.

Bei der Eröffnung und Betrachtung des Werks dieser Künstlerin, musikalisch untermalt durch Ella Vöske und Thado Schulz, wurde eindrucksvoll vermittelt, wie sehr es darin um das Menschliche geht. Sie stellt verschiedene Zeitabschnitte dar, die die Grausamkeit der Nazi-Diktatur widerspiegeln, zeichnet aber auch die Individualität eines Jeden und seiner Erlebnisse. Dabei geht es nicht nur um das, was uns trennt, sondern vor allem darum, was uns verbindet.

Diesen Gedanken vermittelte die Gruppe aus Israel auch beim Gespräch in der Aula des Carolinum am darauffolgenden Tag, das zudem mehrere Zwölftklässler und Lehrer besuchten. Sie machte deutlich, dass es ihnen auf dem Weg der Heilung von den traumatischen Erlebnissen und Verlusten am 07. Oktober 2023 vor allem um Verbindung geht. Nicht nur an sich selbst zu denken, sondern daran, was man anderen geben, was man mit ihnen teilen kann. Seine Erfahrungen anderen zu vermitteln und sie zu berühren. Weiterzugeben, welcher Respekt vor dem Leben entsteht, wenn man dem Tod ins Auge blickt.

Es war für einen jeden unglaublich berührend zu hören, wie stark und mutig, aber natürlich auch emotional, die Besucher dem Publikum ihre individuellen Geschichten erzählten. Dass sie sich trotz der unmenschlichen Vergangenheit Nazi-Deutschlands, an das sie Familie verloren, freuten, in diesem Land zu sein und es kennenzulernen. Dass sie die Gleichheit aller Menschen vermitteln, und nicht ihre Unterschiede, obwohl ein grausamer Anschlag auf Unschuldige ihr Leben prägt. Denn letztendlich geht es genau darum, Mensch zu sein. Und diese starken Menschen saßen am Dienstag in unserer Schulaula und forderten dazu auf, das Licht trotz der Dunkelheit nicht ausgehen zu lassen.

Tilda Berendes-Pätz

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