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Das Sechste Gebot

Besuch des Theaterstücks "Jubiläum" und der Ausstellung zum Holocaustgedenktag

Ausst.

Ein dunkler Friedhof am Rande der Stadt: Fernab von dem geschäftigen Treiben auf den großen Einkaufsmeilen, abgeschottet vom Verkehr und von der Gegenwart durch hohe, mächtige Mauern, die im Laufe der Jahrzehnte von immer mehr  Moos und Efeuranken überwuchert wurden. Das große gusseiserne Tor verwehrt immer noch des Nachts den Zutritt.  Es riecht hier anders. Hier, ist es nur laut, wenn von außerhalb Kindergeschrei über die Mauern dringt oder wenn der leichte Wind an lauen Sommerabenden durch die Baumwipfel zieht und die Blätter zum Rascheln, Tuscheln, Erzählen bringt. Hier herrscht Stille und durch die mächtigen Baumkronen der Linden dringt nichts hinein und nichts hinaus. Die ausladenden Baumkronen sind wie eine Käseglocke, die alles unter sich verbirgt und abschottet: den Geruch nach feuchtem Humus und dunkler Erde, die Ruhe der Grabsteine und Gräber und die Geschichten derer, die in ihnen liegen. Allgegenwärtig – der Tod.

Ausst.

Alles Fiktion? Nein, liebe Leser! All das ist Teil der erfolgreichen Inszenierung von George Taboris „Jubiläum“ der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/ Neustrelitz im Marstall zu Neustrelitz. Die Klasse 11/ 4 des Gymnasium Carolinum Neustrelitz wohnte im Rahmen des gekoppelten Deutsch-Geschichtsunterrichtes der vorerst letzten Vorstellung des Theaterstücks „Jubiläum“ am Mittwoch vergangener Woche anlässlich des Gedenktages an den Holocaust bei. Für die rund 30 Schüler war es eine sehr emotionale Auseinandersetzung mit der Thematik des Holocaust unter den Nationalsozialisten. Das Stück zeigt nicht ausschließlich auf die abscheuliche Massenvernichtung von Juden und Behinderten in den Gaskammern und Krematorien von KZ´s wie Auschwitz, sondern Tabori berücksichtigt auch die Opfer, die aufgrund des psychischen Terrors und Identitätsverlustes keinen anderen Ausweg sahen, als Suizid zu begehen. Die Opfer – wie unbekannte Kinder oder Selbstmörder – ,die auf keiner Liste eines Mahnmals stehen und denen keiner gedenkt. Doch die Ruhe, die diese Verfolgten erst  im Tode fanden, wird gestört durch nachfolgende Generationen, die keine Erinnerungen, keine Assoziationen mit diesem Teil unserer Geschichte verbinden. Eine Generation wird gezeigt, die entgegen jeglicher Wertevorstellung dem fanatischen Rassen- und Judenhass frönt, den man zumindest in Deutschland nach Jahrzehnten der Aufklärung über die Verbrechen im Dritten Reich für verstummt und ausgerottet halten sollte. Das Bild einer Generation entsteht, das durch Grabschändungen und aufflammende Hetzparolen die Toten entehrt und alle aufgeklärten  Menschen entwürdigt.

Ausst.

Zeitgleich zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar wurde im Theater Neustrelitz die Ausstellung des jüdischen Künstlers Samuel Bak „Ein beschwerlicher Weg“ eröffnet, die noch bis zum 9. Februar 2010 immer von 11 – 16 Uhr zu besuchen ist. Die Klasse 11/ 4 des Carolinums ergriff bereits vergangene Woche die Möglichkeit sich die zahlreichen Replikate aus über 60 Jahren künstlerischen Schaffens aus nächster Nähe anzusehen. Samuel Bak, der 1933 in Wilna (Litauen) geboren wurde und die Shoah mit seiner Mutter durch glückliche Umstände in einem HKP-Arbeitslager und in einem Kloster überlebte, verarbeitet diese prägenden Erlebnisse schon in jungen Jahren in erstaunlich sachlich und zugleich tief emotional wirkenden Bildern. Wenn der jetzt in den USA lebende Künstler eine Botschaft in seinen Bildern der Nachwelt hinterlassen will, dann ist es das Sechste der Zehn Gebote, dem zu folgen Juden, Christen, alle Menschen gleichsam aufgefordert sind: DU sollst nicht töten! Dieser sehr plausiblen und scheinbar leicht zu befolgenden Aufforderung gerecht zu werden, so lehrt es uns die Geschichte, ist nicht die Stärke der Menschheit, doch die Notwendigkeit diesem Gebot Folge zu leisten wird nicht besser ausgedrückt durch die Angst, das Leid und die tiefen Wunden im Bild der Nachkommen, die im Wirken und in den Werken von George Tabori und Samuel Bak Ausdruck finden.

Ausst.

Der Schutz der Würde jedes Menschen, das Einstehen für das Recht auf Leben und das Verbot des Tötens und des Leid Hinzufügens sind die Maxime, die uns der Holocaust lehrte. Sie finden Ausdruck in den Werken von Überlebenden des Holocaust  und bleiben Dank dem Engagement für diese Sache wie es gegenwärtig durch das Neustrelitzer Theater und interessierten Schülern des Gymnasium  Carolinum erfolgt, erhalten.

 

Max Schmidt

11/4